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scientology - all about

Inhalt:
L. Ron Hubbard
Dianetik
Das E-Meter
Wie wird das E-Meter eingesetzt?
Scientology
Religion oder nicht?
Die Organisation
Die «Brücke zur geistigen Freiheit»
Umgang mit Kritik
"Wir haben dich lieber tot als unfähig."
Unterwanderung?
Will Scientology die Demokratie abschaffen?
Anwerbung
"Wer einmal drin ist, kommt nicht mehr raus?"
Die Finanzen
Wohin fliesst das Geld?
Feindbilder
Todesfälle und Selbstmorde
Persönlichkeiten in Scientology
Organisationen, die Scientology nahe stehen
Wie schützt man sich davor, in die Irrationalität abzukippen?
Wie umgehen mit Scientology-Mitgliedern?

 

Das Thema Scientology wird kontrovers diskutiert. Unterwandern Scientologen Wirtschaft und Politik? Bezeichnen sie Scientology zu Recht als Religion? Wo fliesst das viele Geld hin? Was steckt hinter ihren Lehren? Was bewegt Leute, dieser Gruppierung beizutreten?

Scientologen erwähnen nur das Positive und streiten Negatives kategorisch ab. Selbstkritik ist ihnen fremd. Dies zieht nach sich, dass Kritiker genauso aggressiv kritisieren und die negativen Punkte herausstreichen müssen, um mit ihrer Kritik durchzukommen. Man kann davon ausgehen, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt.

Ich selbst bin in einer scientologisch geprägten Familie aufgewachsen und habe als Jugendliche vier Jahre in dieser Organisation verbracht. Nach meinem Ausstieg war ich in der Aufklärungsarbeit engagiert und habe mich während rund 10 Jahren intensiv mit der kritischen Seite auseinandergesetzt. Nachfolgend der Versuch einer objektiven Darstellung der einzelnen Aspekte von Scientology.

 

l. ron hubbard

Der Gründer der Scientology-Kirche, Lafayette Ron Hubbard, wurde im Jahre 1911 in Tilden, Nebraska USA, geboren. Nach einem abgebrochenen Studium verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Science-Fiction Autor. Viele Punkte seiner offiziellen, schillernden Biographie, stellten sich als reichlich übertrieben oder sogar falsch heraus. So zum Beispiel seine Auszeichnungen und Titel in der US Navy, seine Fronteinsätze und die darauf folgende Selbstheilung. Ebenso ein Doktortitel und seine langjährigen Forschungen, die nie in dem von ihm behaupteten Ausmass nachgewiesen werden konnten.

Details dazu sind in der unauthorisierten Biografie «Bare-Faced Messiah» von Rusell Miller zu finden, hier in deutscher Übersetzung.

 

dianetik

1950 erzielte L.Ron Hubbard mit dem Buch "DIANETIK - Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" den Durchbruch. Dieses Buch, das auch heute noch jedem Neueinsteiger als erste Lektüre verkauft wird, beschreibt eine Therapie, von der behauptet wird, jedermann könne sie ohne weitere psychologische Vorkenntnisse anwenden.

Was ist Dianetik?

Die DIANETIK-Therapie ist eine Art Reinkarnationstherapie. Ihr Ziel ist es, emotionale 'Lasten', die durch Verletzungen in der Vergangenheit verursacht wurden, abzubauen. Das geschieht, indem der Therapeut den Klienten in einen Zustand der starken Konzentration (Reverie) versetzt und ihn mit geschlossenen Augen vergangene Verletzungen noch einmal durchleben lässt, bis sie ihre emotionale Last verlieren. Da Scientologen an frühere Leben glauben, werden in solchen Sitzungen auch Erlebnisse durchlebt, von denen angenommen wird, dass sie aus anderen Leben stammen. Nach dieser Bearbeitung soll eine Verletzung oder ein Trauma seinen negativen Einfluss auf den Klienten verlieren oder zumindest abgeschwächt sein. Der Klient soll dadurch die Fähigkeit erlangen, Problemsituationen im Leben objektiver zu betrachten und anzugehen.

Ein Beispiel: Iris hat Höhenangst. Der Therapeut veranlasst sie, die Augen zu schliessen und sich zu erinnern, wann sie diese Angst zum letzten mal hatte. Es war, als sie vom zwanzigsten Stock eines Hochhauses hinunter sah. Er lässt Iris genau beschreiben, was sie dabei erlebt hat, vor allem ihre Gefühle und körperlichen Empfindungen, die dazu auftraten. Sie soll die Situation nochmals erleben und fühlen. Sie beschreibt Panik, Angst, ein flaues Gefühl im Magen und dass sie jeweils sehr starke Schmerzen am Hinterkopf bekommt. Der Therapeut fragt dann nach einer früheren Erfahrung, als sie dasselbe Gefühl hatte und lässt sie diese erzählen, beziehungsweise durchleben. Danach fragt er wieder nach einem früheren Erlebnis mit den gleichen Gefühlen, und so weiter.

Nach einigen verschiedenen Erlebnissen, als der Therapeut wieder nach einer früheren, ähnlichen Erfahrung fragt, hat Iris das Gefühl, sie erlebe sich selbst, wie sie als kleines Mädchen von einem Baum stürzt. Sie durchlebt die Panik, die Angst, das flaue Gefühl im Magen. Der Therapeut lässt sie die Erfahrung einige Male durchgehen, dann spürt Iris, wie sie damals bem Sturz vom Baum genau auf den Hinterkopf gefallen ist, dort, wo sie später jeweils die Kopfschmerzen spürte, während ihrer Höhenangst. Iris hat ein Aha-Erlebnis, sie spürt ein Gefühl der Erleichterung, die Erinnerung wird blasser und die damit verbundenen Gefühle und Ängste verschwinden oder gehen zurück.

Einige neuere Techniken der Psychotherapie kommen Hubbards Technik sehr nahe, zum Beispiel das sogenannte EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing - zu deutsch: Augenbewegungs-Desensibilisierung) oder die Hypnotherapie.

Ziel der DIANETIK-Therapie war es, den Zustand des sogenannten CLEAR (engl. clear: klar, hell, rein) zu erreichen. Die Person, die ein CLEAR geworden war, sollte von Einflüssen der Vergangenheit frei sein und daher in jeder Situation optimal reagieren können - das, was als emotionale Intelligenz bezeichnet wird.

Obwohl mit Hubbards Technik durchaus Resultate erzielt wurden, hatte er bei den Möglichkeiten der Therapie doch ziemlich übertrieben:

"Sie (die Dianetik) umfasst eine therapeutische Technik, mit der alle nichtorganischen Geistesstörungen und alle organischen psychosomatischen Leiden mit der Gewissheit völliger Heilung in beliebigen Fällen behandelt werden können."

"Man kann einen CLEAR auf alle Psychosen, Neurosen, Zwänge und Verdrängungen testen und ihn auf alle selbsterzeugten Krankheiten, die man psychosomatische Leiden nennt, prüfen. Das Ergebnis wird immer sein, dass der CLEAR von solchen Störungen ... völlig frei ist."

Sein Versuch, der Öffentlichkeit einen solchen CLEAR vorzuführen, eine Person mit perfekter emotionaler Intelligenz, scheiterte denn auch kläglich.

Dennoch erzählten viele Leute von Erfolgen mit der neuen Therapie und es bildeten sich zahlreiche kleine Gruppen, die die Dianetik praktizierten. Von der offiziellen Wissenschaft wurde Dianetik nicht anerkannt und es wurden die ersten kritischen Stimmen laut.

 

das e-meter

Einige Zeit später stellte Hubbard das E-Meter (Hubbard-Elektrometer) vor. Es handelte sich dabei um eine "Wheatstone'sche Brücke" oder ein Ohm-Meter, ein Gerät, das die Höhe des Widerstandes gegen das Fliessen eines elektrischen Stromes misst (gemessen in Ohm). Das E-Meter misst die Veränderungen im elektrischen Widerstand des menschlichen Körpers und sollte dem Therapeuten als Hilfe dienen. Vorstufen dieses Gerätes wurden Anfang des Jahrhunderts vom Psychologen C.G.Jung und vom Arzt und Psychotherapeuten Wilhelm Reich für Forschungszwecke eingesetzt.

So sieht die heutige Version eines E-Meters aus:

Die Hubbard'sche Theorie besagt nun, dass sich bei Verletzungen im Körper ein Energiestau bildet, der auch später bestehen bleibt und den reibungslosen Ablauf im Körper stört.

Auf dieser Theorie bauen auch andere Therapieformen auf wie die Akupunktur, die Kinesiologie, die Bioenergetik, die Cranio-Sacral-Therapie, usw.

Im obigen Beispiel hat sich bei Iris ein solcher "Stau" durch den Aufschlag am Hinterkopf gebildet. Wenn Iris sich in die Höhe begibt und hinuntersieht, reaktiviert diese Situation die Angst und auch der "Energiestau" wird dadurch reaktiviert und löst damit das Kopfweh aus.

 

wie wird das e-meter eingesetzt?

Der Klient hält in seinen Händen zwei Büchsen, die an das E-Meter angeschlossen werden und durch die ein schwacher elektrischer Strom fliesst. Körper- Hände, Büchsen und E-Meter bilden so einen geschlossenen Stromkreislauf.

Wenn der Therapeut etwas anspricht, das den Klienten emotional belastet (Bei Iris die Höhenangst), werden die damit verbundenen Energiestaus aktiviert. Sie spürt die Angst, das flaue Gefühl und das Kopfweh. Der elektrische Widerstand des Körpers verändert sich. Das zeigt sich am E-Meter in Form eines Ausschlagens der Nadel auf der Mess-Skala.

So wie in der Kinesiologie der "Arm-Test" gebraucht wird, verwendet der Dianetik-Therapeut das E-Meter, um Energiestaus im Körper und die dazugehörigen negativen Erlebnisse aufzuspüren und sie nach Möglichkeit aufzulösen.

In Scientology wird das E-Meter, das nach dem Prinzip eines Lügendetektors funktioniert, aber auch noch zu anderen Zwecken verwendet, die sehr heikel in der Anwendung sind: Zum Beispiel als "Beichthilfe" zum Aufspüren von Sünden, "schlechten" und kritischen Gedanken.

Die Gefahr in der Anwendung des E-Meters liegt vor allem darin, dass für den Therapeuten jede Gefühlsregung des Klienten sichtbar wird. Ein psychologisch unzureichend ausgebildeter oder ideologisch festgefahrener Therapeut kann den Einfluss und die Macht, die er in dieser Situation hat, ausnützen. Er gibt dann auf subtile Weise seine eigenen Überzeugungen und Interpretationen oder die der Organisation an seinen Klienten weiter oder zwingt sie ihm sogar auf.

In solchen Situationen kann die Therapie zur aggressiven Befragungstechnik werden, kann zum Verhör und zur Untergrabung der tiefsten Überzeugungen des Klienten ausarten. Dies wird besonders verheerend, wenn sich der Rest der Organisation hinter die Ansichten des Therapeuten stellt. Das Resultat ist ein Psychoterror, den man als "Gehirnwäsche" bezeichnen kann und der den Klienten auf eine harte Zerreissprobe stellt.

 

scientology

Nach weiteren Veröffentlichungen, die immer mehr in Richtung Metaphysik und Philosophie tendierten, wurde 1954 die erste Kirche, die "Church of Scientology" gegründet.

Bei Scientology wurden ebenfalls Therapien durchgeführt. In Kursen konnte man sich zum Therapeuten ausbilden lassen, Übungen zur besseren zwischenmenschlichen Kommunikation machen, oder die philosophischen Theorien von Hubbard studieren.

Was ist Scientology?

Die religiöse Philosophie Scientology hat viele Elemente aus östlichen Religionen (Buddhismus/ Hinduismus): Die Seele wird als ein unsterbliches Wesen angesehen (Thetan), das nach dem Tod des Körpers in einen neuen Körper "schlüpft" und so viele Leben durchlebt, mit dem Ziel zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Alles Gute und Schlechte, das eine Person in ihrem Leben tut, kommt in diesem oder einem anderen Leben auf sie zurück - nicht durch einen Gott, sondern durch ein physikalisches Gesetz.Die Buddhisten würden dies «Karma» nennen.

Der Glaube an einen Gott wird Scientologen offen gelassen, sie glauben lediglich, dass eine höhere Macht existiert. Sie beten nicht. Für sie besteht der Weg zur Wahrheit und inneren Freiheit darin, alle Verletzungen und schlechten Taten der Vergangenheit, die sich belastend auf sie auswirken, zu therapieren und so den Weg zur inneren, ureigenen Wahrheit freizulegen.

Hubbard selbst gibt die folgenden Quellen für seine Erkenntnisse an:
Sigmund Freud, Anaxagoras, Aristoteles, Roger Bacon, Buddha, Charcot, Confucius, René Descartes, Will Durant, Euclid, Thomas Jefferson, Jesus, Alfred Korzybski, James Clerk Maxwell, Mohammed, Lao Tsze, van Leeuwenhoek, Lucretius, Isaac Newton, Michael Faraday, William James, Socrates, Herbert Spencer, Thomas Paine, Plato, Die Vedischen Hymnen, Voltaire.

Beschränkungen was Alkohol, Hygiene oder Sexualität angeht existieren in Scientology keine, ausser bei Mitarbeitern des obersten Managements, von denen Keuschheit bis zur Ehe verlangt wird und die seit ein paar Jahren keine Kinder haben dürfen, weil ihre Arbeit als absolute Priorität angesehen wird.

Allerdings ist für Scientologen innere Befreiung untrennbar verbunden mit einem hohen moralischen Standard im Leben.

 

religion oder nicht?

Hubbard bezeichnete Scientology als eine religiöse Philosophie und ihre Zentren als Kirchen, weil Scientology sich mit der Seele, ihrer Herkunft, ihrer Bestimmung und ihren Gesetzmässigkeiten befasse. Gemäss seinen Kritikern gründete er eine Kirche weniger wegen religiöser Inhalte, sondern um von der Steuerfreiheit und den Rechtsvorteilen, die religiösen Gemeinschaften garantiert sind, zu profitieren.

 

die organisation

Ende der fünfziger Jahre verlegte Hubbard seinen Wohnsitz nach East Grinstead in Sussex, England.

Dort baute er seine erste grosse Scientology-Organisation auf und strukturierte sie durch bis ins kleinste Detail. Jede Funktion und jeder Arbeitsablauf wurde bis ins Detail vorgeschrieben. Acht Bücher in A4-Format, je 600 Seiten stark, dazu unzählige Ergänzungen und Tonbandvorträge regelten die Abläufe und Verantwortlichkeiten.

Jeder Mitarbeiter musste seine Leistung täglich in Zahlen festhalten. Der Verkäufer zählte das Geld, das er eingenommen hatte; der Kursleiter die Anzahl Kursteilnehmer, die er hatte; der Therapeut die Therapiestunden und die zufriedenen Klienten; derjenige, der neue Leute anwarb, die Zahl der Leute, die er in die Organisation brachte, und so weiter. Die Mitarbeiter wurden nach diesen Zahlen beurteilt und bezahlt (Leistungslohn). Bei steigender Leistung genossen sie hohes Ansehen, bei sinkender Leistung wurden sie verachtet.

 

die «brücke zur geistigen freiheit»

Die Kurse und Therapien wurden zu einer Leiter zusammengestellt, die Hubbard "Brücke zur völligen geistigen Freiheit" nannte. Jedes Mitglied musste auf dieser Leiter einen Kurs nach dem anderen und eine Therapie nach der anderen absolvieren, um so immer höher aufzusteigen, bis zum Zustand des CLEAR (siehe oben). Nach 1967 fügte Hubbard weitere Stufen hinzu, die eine Person, die CLEAR erreicht hatte noch fähiger machen sollten. Sie sollten die Seele (den Thetan) auf den Weg bringen, über sein Leben vollständige Ursache zu werden, nicht die Wirkung von äusseren Umständen zu sein, sondern die Umstände selbst zu bestimmen war das Ziel. Daher nannte er diese Stufen die Stufen zum "operierenden Thetan", kurz OT-Stufen. OT bedeutete also soviel wie: Eine Seele, die den Lauf ihres Lebens selbst bestimmen kann.

Die Mitarbeiter und Mitglieder motivierte Hubbard, indem er stark polarisierte. Er predigte ihnen immer und immer wieder, die Welt werde in spätestens fünf Jahren untergehen, wenn Scientology sich nicht schnell genug ausbreite, um sie zu retten. Scientology sei das einzige funktionierende System, um geistige Freiheit zu erlangen und die Zustände zu verbessern, Psychiatrie und Psychologie wirkten, wenn, dann höchstens kontraproduktiv und die christliche Kirche versklave die Menschen nur.

Hubbard an seine Mitarbeiter:

"Wenn sich jemand für einen Kurs einschreibt, dann betrachten Sie ihn als Mitglied für die Dauer dieses Universums - lassen Sie niemals eine "aufgeschlossene" Einstellung zu. Wenn jemand fortgehen will, lassen sie ihn schnell fortgehen. Wenn sich jemand eingeschrieben hat, so ist er an Bord, und wenn er an Bord ist, dann ist er zu denselben Bedingungen hier, wie alle anderen von uns - gewinnen oder beim Versuch sterben. Lassen Sie ihn niemals ein halbherziger Scientologe sein. Die besten Organisationen der Geschichte waren harte, hingebungsvolle Organisationen. Kein einziger weichlicher Haufen Windelhöschen tragender Dilettanten hat jemals etwas zustande gebracht. Es ist ein hartes Universum. Der soziale Anstrich lässt es mild erscheinen. Aber nur die Tiger überleben - und selbst sie haben es schwer. Wir werden überleben, weil wir zäh und hingebungsvoll sind.

Wenn wir jemanden wirklich ordnungsgemäss ausbilden, wird er mehr und mehr Tiger. Wenn wir halbherzig ausbilden, uns davor fürchten zu kränken und Angst davor haben, etwas durchzusetzen, dann machen wir Studenten nicht zu guten Scientologen - und damit werden alle im Stich gelassen. Wenn Frau Schmusekuchen zu uns kommt, um ausgebildet zu werden, verwandeln Sie jenen schweifenden Zweifel in ihren Augen in einen festen, entschlossenen Glanz, und sie wird gewinnen und wir alle werden gewinnen. Passen Sie sich ihr an und wir alle werden ein wenig sterben."

Dieser Text wurde den Mitgliedern immer und immer vorgelegt. Die entsprechende Einstellung zog sich durch die ganze Organisation. Der Vorteil davon war, dass Scientologen das durchzogen, was sie für richtig hielten. Der Nachteil war, dass sie, wenn sie einmal eine falsche Richtung eingeschlagen hatten (wenn zum Beispiel der Leiter einer Organisation die Lehren wortwörtlich zu interpretieren begann), sie in diese Richtung liefen und sich durch nichts mehr abbringen liessen davon, bis sie Schiffbruch erlitten. Sie ignorierten jegliche Kritik und neigten dazu, die Ansichten anderer mit einem mitleidigen Lächeln abzutun. Auch vertraten Scientologen oft die Einstellung, der Zweck rechtfertige die Mittel und verletzen so im Extremfall Gesetze und grundlegende Menschenrechte im Namen ihrer Mission, die Welt vor dem Untergang zu retten.

 

kritik

Dieses Organisationssystem, das heute noch so betrieben wird, sorgte einerseits für eine schnelle Ausbreitung von Scientology, andererseits war es verantwortlich für sehr aggressive Werbemethoden und einen starken Qualitätsverlust. Die Qualität ging auf Kosten der Quantität. Das wiederum trug ihnen laute Kritik ein und gerichtliche Verfahren:

Im Oktober 1965 wurde das Wirken von Scientology in Australien von einem Untersuchungsausschuss unter die Lupe genommen. Die Untersuchung dauerte 160 Tage und es wurden 151 Zeugen angehört. Der daraus resultierende Bericht begann wie folgt:

"Es gibt einige Züge von Scientology, die so absurd sind, dass eine Tendenz bestehen könnte, Scientology als lächerlich zu betrachten und ihre Praktiker als sonderbare Eigenbrötler. Dies zu tun würde bedeuten, die wesentlichen Schlussfolgerungen des Ausschusses auf gravierendste Weise zu missverstehen. Es wird darum gebeten, beim Lesen des Berichtes diese einleitenden Bemerkungen immer zu berücksichtigen. Scientology ist bösartig, ihre Methoden sind schlimm, ihre Praktiken eine ernsthafte Bedrohung für die Gesellschaft - medizinisch, moralisch und sozial; ihre Anhänger sind arg irregeführt und oft geistig krank."

1968 verbot England die Einreise für ausländische Scientology-Schüler.

1976 wurden in den USA durch den FBI zwei Agenten der Scientology-Organisation mit falschen Ausweispapieren nachts im Justizministerium aufgegriffen. Im Verlaufe der nun folgenden Untersuchungen kam es zu Enthüllungen über die illegalen Taktiken der Organisation und zu einem Prozess gegen führende Persönlichkeiten derselben.

Am 26.Oktober 1979 wurden neun hohe Funktionäre der Scientology-Kirche von einem amerikanischen Bundesgericht wegen Diebstahls und Verschwörung gegen die Regierung verurteilt. Obenan stand Hubbards Ehefrau, die 48jährige Mary Sue Hubbard. Hubbard selbst und 24 weitere Scientology-Anhänger wurden als nicht angeklagte Mitverschwörer bezeichnet.

Die Angeklagten bekannten sich mit Ausnahme von zwei Mitgliedern für schuldig und bekamen teilweise hohe Gefängnisstrafen zuerkannt.

1966 gab Hubbard alle offiziellen Positionen in der Kirchenleitung ab und zog sich - für Forschungsarbeiten, wie er sagte - auf ein Schiff zurück. Er behielt von dort aus aber weiterhin alle Fäden in der Hand. Seine Niederschriften und Anweisungen waren für alle Mitglieder verbindlich und wurden nicht in Frage gestellt.

Kritik war unerwünscht. Was Hubbard geschrieben hatte war Gesetz, wurde nicht hinterfragt und wurde vor allem oft zu wörtlich genommen und nicht im Zusammenhang interpretiert. Kritikern wurde mit rechtlichen Klagen zu Leibe gerückt. Mitglieder, die Scientology zu kritisch waren, wurden ausgeschlossen und jeder Kontakt zu ihnen verboten.

 

"wir haben dich lieber tot als unfähig."

immer wieder zu Missverständnissen führte auch Hubbards bildlich-plakative Ausdrucksweise, besonders wenn er seine Anhänger motivieren wollte. An seine Leute gerichtete Aussagen wie "Wir haben dich lieber tot als unfähig" wurden von Kritikern wörtlich genommen - und manchmal auch von Anhängern, was noch verheerender sein konnte.

 

scientology heute

1986 verstarb L.Ron Hubbard. Die Kirche wurde schon drei Jahre zuvor von einem neuen Management übernommen, das mit eisernem Besen kehrte und die Organisation noch straffer führte, als zuvor. Mit der Computervernetzung aller Organisationen kann heute ein Manager in der internationalen Zentrale in Los Angeles per Knopfdruck feststellen, wie viele Personen an diesem Tag in Tel Aviv ein Dianetikbuch gekauft haben, wie viele in Stockholm einen Scientologykurs abgeschlossen haben oder was die Organisation in Tokio eingenommen hat.

In der Schweiz betreiben die Scientologen 13 Kurs- und Therapiezentren sowie zwei Drogenrehabilitationszentren. Die Mitgliederzahl wird von ehemaligen Scientologen auf 2000 geschätzt, rund 250 davon sind Mitarbeiter.

Der Jahresumsatz beträgt rund 10 Millionen Franken (1995).

 

unterwanderung?

Die Lehre schreibt Scientologen vor, dass sie neue Mitglieder anwerben, Hubbards Techniken im Leben gebrauchen und sich als Scientologen zu erkennen geben. Durch den Druck in der Öffentlichkeit und das negative Image haben aber viele Scientologen schlichtweg Angst, sich offen zu Scientology zu bekennen. Scientology hat keine politischen Ambitionen, aber es wird den Mitgliedern nahegelegt, sich im Leben in wichtige Positionen hinauf zu arbeiten, um das scientologisches Wissen 'optimal einsetzen und verbreiten' zu können.

In äusserst seltenen Fällen sind Positionen schon ausgenutzt worden, wenn Scientologen der Meinung waren, es sei im 'Kampf' gegen einen Gegner gerechtfertigt (-> der Zweck rechtfertigt die Mittel). 

In der Politik sind gesamtschweizerisch nur eine Hand voll Scientologen zu finden. Diese sind vor allem aktiv, um moralische Ziele zu verwirklichen, die in etwa auf der Linie der SVP liegen, nicht um Scientology Macht zu verschaffen. Scientologische Persönlichkeiten findet man ansonsten vor allem unter Künstlern, allen voran den Filmschaffenden.

 

will scientology die demokratie abschaffen?

Hubbards straffe Durchstrukturierung seiner Organisation war ursprünglich von der Idee geleitet, eine schlagkräftige Gruppe auf die Beine zu stellen, die sich durchsetzen und schnell ausbreiten konnte, da er der Meinung war, auf dieser Welt müsse man schnell etwas verändern. Diese harten Regeln und auch die autoritäre Struktur innerhalb Scientology waren nicht als Vorbild für die gesamte Gesellschaft gedacht. 

Hubbard hatte auch vorgesehen, die Regeln später zu mildern. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass Scientologen das nicht selten anders interpretieren und ihre Firma oder die Familie genauso durchstrukturieren wollen. 

Hubbard bemängelte an der Demokratie die Langsamkeit ihrer Entscheidungsprozesse und ihre Anfälligkeit für Manipulation und fand, eine Monarchie würde bessere Dienste leisten, falls sich ein guter Monarch finden liesse.

 

anwerbung

70 bis 80% der neuen Mitglieder werden durch Verwandte, Freunde oder Arbeitskollegen angeworben.

Weitere Methoden:

 

wer einmal drin ist, kommt nicht mehr raus?

Entgegen dieser weitverbreiteten Meinung, zeigen die internen Statistiken, dass nur 10-20% der Neueinsteiger auch tatsächlich über mehrere Jahre dabei bleiben. Es gibt durchaus auch Scientologen, die nur alle paar Jahre einen Kurs besuchen, das Positive für sich daraus nehmen und sich ansonsten nicht von der Organisation beeinflussen lassen. Es gibt auf der anderen Seite aber auch die Fanatiker, die nicht mehr mit sich reden lassen.

 

finanzen

Immer wieder ein Thema bei Scientology ist das Geld.

Für eine Therapie wird Fr.40.- bis 500.- pro Stunde verlangt, in höheren Zentren sogar bis Fr.1200.-. Allerdings wird dort rund um die Therapie einiges an Betreuung geleistet, welche nicht separat verrechnet wird.

Das moderne E-Meter ist ab 4'700.- zu haben. Zu jedem Kurs gehören Bücher und Tonbandkassetten, die gekauft werden müssen. Bücher sind 50.- bis 200.-, ein Set mit 10 Kassetten kostet um die Fr. 300.-.

Die ersten Kurse dauern 10-20 Stunden und kosten 250.- bis 400.-.

Weitere Kurse kosten in der Regel Fr.1500.- und mehr. Manche sind überteuert, manche sind ihr Geld wert. Durch den massiven Druck auf die Mitarbeiter geschieht es aber allzu oft, dass Teilnehmer zu schnell durch die Kurse geschleust. Sie können so nicht den vollen Nutzen aus dem Kurs ziehen und erhalten für ihr Geld nicht den korrekten Gegenwert.

Die Verkäufer sind angewiesen, ganze Kurs-, Therapie- und Buchpakete gegen einen kleinen Rabatt für mehrere Jahre im voraus zu verkaufen. Sie sollen die Klienten mit allen Mitteln davon überzeugen, dafür, wenn nötig, Kredite aufzunehmen (Ihr Lohn und ihr Image hängt davon ab, wie viel sie verkaufen). Solche Pakete kosten 30'000.- bis 80'000.- und die daraus entstehenden Schulden werden dann oft zu einem ernsthaften Problem.

Ein aktiver Scientologe gibt in den ersten 10 Jahren im Schnitt zwischen 100'000.- und 200'000.- aus, danach wird es meist weniger.

Mitarbeiter haben eine Anwesenheitszeit von mindestens 52 bis zu 70 Stunden pro Woche. Das sind 40-60 Arbeitsstunden und 12-15 Stunden scientologische Weiterbildung.

Sie wohnen privat und ihr Lohn variiert je nach ihrer Leistung und den Einnahmen der Organisation in der entsprechenden Woche. Der Lohn schwankt dadurch stark und liegt lediglich zwischen 600.- bis 2'000 Franken monatlich. Viele gehen daher noch einer anderen Arbeit nach oder ihr Partner arbeitet ausserhalb.

Anders ist dies bei den Mitarbeitern der Managementorganisationen in Kopenhagen, East Grinstead - England, Clearwater - Florida, Los Angeles, etc. Sie werden von der Organisation untergebracht und erhalten lediglich ein Taschengeld.

 

wohin fliesst das geld?

Denjenigen, der an der Spitze das grosse Geld absahnt, gibt es nach heutigem Wissen nicht. Scientologen sind überzeugt von ihrer Sache, bis hinauf zur Spitze. Vom aktuellen Boss von Scientology International, David Miscavige ist bekannt, dass er zwar eine Harley besitzt, ansonsten aber von morgens bis spät Nachts arbeitet und von seiner Aufgabe absolut überzeugt ist.

Ebenso wird in den einzelnen Organisationen über die Einnahmen und Ausgaben minutiös Buch geführt. 90% der Einnahmen werden direkt intern wieder verwendet. Das Geld fliesst vor allem in die sehr personalintensiv arbeitenden Organisationen, in rechtliche Angelegenheiten und die aufwendigen Werbeaktionen. Von den restlichen 10% müssen die Managementorganisationen auf kontinentaler und internationaler Ebene mit hunderten von Mitarbeitern leben. Was übrigbleibt geht an die internationalen Reserven, mit denen ab und zu ein Gebäude gekauft wird und die für Notfälle dienen, da die einzelnen Organisationen wenig bis gar keine Geldreserven besitzen.

 

feindbilder

Auch heute hält Scientology an ihren Feindbildern fest was Psychologie, Psychiatrie, die Kirchen und die Medien angeht.

Viele Scientologen sind Vertreter der Verschwörungstheorie, die auch in anderen Kreisen ihre Anhänger hat. Diese Theorie behauptet, es existiere eine internationale Verschwörung von Mächtigen, die das Ziel hätten, die Weltherrschaft zu übernehmen.

Sämtliche Angriffe gegen Scientology werden als deren Machenschaften angesehen, auch Presse und Psychiatrie seien von diesen Verschwörern manipuliert und deshalb wird auf Kritik gar nicht erst gehört. Hier fehlt jede Selbstkritik.

 

todesfälle und selbstmorde

Wie auch in anderen Therapien kann es im Laufe einer Scientology-Therapie zu Identitätsproblemen kommen und sogar zu psychischen Zusammenbrüchen. Bei Scientology wird dieses Phänomen aus drei Gründen zu einem grossen Problem und führt immer wieder zu Unfällen und Selbstmorden:

  1. Innerhalb Scientology besteht eine engstirnige Geisteshaltung, eine starke Polarisierung und Förderung der Feindbilder; ausserhalb der Organisation ist die Kontroverse um Scientology und das fehlende Verständnis der Angehörigen und Freunde ein Problem. So kommt die Person zwischen die Fronten und gerät in zusätzlichen psychischen Stress. Vor allem aber fehlt durch diese Umstände die Einbettung in ein soziales Umfeld, das Sicherheit und Vertrauen gibt und so psychische Probleme abfedern könnte.
  2. Da Scientology sich kategorisch weigert, mit der Psychiatrie zusammenzuarbeiten, selbst aber keine Einrichtungen für solche Fälle hat, werden diese Leute unzureichend behandelt oder ganz einfach fallengelassen, aus Panik, die Medien könnten Scientology dafür verantwortlich machen.
  3. Es geschieht, dass Klienten während einer Therapie den Boden unter den Füssen verlieren und denken, es sei jetzt alles möglich; zum Beispiel ist ein Nichtschwimmer plötzlich davon überzeugt, dass er jetzt schwimmen kann oder ein Asthmatiker "weiss", dass er seine lebensnotwendigen Medikamente nicht mehr braucht. In solchen Fällen schliessen sich die Mitarbeiter seiner Euphorie an und freuen sich über seinen Therapieerfolg, weil sie Hubbards Übertreibungen, was die Therapiemöglichkeiten angeht, für bare Münze nehmen. Sie unternehmen nichts, um den Klienten auf den Boden der Realität zurückzubringen.

Eine Liste von Selbstmordfällen in Scientology

 

persönlichkeiten in scientology

(Film)Schauspieler:
Die Hauptdarstellerin von "EdTV", Tom Cruise (spendete Millionen und ist ein enger Freund von David Miscavige) und seine Ex-Frau Nicole Kidman, Demie Moore, John Travolta (seit dreissig Jahren Mitglied), Priscilla und Lisa Marie Presley (ebenfalls seit vielen Jahren Mitglieder), Sharon Stone, Shirley McLane, Michael D.Roberts("Rain Man"), Lee Purcell, Judy Norton-Taylor ("The Waltons"-sehr engagierte Scientologin), Patrick Swayze (heute Buddhist), Kelly Preston (Ehefrau John Travolta), Kirstie Alley("Look who's talking"), Mimi Rogers, Karen Black, Linda Blair, Nancy Cartwright, Anne Archer("Fatal attraction"), Peggy Lipton ("Twin Peaks"), Juliette Lewis ("Natural born killers"), Emilio Estevez (ausgetreten), Jürgen Prochnov, Ines Torelli (nicht mehr aktiv).

Weitere:
Benazir Butu (Ex-Premierministerin von Pakistan, hat in East Grinstead Scientology studiert), Ernst Brönimann (Grossrat Bern, langjähriger Scientologe), Stefan Burkart (Sprinter), John Brodie (Football-Spieler, nicht mehr dabei), Stanley Clarke (Jazzpianist, ausgestiegen), Billy Sheehan (Bassist von "MR.BIG"), Julia Migenes (Opernsängerin), Chick Corea (Jazzpianist), Nicky Hopkins (Rockpianist, langjähriger Scientologe), Leonard Cohen( Sänger, war in den sechziger Jahren dabei), Frank Stallone (Silvesters Bruder, Sänger und Schauspieler), Gottfried Helnwein (Maler), Hausi Knecht (Künstler), Pablo Röhrig (Maler).

Eine ausführliche Liste aller Persönlichkeiten in Scientology mit Quellenangaben

 

organisationen, die scientology nahe stehen

Die folgenden Organisationen sind Unterorganisationen der offiziellen Scientology:

CCHR: Bürgerkommission für Menschenrechte (kämpft gegen Missstände in der Psychiatrie; heikel wegen der existierenden Feindbilder der Scientologen)

NARCONON: Drogenrehabilitations-Zentrum (Qualität schwankt stark je nachdem, wer das Zentrum leitet, Gefahr zum Übergang in scientologische Abhängigkeit gross)

ZIEL: Zentrum für individuelles und effektives Lernen (Scientologische Schule. Wird in der Schweiz nur als Privatunterricht geführt.)

WISE: World Institute of Scientology Enterprises (Zusammenschluss von Scientologen in der Wirtschaft - Unternehmensberater, Treuhänder, EDV-Berater, Rechtsanwälte, etc. Rund 70 Mitglieder in der Schweiz).

NEW ERA PUBLICATIONS: Scientologys eigener Buchverlag in Kopenhagen.

Daneben gibt es Gruppen und einzelne ausgestiegene Scientologen, die Scientology und Dianetik-Kurse und -Therapien anbieten, jedoch unabhängig und zu niedrigeren Preisen. Es gibt darunter qualitativ sehr gute, aber auch solche die, was zum Beispiel Feindbilder anbelangt, noch extremer sind als die offizielle Scientology.

Die grössten Zusammenschlüsse nennen sich:

Advanced Ability Center(AAC), Freie Zone/ Ron's Org.

Andere ausgestiegene Scientologen haben ihre eigenen Techniken entwickelt, die aber scientologisches Material enthalten:

Landmark Education/Das Forum/EST
Gründer John Paul Rosenberg bzw. Werner Erhard beschäftigte sich mit diversen spirituellen Richtungen und Praktiken wie Hypnose, Yoga, Mind-Techniken, Zen und Scientology.

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Besteht praktisch ausschliesslich aus scientologischem Gedankengut und wurde gegründet von EX-Scientologe Harry Palmer.

 

wie schützt man sich davor, in die irrationalität abzukippen?

Jeder kommt in Zeiten von persönlichen Krisen und Umorientierung in Situationen, in denen er den sicheren Boden unter den Füssen verliert. Man bekommt Angst, geistig abzustürzen; man fühlt sich, als balanciere man auf einem schmalen Grat und sehe unter sich einen tiefen, schwarzen Abgrund. In dieser Situation ist es einfacher, nach einer falschen Sicherheit zu greifen - oder sich ergreifen zu lassen - als die Unsicherheit auszuhalten und sich mit den Schattenseiten von sich selbst und der Welt auseinander zu setzten. Hier ein kleiner Tipp vom Psychologen C.G.Jung:

"So, wie wir äusserlich in einer Welt leben, wo jederzeit sich ein Kontinent senken, sich die Pole verschieben, eine neue Pestilenz ausbrechen kann, so leben wir innerlich in einer Welt, wo jederzeit etwas ähnliches entstehen kann, allerdings nur in Form der Idee, aber nicht minder gefährlich oder unzuverlässig.

Nichtanpassung an die innere Welt ist eine ebenso folgenschwere Unterlassung wie Ignoranz und Unfähigkeit in der äusseren Welt."

"Man kann nämlich einer Ergriffenheit verfallen, wenn man nicht beizeiten begreift, warum man ergriffen worden ist. Einmal sollte man sich fragen: Warum hat mich jener Gedanke so ergriffen? Was heisst das in Bezug auf mich selber?

Dieser bescheidene Zweifel kann uns davor schützen, der eigenen Idee restlos und auf Nimmerwiedersehen zu verfallen."

C.G.Jung

umgang mit scientology-mitgliedern

Im folgenden einige Tipps im Umgang mit Scientologen oder ihren Kindern:

Akzeptieren Sie die positiven Erfahrungen der Person
90% der Mitglieder von Scientology entsprechen einem Querschnitt durch die Bevölkerung was Alter, Bildung und Intelligenz anbelangt. Was sie an den Lehren von Scientology festhalten lässt, ist nicht Dummheit, sondern es sind positive Erfahrungen, die sie während Kursen und Therapien gemacht haben. Sie sind der Meinung, dass diese Erfahrungen die negativen Seiten von Scientology überwiegen.

Bringen Sie also ihre Kritik an, aber lassen sie die Person auch ihre positiven Erfahrungen erzählen und akzeptieren Sie diese. Sie blockt dann nicht gleich ab und ist auch eher bereit, Ihre Kritik ernst zu nehmen.

Üben Sie objektive Kritik
Geben Sie der Person die kritischen Informationen weiter, eventuell auch Bücher zum Lesen. Versuchen Sie aber vor allem, die Dinge zu kritisieren, die Sie selbst als negative Veränderungen bei ihr beobachtet haben. Zum Beispiel: "Ich finde, du bist überheblich geworden.","Ich habe beobachtet, dass dich die Probleme deiner Freunde nicht mehr interessieren", "du stehst nicht mehr mit beiden Füssen auf dem Boden und vernachlässigst in deiner Euphorie deine Pflichten", "du bist plötzlich so angepasst, ich vermisse deine kritische Haltung unserer Leistungsgesellschft gegenüber", etc.

Versuchen Sie, die Kritikpunkte möglichst konkret zu nennen und fragen Sie dann nach, um die neuen Wertvorstellungen und Ideen, die die Person zu ihrer Haltung veranlasst haben, zu finden: "Was schreibt Hubbard denn darüber, wie wichtig 'alte' Freundschaften sind?","Warum denkst du, dass deine Pflichten im Moment zweitrangig sind?" oder "Was ist Hubbards Meinung über Leute, die keine Scientology machen wollen?".

Versuchen Sie, mit der Person über ihre neuen Einstellungen zu diskutieren und Sie dazu zu bringen, die Sache auch einmal von Ihrer Seite her zu sehen.

Kritisieren Sie nicht ihren Glauben
Machen Sie sich nicht über das lustig, was sie glaubt. Denken Sie daran, dass immerhin ein grosser Teil der Erdbevölkerung glaubt, dass es frühere Leben gibt. Glaubt die Person, dass wir in früheren Leben in Raumschiffen herumgeflogen sind? Der Glaube, man komme nach dem Tod in die Hölle oder es gebe da irgendwo ein Paradies im Himmel, ist im Grunde ebenso unbewiesen und absurd.

Jeder darf glauben, was er will, solange er damit keinem schadet.

Raus holen?
Versuchen Sie nicht, jemanden um jeden Preis «rauszuholen», so lange keine ernshaften Probleme durch seine Mitgliedschaft entstehen. Diskutieren Sie immer wieder und versuchen Sie, sein Denken kritisch zu hinterfragen. Das bringt ihn zum Nachdenken - Wenn nicht jetzt, dann kommen ihm Ihre Argumente in den Sinn, wenn er einmal vor der Entscheidung steht, die Gruppe zu verlassen.

Versuchen Sie zu integrieren
Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die Scientology angehören, ist es wichtig, dass sie nicht zu Aussenseitern werden in der Gruppe oder Klasse. Ihre Fähigkeit, objektiv zu denken (nicht fanatisch) und die Möglichkeit, dass sie sich später von der Gruppe lösen können, hängt in grossem Masse davon ab, wie viele gute, tragfähige Beziehungen sie zu Nicht-Scientologen aufbauen können.

Investieren Sie also vor allem darin, bei den Mitschülern oder Freunden Verständnis zu schaffen und eine offene Diskussion ohne Berührungsängste zu fördern (i.e. der Scientologe erzählt von seinen positiven Erfahrungen und die Mitschüler bringen ihre Kritikpunkte an). Man muss hier nicht gleich Angst haben, der Scientologe ziehe so andere mit hinein. Man kann sich vorher über die negativen Seiten informieren oder für die Diskussion ein ehemaliges Mitglied einladen.

Nehmen Sie Hilfe in Anspruch
Solche Diskussionen sind nicht immer leicht, vor allem, wenn die Mitgliedschaft bei Scientology Probleme mit sich bringt. In einem solchen Fall sollte man die Gespräche mit jemandem weiterführen, der sich mit Scientology oder Sekten im allgemeinen auskennt.

Wer den Mut dazu hat, kann sich zuerst auch einmal ganz unkonventionell an den Leiter der so genannten Ethik-Abeilung in der entsprechenden Scientology-Organisation wenden. Diese Abeilung ist für das moralische Verhalten der Scientologen zuständig. Vor allem, wenn das Verhalten der Person gegen den scientologischen Moralkodex verstösst, kann die scientologische Ethik-Abteilung mehr erreichen, weil der Scientologe auf diese hört. Ein solches Vorgehen wäre möglich, wenn ein scientologischer Chef zum Beispiel seine Untergebenen in einer privaten Firma zu Scientology-Kursen zwingt, wenn ein Scientologe seine Familie oder seine Arbeit vernachlässigt oder eventuell auch bei Beziehungsproblemen.

Rufen Sie dazu einfach in der Scientology-Organisation an, verlangen Sie den Mitarbeiter, der für die Ethik-Abteilung zuständig ist und erzählen Sie von Ihrem Problem oder verlangen Sie einen Gesprächstermin (Normalerweise sind die Dienste der Ethikabteilung kostenlos, fragen Sie aber sicherheitshalber nach). Das Gelingen hängt dann stark vom Mitarbeiter ab, der die Ethik-Abteilung betreut. Nur keine Angst, die Scientologen kennen keinen Zauberspruch, der abhängig macht! Und wenn Sie sich nach einem solchen Gespräch unwohl oder unsicher fühlen oder sich keine Lösung ergeben hat, wenden Sie sich am besten an eine Informationsstelle für Sektenfragen.

Die folgenden Stellen helfen weiter und vermitteln Gespräche mit ehemaligen Scientologen:

Verein INFOSEKTA 
Birmensdorferstr.421 
Postfach, 8055 Zürich
Tel. 01/454 80 80 (nur Do 9-11 Uhr), Fax. 01 454 80 82

Evangelischen Informationsstelle
Kirchen - Sekten - Religionen

Wettsteinweg 9
8630 Rüti ZH
Tel. 055 260 30 80

AGSD 
Aufklärungsgemeinschaft über Scientology und Dianetik

Postfach, 8024 Zürich
Tel. +41 44 740 57 06, Fax +41 44 741 57 05

Zusammenstellung: Susanne Hänni

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