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andere religiöse & esoterische gruppen

Erfahrungsberichte von ehemaligen Mitgliedern:


Fernsehdokumenation über den «Guru von Nennigkofen». Der frei praktizierende Psychiater Samuel Widmer ist selbst in einer Sekte aufgewachsen. Seine Eltern waren Mitglieder des Brüdervereins Zuchwil. Vor rund 8 Jahren hat er sich in Nennigkofen niedergelassen und dort die «Kirschblütengemeinschaft» gegründet. Es handelt sich dabei um eine tantrische Gemeinschaft in der rund 100 Erwachsene und 60 Kinder leben. Widmer selbst hat zwei Frauen und total 9 Kinder.

Rund 50 Erfahrungsberichte über Lichtarbeit, Channeling, Reiki, Bruno Gröning, Transzendentale Meditation, Feng Shui, etc. Die Website möchte die möglichen Schattenseiten von Lichtarbeit und Esoterik aufzeigen.

Momentan boomen im deutschsprachigen Raum die „Schenkkreise“, alias „Herzkreise für Frauen“, mit hohen Verlusten für die Betroffenen - der Bericht eines Menschen, der sich nicht locken liess.

Fünf Frauen erzählen von Ihren Besuchen bei Schenkkreisen und weshalb sie nicht teilnehmen werden.

Euclides Granados hat lange Zeit mit dem Guru Wolfgang Wankmiller unter einem Dach gelebt. Die Wankmiller-Gruppe in Füssen zählt rund 40 Erwachsene und doppelt so viele Kinder.

Erfahrungsberichte auf dieser Seite:


Wibke erzählt von ihrer Erfahrung mit Gideon Flachsmann, alias Gideon Fontalba, alias Shin Gideon, ehemals Führer der 'Weißen Quelle', alias Christian Rosenkreutz.

Warum es auch Dir passieren könnte - Helke Koulakiotis' Training bei bei Hannes "Ayura" Scholl.

«Sekte? Ich doch nicht» - Gedanken von E.J. zu einer unterschätzten Gefahr.

Die fünf 'Tibeter' - Kommt der Inhalt des beliebten Büchleins wirklich aus dem Tibet?

 

Gideon Flachsmann

Ich hatte in den letzten Monaten mit einem Ehepaar zu tun, das über mich Texte verbreitete, in denen es angebliche vergangene Inkarnationen über mich erforscht hatte und veröffentlichte. War ein Kampf mit ihnen...Nun, es ist ja mittlerweile gut drei Jahre her, dass ich mit Herrn Flachsmann zu tun hatte. Aber dies erzähl ich gerne.

Ich war damals in einer Ausbildung Sprachkünstlerische Therapie bei den Anthroposophen (auch ein Völkchen für sich, über das ich gern Auskunft gebe oder Missstände bespreche). Mit daran teil nahm für ein Jahr auch eine Frau, die mich später kontaktierte wegen ihres Sohnes, um den sie sich Sorgen machte. Dieser war zum Anhänger geworden von Flachsmann und die Mutter fühlte sich überfordert damit, diesen einzuschätzen bzw. mit ihrem Sohn entsprechend zu argumentieren, ihn los zu bekommen von diesem. Sie hielt mich für kompetent genug, da vielleicht etwas bewegen zu können.

Ich lernte dann erst mal in diesem Elternhaus Michael (Name geändert) kennen - und leider Gottes auch schon lieben, was mich allerdings nicht abhielt von meiner inneren Distanzfähigkeit. Das war sozusagen meine erste Liebe auf den ersten Blick :-(

Naja. Ich wurde dann von Michael und seiner Mutter eingeladen zur sogenannten Erdenfeier von Flachsmann. Das fand in der Schweiz statt und geladen waren Menschen aus aller Welt und Vertreter aus allen Religionen. Zwischen dem kleinen Schloß Hüningen und dem großen Zelt war eine Wiese, um deren anfangs noch leeren Zentrum kreisförmig kleine offene weiße Zelte zum Betreten aufgebaut waren. Dort durfte jede Religion sich einen eigenen Tempel erbauen, einen eigenen Altar oder so. Wurde auch fleißig genutzt.

Sowohl vor dem Zelt auf dieser großen freien Wiese als auch in dem Zelt fanden die Veranstaltungen statt. Flachsmann war ja früher Eurythmie-Lehrer, wurde dann aber sozusagen verstoßen, weil er angeblich schwarzmagisch gearbeitet hat. Und eine Frau kümmerte sich darum, dass er an keiner Schule mehr unterrichten durfte.

Dementsprechend aus seiner Vorgebildetheit heraus des Eurythmie-Studiums, aber auch durch einen (von ihm erzählten) (dubiosen) geistigen Lehrer hatte er einige Fähigkeiten entwickelt, durch die er auch eigene Übungen erfunden hat, die er mit uns über den Tag verteilt ab und zu machte: Körperübungen. Ich muss sagen: Das hatte was und war schön.

Ich kann auch nicht behaupten, dass er dumme Sachen erzählte, als er von den Chakren sprach und von Kundalini. Seine Inhalte waren da sehr schön und rein gehalten.

Aber es gab schon ein paar Verhaltensweisen, die ich sehr merkwürdig fand und die ich wirklich etwas kritisieren musste. Weiter unten mehr. Es gab so einen Hofstaat um ihn herum, der ihn abschottete gegen zu viel privates Interesse irgendwelcher Teilnehmer.

Ich besuchte dann meinen angehenden Freund. Er zeigte mir dann eine Menge Unterlagen, die Flachsmann an seine engeren Kreise früher heraus gegeben hatte. Früher hatte er eine Art Geheimschule gegründet, die er 'Weiße Quelle' (Fontalba) bezeichnete. Diese Schule fand aber irgendwann ihr Ende. Dort hatte er (seinen) Einblick gegeben über (die) (sieben) Eingeweihte(n) und Meister in bestimmten, nennbaren Inkarnationen. Zu jedem dieser gab er Unterlagen heraus, durch die man sich mit diesen in der überirdischen Welt angeblich verbinden könnte. Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, zählte er auch zu diesen Meistern. Aber auch mit den anderen beschäftigte ich mich daraufhin, um meine eigenen Differenzierungen zu entdecken.

Es waren aber auch Texte dabei, die Meditationen darstellen sollten verschiedenster Art. Ne Art Selbstbewusstseinstraining. Habs nicht mehr in Erinnerung. Ich entschied jedenfalls, dass ich mein Selbstbewusstsein nicht aus Meditationen holen will, sondern aus dem Tätigsein in der 'Welt', meinem Beruf, meiner Berufung und dem Arbeiten mit Menschen usf.

Aber ich nahm weiter teil an den Treffen, kleinere Treffen, die es dann gab. Darshan z.B. Da tauchten solche Dinge auf wie dass der Herr erzitterte und rote Flecken am Körper bekam und uns ein (in Karlsruhe umstrittener) Heilpraktiker erklärte, dass dies keine normalen Zustände seien, wie das unsereins vielleicht kenne, sondern was Besonderes, ein Kundalini-Schub. Der Herr war dann gar nicht mehr recht ansprechbar und zitterte da vor seinem Publikum vor sich hin. Die Helfer ergriffen dann das Wort und luden die Teilnehmer zum Singen ein von Liedern, die Flachsmann selber geschrieben hatte. Die wurden dann gesungen und mit diesen wurde Flachsmann gestärkt.

Einmal geriet er in so einen Zustand, nachdem er in der Pause vorher einen Brief von mir gelesen hatte, in dem ich mich hilfesuchend, aber auch kritisch und eigenständig mitarbeitenwollend an ihn wandte. Er sprach daraufhin einen kleinen Vortrag an die Teilnehmer, in dem eigentlich nur ich erkennen konnte, dass er gegen mich wetterte. Er wurde so erzürnt ob meiner Worte in dem Brief, dass er wieder in das Zittern kam, eine Teilnehmerin sich zu Boden warf und lauthals: "Liebt euch, liebt euch, liebt euch" rief. Dann wurde wieder gesungen für ihn. Und nachdem er wieder zu sich gefunden hatte, kümmerte er sich auch um diese Frau.

Ich erlebte, dass mein Freund ihn während der Seminare privat aufsuchte in den Pausen. Dort erhielt er Übungen für sich, die ihm helfen sollten. Ich hatte auch den Eindruck, dass sie ihm helfen konnten. Er zeigte mir diese Übungen. Aber da Michael recht wortkarg war, konnte ich nicht viel heraus bekommen über weitere Verhaltensweisen von Flachsmann. Ich kann mir schon vorstellen, dass er Dinge gesagt oder getan hat, bei denen Michael nicht wachsam genug war, zu bemerken oder zu hinterfragen, was da eigentlich noch geschah.

Nachdem ich Flachsmann diesen Brief hatte geben lassen, wurde ich dann auch schon aus dem engeren Gönnerkreis von Flachsmann ausgestoßen. Ich hatte keine Chance, mit ihm wirklich zu reden.

Bei einem anderen Darshan leitete er die Teilnehmer zum Singen und Tanzen auf. Dieses Singen und Tanzen hatte so etwas uriges, dass ich mich fühlte wie in irgendeinem Urwald bei irgendeinem Eingeborenenstamm. Und mir war klar, dass ich das nicht mitmache und auch nicht gutheißen kann. Es ging mir einfach zu weit und übertraf den guten Geschmack, das geübte Urteilsvermögen von Herankommen an die eigenen inneren Kräfte bei weitem.

Bei der zweiten und letzten Erdenfeier, an der ich ein Jahr später teilnahm, fiel mir noch mehr auf, dass es zu viele einseitig-männliche Züge gab in dem ganzen Gebahren des Herrn Flachsmann. Er ging sogar so weit, dass er sich als die Inkarnation Gottes sah oder irgend so etwas. Er meinte, man müsse ihn nun hofieren, um in seine Gunst zu kommen; er wundere sich, dass noch nichts käme. Man müsste ihn eigentlich umrennen vor Huldigung. Er lächelte dabei süffisant, dass ich nicht recht wusste, wie spaßig er das nun wirklich meinte. Aber eher steckte für mich doch ein wenig Wahnsinn darin.

Natürlich kehrt in uns alle Gott ein und auch so etwas, das man als Christus bezeichnen kann. Vielmehr ist es möglich, dass wir im Leben ganz viele der Dinge auch erleben können, die Christus durchlitten hat und wir können dieser geistigen Kraft lebendig sehr sehr nahe kommen. Aber eigentlich macht einen das sehr bescheiden und führt nur zeitweise zu solchem Übereifer wie ich es bei Flachsmann dauerhaft und hartnäckig fand. Mal hielt er sich für die Reinkarnation des Christian Rosenkreutz, dann war er noch viel mehr - und keiner wusste genau, was grad Stand der Dinge war... nur, dass er hoch zu achten sei.

Bei dieser zweiten Erdenfeier unterhielt ich mich mit der Frau, die sich damals zu Boden geworfen hatte. Wir sprachen darüber, dass Flachsmann zu männlich ist. Sie bestätigte dies aus ihrer Sicht und bekannte mir dann aber auch, dass sie sich gesagt habe, dass das bei ihm schon sein Recht habe und richtig so wohl sein müsse. Ich sagte: Es muss nicht so sein.

Und ich unternahm dann auch entsprechend etwas: Seine Frau war diesmal auch dabei. Diese - immer kränklich, wie mir gesagt wurde (wen wunderts!) - hatte mit ihm zusammen die Königenwürde von vereinten Vertretern der Religionen mit Kronenaufsetzung in unserer Öffentlichkeit erhalten. Ihr wurde an Flachsmanns Seite die weibliche Königenwürde anerkannt. Sie brach dabei ins Weinen aus und ich hatte den Eindruck, dass auf ihr eine unsagbar große Last liegt. Flachsmann ist zu männlich und alles, was da an Mangel unasugesprochen lebt, muss sie als seine Frau tragen.

Ich fand das zum Himmel schreiend verdrehte Welt. Als eine ruhige Minute war und der Sitzkreis im großen Zelt (am selben Ort in Hünigen) ruhig genug war und auch Flachsmann und seine Frau dasaßen, stand ich auf und stellte mich mitten in den Kreis hinein. Ich war zuvor durch den Matsch gelaufen, der sich draußen auf der Wiese durch das viele Betreten dessen entwickelt hatte und hatte ganz erdige, schlammige Füße: geerdet, wie ich empfand. Auch hatte ich irgendwie bewusst ein braunes schlichtes Kleid angezogen. Von dem Garten am Schloss hatte ich mir eine rote Rose gepflückt, noch nicht wissend, was ich damit tun würde. Ich wollte intuitiv vorgehen: weiblich... Und dann trat ich in den Kreis und sagte, ich möchte eine kleine Geste machen, die aber eine große Wirkung haben soll. Ich wurde ins Englische übersetzt. Dann zeigte ich allen meine kleine rote Rose in meiner Hand und suchte, so viele Blicke wie möglich zu erhaschen von den Anwesenden und sie alle mit mir zu verbinden. Ich neigte diese Hand mit der Rose zum Herzen hin und schritt auf die sitzende Frau von Flachsmann zu. Ich kniete mich vor sie nieder und streckte ihr dann wortlos die Rose entgegen. Sie fiel herunter zu mir auf den Boden, fiel in Tränen aus und bedankte sich in allen ihr bekannten Sprachen. Was tat Flachsmann? Er saß noch auf seinem Stuhl... nach einem Weilchen spürte ich seine Hand auf meinem Haupt. Ich hatte kurz das Gefühl, meinen Kopf weg ziehen zu sollen. Ließ es aber dann doch sein. Es wäre aber gut gewesen und die Krönung von allem.

Danach verließ ich das Zelt. Michael war interessanterweise NICHT anwesend gewesen! Dann traf ich draußen einen der Kirche zugeneigten Mann, mit dem ich mich ein wenig angefreundet hatte aufgrund dessen, dass Michael mich seiner Frau vorgestellt hatte. Er war auch nicht anwesend gewesen bei der eben beschriebenen Aktion. Aber er sah, dass meine Füße schmutzig waren und bat, ob er mir die Füße waschen dürfe. Wir suchten dann ihr Gästezimmer auf und er lieh sich von der Gastgeberin eine Fußwanne aus und dann wusch er meine Füße. Ich fand dies alles sehr eindrucksvoll.

Dann setzte ich mich draußen auf die Veranda des Schlosses, an der die Teilnehmer vorbei kommen mussten, wenn sie nach der letzten Einheit zum Essen gingen. Da kamen mir doch interessanterweise Frauen entgegen mit langstieligen Rosen in den Händen. Sonst hatten die Blumen keine Rolle gespielt: aber an diesem Tag, an dem auch ich mit dieser kleinen Rose meine Tat vollbracht hatte.

Just die Frau, mit der ich über die zu starke Männlichket des Herrn Flachsmann gesprochen hatte, kam auf mich zu und schenkte mir ihre langstielige Rose. Und ein anderer Verantwortlicher vom Team kam auf mich zu und bedankte sich bei mir, weil ich etwas getan hätte was schon lange mal nötig gewesen war.

Das war aber mein Ausstand sozusagen. Ich hatte geplant, danach noch mit Michael an die Adria zu fahren. Er entschied sich dann aber, unsere Beziehung zu beenden. Ich nehme an, er muss irgendwie mit Flachsmann gesprochen haben und zu dem Entschluss gekommen sein: Flachsmann oder ich. Jedenfalls würde beides nicht zusammen passen.

Nun ja. Er fragte dann, ob wir dennoch an die Adria fahren. Ich bejahte. Ich wollte mir den Urlaub nicht vermiesen lassen und hatte mich sehr darauf gefreut! Also fuhren wir hin.

Was dann noch geschah, ist privater Natur und war in der Extremheit einmalig in meinem Leben: Ich sah mich derart missverstanden von Michael und es gab kein wirkliches Verständnis mehr von seiner Seite her, dass ich eine vorübergehende Ganzkörperlähmung hatte, die ich nur mittels besonderer Konzentration wieder weg bekam. Die Wellen der Adria danach halfen mir den Rest der Lebendigkeit wieder aufzugreifen und mich nicht mehr zu scheren um diesen Herrn Flachsmann.

Herzlich,
Wibke

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Mein Training bei Hannes "Ayura" Scholl
Warum 'es' auch Ihnen passieren könnte

Anmerkung: Hannes Scholl hat seinen Namen geändert. Er nennt sich jetzt Marc Steinberg und ist im Internet unter http://www.mscoaching.com/ zu finden.

Am Anfang steht immer Begeisterung, niemals Zwang

Ein weiser Mann sagte einmal: 
«Das Recht der Menschen auf Stille, auf saubere Luft und reines Wasser, auf Wiesen und Wälder und auf nicht verunreinigte Lebensmittel gehört in die Verfassung aller Staaten»

Würde man noch den Tierschutz hinzufügen, und würden alle Länder ihre Verfassungen entsprechend ändern, fehlten den Sekten und Kulten ganz entscheidende Argumente.

Es gibt keine verfassungsmässige Pflicht zum Vernünftigsein. Bedauerlicherweise erfährt das Thema Sekten nicht die nötige Aufmerksamkeit in den Medien. Sie entschliessen sich immer dann zur Berichterstattung, wenn sie Sensationen und Bilder zeigen können. So geschieht es, dass die falschen Horrorvorstellungen Menschen denkbar schlecht auf eine Sekte vorbereiten, die dann mit positiven Zügen überrascht und ihre schutzlosen Opfer vereinnahmt.

Ich möchte deshalb erzählen, was Sie erwartet, wenn Sie sich einer Sekte, einem Kult oder auch irgendwelchen esoterischen Abenteuern hingeben.

Am Anfang einer Sektenbindung steht immer Begeisterung, niemals Zwang. Auf liebenswürdige Weise erwecken die Anhänger den Eindruck, Patentlösungen für alle Probleme, Sorgen und Ängste zu haben und es wird der Weg zur Mitgliedschaft vorbereitet. Keine Sekte, kein Kult und auch kein esoterischer Betrüger sagt Ihnen, dass Sie auf einen Weg in die Abhängigkeit gelockt werden, wo Sie

und vieles mehr erwarten. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin der Meinung, dass jeder denken und glauben darf, was er will, und dass sich auch jeder zu seiner Religion öffentlich bekennen darf. Es ist aber meine Überzeugung, dass es keine Religionsausübung geben darf, die Würde und Wohl Dritter verletzt und dass der Staat handeln muss, wenn es zu solchen Grundrechtsverletzungen kommt.

Religionsfreiheit muss da aufhören, wo die Freiheit auf dem Spiel steht, denn dann ist sie keine Privatsache mehr, dann haben Staat und Bürger die Pflicht, die Grundrechte der Opfer zu schützen, entschieden und ohne schlechtes Gewissen. Es ist für mich eine Horrorvorstellung, dass eine von einer Ideologie beeinflusste oder gleichgeschaltete Gesellschaft die grundgesetzliche Werteordnung und somit die darauf beruhenden rechtlichen und politischen Gewährleistungen einschränken oder beseitigen könnte.

Sie glauben, das ist nicht möglich? Ich will versuchen, Ihnen zu erklären, dass es auch für Sie die passende Sekte gibt.

Der erste Kontakt

Eigentlich waren wir eine ganz normale Familie. Drei Kinder, der älteste Sohn verheiratet, eine bezaubernde Schwiegertochter und zwei ebenso bezaubernde Enkelkinder. Und dann machte im Juli 1994 ein Mitglied dieser Familie einen Einkaufsbummel in Stuttgart und traf einen ehemaligen Schulfreund wieder, nach vielen Jahren.

Man beschloss, eine Tasse Kaffee zu trinken und ein bisschen zu plaudern. Eine Einladung zu einem Info-Abend schloss das Gespräch ab. Das Treffen fand am Montag statt und in den folgenden Tagen kamen tägliche Anrufe, die an diesen Info-Abend erinnerten, der auf Freitag terminiert war.

Mein Familienmitglied, nennen wir sie Maria, von Natur aus kein misstrauischer Mensch, dachte sich: Was soll schon passieren, ich schaue mir das mal an. Mit einer Freundin ging sie zu diesem Info-Abend und beide Frauen meldeten sich zum Training an.

Ich habe zwei Monate später einen solchen Info-Abend besucht und kann also aus eigener Erfahrung berichten, was da ablief. Er fand in einer Privatwohnung statt, überall Blumen und Kerzen. Kleine Sitzgruppen waren angeordnet, es gab Gebäck und alkoholfreie Getränke. Überall strahlende Menschen – freundlich, offen und, so schien es mir, sehr selbstbewusst. Eine junge Frau erzählte von Hannes Scholl und seiner ontologischen Gesellschaft in München, von einem Mann, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, anderen Menschen zu helfen. Von sehr grosser Liebe war die Rede, von Yoga und Meditation, von Erfolgen und wundervollen Erfahrungen.

Es waren ungefähr 30 Leute anwesend und, was ich erst viel später erfuhr, nur 5 davon waren Interessenten. Die anderen 25 Menschen waren alle bereits Mitglieder und offenbar nur gekommen, um uns zu überzeugen. Hatten wir eine Chance?

Maria hatte ihr Training schon eine Woche nach dem Info-Abend gemacht. Als ich sie wiedersah, war sie sehr verändert. Sie strahlte noch mehr, war noch hilfsbereiter, noch freundlicher, noch emotionaler, noch offener als vorher. Aber sie war auch perfekt geschult und es gelang ihr, die übrigen Mitglieder meiner Familie anzuwerben. Innerhalb weniger Wochen machten alle das Training und ich geriet schon fast in Zugzwang. Irgendwo war da auch ein kleines Misstrauen, ein paar Fragen, aber auf alle bekam ich Antworten.

Unser Guru Hannes Scholl war zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt. Wo keine negativen Aussagen sind, kann eigentlich auch nichts gefährliches sein, wurde mir suggeriert, und so liess ich mich auf das Training ein. Ausserdem wollte ich wissen, was in München lief.

Vielleicht sollte ich erwähnen, dass es in meinem Universum keine Erkenntnisse über Sekten und Kulte gab. Aids und Drogen ja – aber Sekten?

Das Training

Mein Training begann an einem Freitag um 17.00 Uhr. Zunächst wurden uns die Spielregeln erklärt, was wir tun durften und was nicht, wie das Training verlaufen würde usw. Natürlich gab es Fragen, und wir stellten sie auch. Aber es gab auch Antworten – logisch und ruhig wurde uns alles erklärt und irgendwann ging auch die Energie verloren, Fragen zu stellen. Gegen 1.00 Uhr wurden wir dann in unser Quartier entlassen.

Am Samstag morgen war Trainingsbeginn um 9.00 Uhr. Müde und hungrig, unsere Wirtin hatte nur Nüsse und grünen Tee im Haus und wohnte am anderen Ende der Stadt, sassen wir pünktlich im Stuhl.

Hannes Scholl erschien erstmals und sein Auftritt war perfekt inszeniert. Nach 15 Stunden reden, Übungen und ein paar Kaffeepausen wurden wir mit der Massgabe entlassen, bis zum Trainingsbeginn am Sonntag morgen um 8.00 Uhr kein Wort zu reden, nur in absoluten Notfällen.

Auch der Sonntag lief ähnlich ab und irgendwann in dieser Zeit verlor ich meine Identität. Niemand war skeptischer als ich, niemand schaute genauer hin und stellte mehr Fragen, und trotzdem – sie wenden Techniken an, denen auch ich mich nicht entziehen konnte.

Das Leben in Scholls Gruppe

Am Montag kehrte ich wieder in den Alltag zurück. Ständig hatte ich ein Grinsen im Gesicht, schwebte auf Wolken, war völlig euphorisch. Zu den vier Workshops, die dem Training jeweils Dienstags folgten, fuhr ich 250 km nach München, nur um dabei zu sein. Es war wie ein Sog. Die Gruppe war eine eingeschworene Gemeinschaft, jeder liebte jeden und alle waren glücklich.

Schon am ersten Trainingstag waren wir aufgefordert worden, uns mindestens drei Menschen mitzuteilen und sie zu Info-Abenden einzuladen. Diese Aufforderung wurde mit Nachdruck wiederholt. Wie wir Menschen dazu bringen sollten, ein Training zu machen, wurde uns an Hand eines Trainingsjournals eingeübt.

Es wurde erwartet, dass wir Trainings assistieren und weiterführende Trainings machen, natürlich gegen Bares, und Info-Abende "unterstützen". Da Scholl expandieren wollte, fanden die Info-Abende überall in Deutschland statt und es gab sogar welche in Wien. Auch die Fahrten dorthin, eventuelle Übernachtungen und Verpflegung auf eigene Kosten, versteht sich. Das wurde erwartet. Um den Anforderungen gerecht zu werden, wäre der Einsatz für Scholl ein Full-Time-Job gewesen.

Zwischendrin wurden wir dann noch zum Spenden aufgefordert, da fand sich immer ein Grund, z.B. für den geplanten Einweihungstempel, für die Renovierung einer Aussenstelle, für einen scholleigenen Kindergarten, für ein spirituelles Geschenk für den Meister usw. Da ich diesen Einsatz nicht bringen konnte und auch nicht wollte, wurde ich immer wieder darauf angesprochen und die Mitarbeiter, Assistenten und Teilnehmer versuchten, mich zu überreden.

Und dann war da noch eine Frage, die ich mir stellte: Woher sollte ich die Zeit nehmen, um all dieses Geld zu verdienen, das ich als folgsame und willige Anhängerin benötigte?

Es dauerte Wochen, bis es mir gelang, mich selbst wieder aus diesem Sumpf herauszuziehen. Dass mir das gelang, habe ich dem mahnenden Zeigefinger meines Mannes zu verdanken und den negativen Veränderungen, die ich bei meinen Kindern beobachtete.

Endlich versuchte ich auch, Informationen über Hannes Scholl zu bekommen. Niemand kannte Scholl und niemand war imstande, mir auf Grund meiner Schilderungen klar zu machen, dass wir in eine Sekte geraten sein könnten. So kaufte ich mir Bücher, verschlang jede kleinste Information, Ich schickte Bücher, Kassetten und Dokumente von Scholl an einen Experten, um endlich eine Beurteilung zu bekommen und die Bestätigung, dass ich richtig handelte, wenn ich mich gegen Scholl wandte. 

Der Mensch, den man liebt, entgleitet und wird ein Fremder

In Sekten und Kulten werden die Menschen missbraucht, sie bluten emotional aus, werden zu leeren Hüllen. An jedem Tag passieren Verletzungen, mit denen die Anhänger einmal leben müssen.

Wenn der Autorität eines Menschen Magie zugrunde liegt, wie das bei Scholl der Fall war, dann sind die Betroffenen, wie hoch ihr Bildungsstand auch sein mag, auf den möglicherweise ältesten Trick autoritärer Gedankenkontrolle hereingefallen. Deshalb können auch Menschen, die hochintelligent sind, in die Situation kommen, so ziemlich alles zu glauben, zu tun oder zu rechtfertigen.

Nach 1 ½ Jahren gelang es mir mit Hilfe eines Ausstiegsberaters, meine Kinder aus diesem Kult zu lösen. Für alle gab es danach nichts wichtigeres auf der Welt, als so viele Menschen wie möglich ebenfalls „herauszuholen“. Wir haben sie ein Stück begleitet, ihre Ängste geteilt, ihnen geholfen in schwierigen Situationen und hoffentlich dazu beigetragen, sie wieder zu lebensfrohen Menschen zu machen. Um jeden Einzelnen, den wir zurücklassen mussten, weinen wir noch heute.

In dieser Zeit habe ich erfahren, wie Menschen die man liebt zu Fremden werden können, sie einem entgleiten, zu leeren Hüllen werden. Während Ihrer Mitgliedschaft in einer solchen Gruppe passieren an jedem Tag Verletzungen, mit denen sie später einmal leben müssen.

Wenn man einen Menschen so verliert, ist es ein bisschen wie sterben. Man sieht die radikalen Veränderungen und kann nichts tun, kann ihn nicht davon abhalten.

Auch vom Staat und von unserem Rechtssystem kann man keine Hilfe in dieser Situation erwarten. Unser Staat, der im Extremfall sogar Ladendiebe mit Gefängnis bestraft, lässt die Führer solcher Gruppen schalten und walten, er ist machtlos oder unterschätzt die Gefahr.

Ich stelle nicht in Abrede, dass mystische Erfahrungen eine Form menschlicher Erlebnisweite sein können. Ich stelle aber die Frage, ob es notwendig ist, dass ein Mensch zu mystischem Erleben gedrängt wird, und das unabhängig von seiner geistig-seelischen Reife und Entwicklung. Die Folgen sind nicht abzusehen, wenn die Abwehr des ICH gebrochen wird.

Und wie geht ein Mensch aus einer Sekte? 

Richtig, geht! Er muss gehen, nichts und niemand kann ihm diese Entscheidung abnehmen und keine Gewalt. 

Nach monatelangen Interventionen, Einbindung von Familie und Freundeskreis, und mit Unterstützung unseres Ausstiegsberaters kam Ende Januar der erlösende Anruf: „Ich bin am zusammenpacken, kann ich kommen?“

„Willkommen im Leben“, antwortete ich. Aber da war die Warnung meines Beraters und er behielt recht, es war noch lange nicht überstanden.

C. wog noch 48 kg, sie war so zart, so zerbrechlich, so verletzt. Sie zweifelte an ihrem Verstand, hatte Angst, verrückt zu sein. Sie war nicht fähig, an ihre Gefühle zu kommen – keine Träne, keine Regung.

Gemeinsam sahen wir uns die tragischsten Liebesfilme und die dümmsten Komödien an, sie lernte wieder zu weinen und zu lachen. Sie schlief sehr viel, versteckte sich. Menschenansammlungen ertrug sie nicht. Es kam die Wut auf den Guru, die Angst vor ihm, vor seinen übersinnlichen Fähigkeiten, seiner Magie.

Ich habe sehr viel gewusst und konnte auch einiges tun, aber hätte ich meinen Ausstiegsberater nicht gehabt ... ich denke ich verdanke ihm die psychische Freiheit meiner Kinder – vielleicht sogar das Leben von C.

Und? Glauben Sie immer noch, dass Ihnen d a s nicht passieren kann?

Helke Koulakiotis

Aufklärungsgruppe Krokodil
Schwenninger Strasse 57
71522 Backnang 
Tel. 07191/61970 - Fax /71875
15. März 2001

Hannes Scholl trat auch unter den folgenden Namen/Bezeichnungen auf:
Möglichkeit e.V. 
Hannes-Scholl-Gesellschaft GmbH
Hannes-Scholl-Einweihungsschule
Hannes-Scholl-Gesellschaft für ontologische Trainings
Ayura-Zentrum 
Ayura-Einweihungsschule
Durchbruch e.V. 
Infinity e.V.
HSA – Hannes-Scholl-Ausbildung
HSA – Hannes-Scholl-Akademie
TCA – Ausbildung zum Trainer, Coach & Berater

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"Sekte? Ich doch nicht" - Gedanken zu einer unterschätzten Gefahr von E.J.

Wir meinen, uns könne so etwas nie passieren. Das Thema regt zum Lachen über diejenigen an, die in eine solches "System" geraten sind, erst wenn man einen geliebten Menschen dadurch verliert, vergeht uns das Lachen und wir sind Betroffene. Oder wenn wir nach Jahren in einer "esoterischen Gruppe" ausgestiegen sind und allmählich nach der anfänglichen Verdrängung oftmals durch die Hilfe anderer erahnen, wo wir wirklich waren: In einer Sekte.

Manche müssen für diese Überheblichkeit teuer bezahlen, denn die Gruppe in die man verwickelt wird ist definitiv keine Sekte und dafür gibt es 1000 vorerdachte Gründe, warum dieses negativ besetzte Wort auszuschliessen sei.

Fast jede Sekte ist intern auf keinen Fall eine Sekte. Schon eher eine Interessengemeinschaft, eine psychologisch interessierte Gruppe, eine Vereinigung zum Wohl der Menschheit oder auch zum eigenen Wohl, es geht um komplizierte Prozesse, die nicht jeder Durchschnittsbürger versteht oder beherzigt - aber die Leute, die mitmachen, haben die einmalige Chance zu reifen, zu wachsen, zu verstehen, zu Gott zu werden oder eins zu werden mit ihm, zu einem Übermenschen zu mutieren oder auch seine wahre ausserirdische Identität zu finden etc.

Jeder der mitmacht findet die Wahrheit (die einzige Wahrheit) und die gibt es in kleinen Portionen, damit die Leute nicht gleich am Anfang kehrt machen - was man verdauen kann wird einem aufgeschwatzt, der Rest noch im geheimen gehalten, nur Eingeweihte oder psychisch schon "weitere" Personen haben bereits mehr "Wissen". 

Fast jede Sekte arbeitet mit der Überheblichkeit der Leute - "glaub uns nichts was wir dir sagen", kommt da "du bist doch gescheit genug alles im richtigen Moment auf seine Wahrheit zu überprüfen". Beweise kommen erst nach und nach..."Die Gruppe bei denen ich bin sagt sogar ich solle ihnen nichts glauben, nur mal annehmen es könne wahr sein.... , die wollen mir nichts 'einreden'....". So beginnt es - Geschichten und Zuwendung stehen am Anfang, damit die Person sich auch halbwegs wohl fühlt, Gemeinschaft hat Kraft und diese Kraft wird ebenfalls missbraucht - fühlst du nicht, dass wir ähnlich sind wie du? Fühlst du dich nicht wohl in unserer Mitte? Beruhigt lassen wir uns auf weitere Gespräche ein, denn vor Sekten sind wir gewarnt worden, aber diese Gruppe - ist etwas ganz anderes.

Und du selbst spielst eine ausserordentlich wichtige Rolle in der Gruppe - und wenn du diese Rolle nicht spielst, dann droht deinem "wahren Selbst" der Untergang. Der hätte dir sowieso gedroht - hättest du nicht diese Gruppe getroffen, wo sich alle um dich kümmern, du hast plötzlich aufmerksamste Zuhörer und alles was du sagst hat schon jetzt einen tieferen Sinn - du hast genau diese Gruppe gesucht, schon in deiner Vergangenheit lassen sich Hinweise finden warum du ausgerechnet auf sie gestossen bist. Geschichten ranken sich plötzlich um den Sinn Deiner Existenz - den du schon immer hinterfragt hast. Unser Guru verstand es, die Gruppe immer als das zu verkaufen, was sich die Person zu Beginn gerade wünschte. Also waren wir auch ein Hexenkreis - weissmagische Frauen etc.

Sekten sind alle verschieden doch ihre Muster sind sehr gleich, ich möchte hier keine Namen nennen, denn die Warnung vor spezifischen Sektengruppen sind sinnlos, da sich die verschiedenen Gruppen oft unter einem Deckmantel verkaufen. Vergessen Sie Namen, die bringen sie nicht weiter, wenn Sie oder einer ihrer Angehörigen in der Sektenmaschinerie sitzt. Alles, was in so einer Situation zählt ist: Sie verlieren Menschen. Und die Menschen, die in einer Sekte sprichwörtlich gefangen sind, verlieren sich selbst. Erst wer direkt involviert war oder wer jemanden in einer Gruppe verliert, wer die Persönlichkeitsveränderung mitbekommt oder sie selbst durchmacht, kann verstehen, wie gefährlich Sekten sind.

Betroffene verstehen, was sich hinter dem Wort Sekte verbirgt. Eine Sekte vereinnahmt, verbietet und verändert, bedroht, missbraucht, zerstört und zerbricht Menschen. Doch bis wir das bemerken ist es oft zu spät....... denn der Psychoterror kommt später. Sobald die Person so an die Gruppe gebunden ist, dass sie sich dort auch "halten" möchte (kann bereits nach einer Woche soweit sein). Dann kommen, neben der immer enger werdenden und ernster werdenden bedrohlichen Sektenwahrheit, die ersten Angriffe auf die eigene Persönlichkeit in einer meist grausamen und intensiven Art - ein Fehler wird offen dargelegt, meist vor der ganzen Gruppe. Die Person wird "fertig" gemacht, sie wird in Schuldgefühle getrieben und irgendwann soweit sein, dass sie weint.

Erst die Einsicht, einen Fehler gemacht zu haben (von dem man selbst absolut nicht überzeugt ist) und das Nachgeben sichert wieder die gewohnte Zuwendung und Integrität in der Gruppe. Nach dem totalen Down, nach dem Verlieren des Bodens unter seinen Füssen, nach dem bedrohten Einsturz des guten Ansehens in der Gruppe, folgt die Akzeptanz. Ein heilsamer Augenblick und ein fataler zugleich. Man hat sich zum ersten Mal selbst verkauft. Zum ersten Mal hat man für die Sektenwahrheit die eigene aufgegeben. Es geht nicht um den Fehler, der hochgespielt wurde; es geht nicht um die Liebe, die man zu wenig in sich trug; es geht nicht um den zu wenigen Respekt; den man jemandem gezollt hätte oder um die Sache, die man falsch gemacht hat.

Es geht darum, psychologisch unterdrückt zu werden und zwar auf eine durchdachte und darum umso grausamere Art und Weise. Das ist eines von vielen Beispielen, die sich in einem Sektenalltag immer und immer wieder wiederholen, die Personen werden gebrochen, der Wille allein auf das Sektenwohl abgerichtet, Drohungen werden bald massenweise durch die Blume oder direkt gesagt - wenn Du dieses oder jenes nicht machst dann - bist du verdammt etc. All die Ethik, all die Wahrheit, all die grossen Ziele haben nur einen Zweck: genau diese hochgespielten Werte im Negativen gegen die eigenen Sektenmitglieder zu verwenden und sie somit auszunutzen. 

E.J.

Ich bin 31 und war acht Jahre Mitglied einer Sekte in Wien. Ich war in einer kleinen "namenlosen" Gruppe. Die Medien brachten mich zu den Zweifeln, die ich ohnehin schon hatte - es gab einen Artikel in einer Zeitung und einen kurzen Bericht im Fernsehen darüber.

Ich schreibe meinen Text deshalb so allgemein, weil mir erst die allgemeinen Strukturen jeder einzelnen Sekte dazu verholfen haben, zu erkennen, dass es definitiv eine Sekte war. Ich vergleiche diese Sektenstrukturen mit einem Spinnennetz, das immer gleich ist - in jeder Sekte - was sich bei dem Netz unterscheidet ist lediglich die Information die "es" trägt. Aber die psychologischen Mittel sind überall gleich, bis es zur totalen "Sektenblindheit" kommt.

Das hat mir geholfen, von diesen ganz persönlichen Erlebnissen in meiner Sekte Abstand zu nehmen - in meinem ganz persönlichen Schicksal in dieser Gruppe erkannte ich dieses Netz das die Struktur jeder Sekte ist.

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Die fünf 'Tibeter'
Kommt der Inhalt des beliebten Büchleins wirklich aus dem Tibet?

Unweit von Zürich trifft man in einem Wald auf Europas grösstes Tibet-Zentrum mit angegliedertem Lama-Kloster. Geshe Khedup ist Tibeter ohne Anführungsstriche, Kenner und Deuter der Schriften, eine Art Doktor der Theologie. Der Geshe liegt gerade mit einem Walkman auf dem Bett und hört die Weissagungen seines Lehrers, als er hereinbittet. Er trägt eine rostrote Tunika, Birkenstöcke und Wollstrümpfe, hat ziemlich schütteres graues Haar, eine dicke Hornbrille und ein sehr freundliches, um nicht zu sagen: jugendliches Lachen.

Noch nie in den 68 Jahren seines Lebens hat Geshe Khedup von «Den Fünf 'Tibetern'» gehört oder gelesen. Er betrachtet die Farbfotos mit den Turnübungen sichtlich vergnügt. «Wissen Sie, wir turnen nicht. Wir arbeiten und meditieren. Für das Turnen hätten wir keine Zeit. Ich habe solche Übungen bei uns noch nie gesehen. Vielleicht sind sie aus Indien.» Es stimme zwar, dass die tibetischen Mönche sich mit fünf grossen Themen beschäftigen, aber die nennen sie nicht Riten.

Auch sämtliche übrigen Fragen verneint der Geshe heiter und kurz: keine Vegetarier und Trennkostler («Wir essen alles»), kein Wunderglaube («Wunder hat nur Buddha gemacht, seither gibt es keine mehr»), keine Lebensenergie «Prana» und wie die pseudotibetischen Fachausdrücke alle heissen («Was ist das? Das ist nicht Tibetisch»), schon gar kein Streben nach ewiger Jugend («Daran liegt uns nichts, das ist eher ein westlicher Wunsch. Wir glauben an die Wiedergeburt»). Und kichernd macht der Geshe uns Schwarztee mit viel Zucker und Sahne.
Sagte doch schon Voltaire: «Der erste Prophet war der erste Schurke, der einem Dummkopf begegnete.»

aus: WELTWOCHE Nr.46/99

 


 

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