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hare krishna/iskcon

Erfahrungsberichte von ehemaligen Mitgliedern:


Die folgende fiktive Geschichte wurde von Ursula Zöpel zusammengestellt aus tatsächlichen Begebenheiten vieler Aussteiger, mit denen sie zu tun hatte.

 

Erfahrungsberichte auf dieser Seite:


offener brief eines ehemaligen gurukula-schülers an die iskcon-führer

Sexueller Missbrauch bei der ISKCON

Liebe Führer der ISKCON,

Kürzlich gingen mir durch das Gerede um vergangenen Missbrauch einige Fragen und Zweifel durch den Kopf. Seit diesen Zweifeln, die euch selbst betreffen, denke ich, dass wenigstens einer oder einige von euch in der Lage sein sollten, sie für mich zu klären. Andernfalls kann ich nicht anders als den gegenwärtigen Stand und das gesamte Bewusstsein der ISKCON als weit entfernt von den Wünschen und Lehren Srila Prabhupadas zu betrachten.

Bitte erlaubt mir zunächst, dass ich mich vorstelle. Mein Name ist Raghunatha. Ich wurde 1975 in die ISKCON Deutschland geboren. Von 1980 bis 1985 wurde ich in die Gurukula nach Vrindavan geschickt im Alter von 5 bis 10 Jahren.

Man kann mich grundsätzlich für einen Modellfall für den ganzen Missbrauch halten, der dort stattfand. Und ich kann euch versichern, dass alles, was ihr auf der VOICE website gehört oder gelesen habt, definitiv keine Übertreibung ist. Nachdem ich ein Jahr lang nicht ein Wort gesprochen hatte, schickte mich die Gurukula endlich nach Hause. Ich kann nicht mit der Erklärung des psychologischen Schadens beginnen, den diese Erfahrung verursachte, aber ich kann sagen, wo es mich erfasste.

Nach dieser Erfahrung hatte ich starke Zweifel bei autoritären Personen, besonders in der Schule, und deshalb habe ich keine abgeschlossene Schulausbildung. Ich verbrachte meine Jugend mit Drogen und schnitt mir die Arme mit Rasierklingen auf. Am Ende lebte ich auf der Straße, spritzte Drogen und ernährte mich von Abfällen. Ich hatte absolut keinen Lebenswillen mehr und wartete nur auf eine Überdosis, erschossen zu werden oder auf sonst etwas Aufregendes. Doch während ich so gefährlich lebte, spürte ich greifbar wie Krishna mich mehrere Male am Rand des Todes errettete.

Dadurch begann ich wieder zu glauben und begann sogar zu chanten. Bald begann ich wieder mit dem Lesen der Bücher. An einem Punkt dämmerte es schließlich bei mir, dass die gemachte Erfahrung nichts zu tun hatte mit Srila Prabhupada und den Lehren der Bewegung. Ich konnte schließlich akzeptieren, dass alles, was passiert war, von einzelnen Personen verursacht wurde, die von den Lehren abgeschweift waren.

Das gab mir Enthusiasmus und so schloss ich mich im Sommer 1995 dem Tempel in Deutschland an. Ich stellte mir vor, dass alles in der Vergangenheit geschehen war und es wurde zur vergessen Geschichte. Und war es nicht Vaisnava-Art zu vergeben, besonders denjenigen, die sich an einem persönlich vergangen haben. So diente ich die nächsten 4 Jahre bei der deutschen ,,Travelling Sankirtan Party". (Anm. d. Übersetzerin: Buchverkauf ohne festen Standort, Leben im Bus über einen längeren Zeitraum.) Doch traurigerweise schien es immer mehr und mehr, dass die alte Stimmung von ISKCON noch umherschlich. Und nach einiger Erfahrung mit der Leitung von ISKCON fühle ich mich zum Sprechen verpflichtet.

Meine ersten Bedenken habe ich gegen einen gewissen Satadhanya. Diese Person gab vor ein Sannyasi zu sein und wurde bei der Misshandlung von Kindern in Mayapur erwischt, damals zur gleichen Zeit wie Bhavananda. Nun lautet meine Frage: Warum lebt diese Person in Mayapur mit einem Gehalt von ISKCON? Ich erfuhr auch den Grund.

Offenbar hatte er so gute Beziehungen zu den örtlichen Obrigkeiten und wurde daher als unentbehrlich angesehen. In der Tat scheint er für die ISKCON so wertvoll zu sein, dass er sie vor Gericht in der Ritvik-Sache vertritt. (Anm. d. Üb.: Bei der Ritvik-Sache geht es um Streitpunkte in der Rechtmäßigkeit der Nachfolge-Gurus) Ist das wahr? Tatsächlich scheint er so viel Wohlwollen durch den Tempel zu genießen, dass er zum Mayapur-Festival für die Devotees Pizza herstellte. Maha Prasad Ki Jai! (Anm.d.Ub.: Maha Prasad bedeutet die Speise, die in den Opfergefäßen zu Krishna geopfert wird. Sie ist noch nicht mit dem übrigen Essen vermischt. Das Maha-Prasad bekam in der Regel der Guru serviert."Ki Jai" ist ein freudiger Ausruf.)

Meine Frage lautet nun, was denkt ihr, wie sich ein Missbrauch-Opfer dabei fühlt? Denkt zurück an den 12. Dezember 1998, als sich ein ehemaliger Gurukula - Schüler von der Broadway Brücke in Portland Oregon stürzte. Zu der Zeit lebte ich dort im Tempel. Ich hatte keine Chance mit ihm zu sprechen. Es ist traurig wenn man bedenkt, dass er wahrscheinlich alle Samskaras erhalten hatte. Und wäre er nicht durch eine so drastisch traumatische Kindheit gegangen, hätte er sein Geburtsrecht zur Hilfe für diese Welt verwirklichen können. Das bringt mich zu meiner nächsten Frage.

Warum macht der GBC es sich nicht zu seiner vordringlichsten Aufgabe sich um die Kinder zu kümmern? Sind nicht die Kinder die Blumen einer Gesellschaft? Und wie alle Blumen benötigen sie' gute Pflege und erstklassige Behandlung. Besonders im Kleinkindalter. Man hat sich darum zu kümmern wie gute Gärtner, die für Dünger, Wasser und Licht sorgen. Dinge wie Vergewaltigung, Schläge und Hunger fördern nicht das Wachstum eines Kindes. Meiner Meinung nach erkennt eine Person automatisch Krishna im Herzen eines jeden Menschen wenn sie vermeintlich ein transparentes Medium zum Herrn ist. Warum gibt es dann so viel Gefühllosigkeit gegenüber den Kindern von ISKCON ?

Ich habe Verständnis, wenn eine Gruppe Schwierigkeiten in der Kindererziehung hat. Das kommt immer vor. Doch ist es jenseits meiner Vorstellung, dass eine Bewegung, die vorgibt, die Antwort auf alle menschlichen Probleme zu haben, solche grundlegenden und tragischen Fehler in der Kindererziehung begeht. Vielleicht kann mir einer von euch das beantworten.Vor allem wenn ich von älteren Deutschen höre wie toll die Jugendlager unter Hitler waren und die meisten sahen sie als eine heilsame Erfahrung in ihrer Jugend an! Dies ist das wenigste was ich von meiner Gurukula-Erfahrung berichten kann.

Da gibt es noch eine Kleinigkeit, mit der ich euch belästigen möchte bevor ich gehe. Vielleicht kann jemand Stellung nehmen zu Gopala-Krishna Maharaja und erklären, warum er sich die Freiheit nahm, den Reporter der Times of lndia zu belügen am 2. September dieses Jahres zu Sri-Krishna-Janmastami. (Krishnas Geburtstag) Bei der Frage des Reporters über Kindesmissbrauch in der ISKCON, sagte er, dass es in (einer)? amerikanischen GurukuIa einige Probleme gegeben habe, doch dass dies längst geklärt sei. (5 VNN story # 4670). Mich würde interessieren ob er im Tempel in Bombay saß vor SRI-SRI-Radha-Rasabhihariji und Srila Prabhupada als er diese offensichtliche Lüge aussprach. (Anm.d. Üb.: Vor den ,,heiligen" Statuen zu lügen gilt als besonders schlimmes Vergehen.)

Was auch immer der Fall sein mag, das ist für mich der Strohhalm, der dem Kamel den Rücken bricht. Ihr könnt auf meine volle Kooperation und Teilnahme an dem bevorstehenden Prozeß zählen. Ich halte das Einschreiten der Justiz für wichtig, nach einem 20jährigen Missbrauch von Frauen und Kindern von einer Gesellschaft, die von sich behauptet, die höchsten materiellen und spirituellen Werte zu besitzen, dieser Gesellschaft zu einem rauhen Erwachen aus ihrer ignoranten Mentalität wie sie im Bewußtsein der ISKCON gegenwärtig ist, zu verhelfen. Deshalb vor allem, bitte ich bei allen ernsthaften Devotees um Entschuldigung, doch ich kann es nicht länger hinnehmen. Wie viele von uns sollen sich noch das Leben nehmen, bevor wir gehört werden?

Und jene von euch, die eine dämonische Mentalität unter der Maske eines Vaisnavas mit sich tragen, bereitet euch auf einen ernsten Kampf vor. Ihr könnt sicher sein, dass Srila Prabhupada in dieser Sache hinter uns steht. Und wenn das so ist, wundere ich mich wer sonst noch auf unserer Seite sein könnte. Hare Krishna,

von Raghunatha Stocker

Raghunatha Vaisnava News, 26. September 1999 

Übersetzung: Ursula Zöpel  

 

 

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