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neuapostolische kirche(nak)

Erfahrungsberichte von ehemaligen Mitgliedern:


Tatjana Geiger aus Hassloch in der Pfalz, Gabriele Jakob-Stoffel und Dr. Olaf Stoffel aus Heppenheim diskutieren in einer Radiosendung über ihre Erfahrungen.

Die Droge Gott - Die Erfahrungen von drei NAK-Aussteigern im Frankfurter Rundschau Magazin vom 25.Nov 2000.

Hans Meiser - Kindheit in der Sekte. Hans Meiser lud zwei Ehemalige mit Familie in seine Talkshow ein, die ihre Kindheit in der Neuapostolische Kirche und bei den Zeugen Jehovas verbracht hatten.

nochmals Hans Meiser - Ausgeliefert! Kindheit in der Sekte - Dr. Olaf Stoffel, ehemaliger Priester bei der NAK und seine 13 Jahre alte Tochter Mirjam stehen Hans Meiser Rede und Antwort. (Abschrift der Sendung)

Erlebnisbericht des Schweizer Ex-Priesters Walter Stoll - «Nahezu 30 Jahre wurde mir die neuapostolische Lehre, 3 mal wöchentlich in Gottesdiensten und 2-3 mal wöchentlich an Veranstaltungen wie z.B. bei Chorproben, bei Orchesterproben, beim Einladen, bei der Kirchenreinigung, bei Aemterversammlungen etc., eindoktriniert...

12 Zeugnisse des Ausstiegs aus der NAK und "des neuen Glaubens an Jesus Christus".

> Buchtipp

 

Erfahrungsberichte auf dieser Seite:

Immer freundlich und hilfsbereit? - Am Sonntag in der Kirche sind zwar alle freundlich und hilfsbereit, aber wie sieht es von Montag bis Freitag aus? Anders, findet Roland

Das Leben neu begreifen - Erika ist 45 Jahre alt und wurde als Kind streng im neuapostolischen Glauben erzogen. Seit eineinhalb Jahren ist sie in einer Selbsthilfegruppe dabei, die Erlebte zu verarbeiten.

Wie schaffe ich endlich den Austritt? - von Tara

Frauen von Amtsträgern in der NAK - Es ist für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, wie sehr die Amtstätigkeit eines Mannes für die Neuapostolische Kirche das Leben seiner Familie und seiner Frau prägt.

«Ich hatte Angst, dass Jesus meine Eltern holt» - Rea Rother hat die Erfahrungen von Patricia aufgezeichnet. 

Der Geist weht, wo er will - Austrittsschreiben an die Kirchenleitung der Neuapostolischen Kirche Schweiz.

Aufwachsen in der NAK - Ein Mädchen sucht seinen eigenen Weg

Über den Druck in der NAK - Klar wird keiner zu irgendwas gezwungen, aber wehe man handelt dann doch nicht danach! 

«Auf ewig bei dem Herrn» - Gedanken von Detlef Streich

Reflektionen eines Aussteigers

Die Neuapostolische Kirche in Berlin - Heidlinde Brandt, 41, und Karl-Heinz Brandt, 43, sind beide, wie fast alle Mitglieder der NAK, in die Kirche hineingeboren worden. Vor einigen Jahren verliessen sie ihre Gemeinde in Prenzlauer Berg. "Diktatorisches System" ist noch einer der harmlosen Vorwürfe.

Aussteigergeschichten - In der Zeit seiner 'Therapie von der Neuapostolischen Kirche' schrieb Volker Benedikt kleine Texte, Geschichten, Gedankenfragmente. Eine Sammlung unredigierter Aussteigergeschichten.

 

 

immer freundlich und hilfsbereit?

Von Geburt bis zur Konfirmation wurde ich durch die Kirche gequält. Jeden Sonntag das mühsame Aufstehen, jedes Mal freundlich lachen und so tun, als sei alles in Ordnung. Wer am Morgen sagte, er wolle nicht in die Kirche, hörte lautes Gebrüll der Eltern, wer nicht in die NAK geht ist falsch gewickelt. Geht man nach der Kirche zu jemandem nach Hause oder zu uns nach Hause wurde nur über die andern in der Kirche gelästert, wer hat etwas Falsches angezogen, wer stand ein bisschen komisch da, wer hatte eine furchtbare Frisur und und und.

Im Konfirmationsunterricht hörte ich das erste Mal, man könne nach der Konfirmation selber entscheiden ob man in die Kirche gehen will oder nicht. Voller Freude ging ich nach Hause, erzählte das den Eltern, dan....(zensiert)....!

Nach der Konfirmation weigerte ich mich natürlich. Doch die neuen Probleme sind nicht weit. Darf man am Sonntag nur das Formel1 Rennen schauen wenn man morgens in der Kirche war?!?!? Bei der Mutter ist jeden Morgen die Welt zusammengebrochen, weil jemand am Sonntag zu hause blieb. Ich hörte immer nur "du bist zu faul"!

In der NAK ist jeder freundlich und hilfsbereit, wenn er am Sonntag in der Kirche ist, aber was ist von Montag bis Samstags?

Im Jahre 2000 trennten sich meine Eltern. Mein Vater war Diakon, für die Kirche immer da und bereit. In einer Trennung ist man unrein!! Der Diakon wurde ihm aberkannt. Meiner Meinung nach ist er auch nicht mehr so begeistert, über die Kirche fällt kein Wort mehr.

Für den Austritt muss niemand Angst haben. Leute die in die Kirche gehen sind für mich genau gleich wie Raucher, Drogensüchtige und Alkoholiker. Deshalb rate ich jedem, wer sich nicht wohl fühlt in der NAK soll keine Angst vor einem Austritt haben, Freunde die man in der Kirche kennengelernt hat, sind falsche Freunde, wenn sie den Kontakt aus diesem Grund abbrechen.

roland.aeschlimann@gmail.com

 


das leben neu begreifen

Gott ist die Liebe - so heisst es in einem Lied der Neuapostolischen Kirche (NAK).

Diese Liebe habe ich immer gesucht und nie gefunden. Mein Leben war geprägt von Angst vor Strafe, wenn ich den Geboten Gottes nicht folge; bis zu jenem Zeitpunkt, als ich von der Selbsthilfegruppe „Wenn Glaube krank macht“ hörte und die Gruppentreffen besuchte.

Ich bin 45 Jahre alt, von Geburt an streng im neuapostolischen Glauben erzogen und seit etwa eineinhalb Jahren dabei, innerlich gesund zu werden.

Das Glaubensziel der neuapostolischen Christen ist es, mit Jesus auf ewig in seinem Friedensreich vereint zu sein. Diese Auserwählten holt er von der Erde zu sich, doch dazu ist es erforderlich, seine Gebote und den Willen Gottes zu erfüllen. In meiner Kindheit und Jugend war ich stolz darauf von Gott auserwählt und dazu bestimmt zu sein, auf ewig in der göttlichen Gemeinschaft zu leben. Ich hatte das Gefühl, etwas „Anderes, Besseres“ zu sein als meine Mitmenschen, mein Leben hatte einen tieferen Sinn und ich wollte alles dafür tun, um nicht alleine zurückzubleiben, wenn Jesus den Seinen erscheint. Also lauschte ich ganz ernsthaft den Worten Gottes, die vom Heiligen Geist erweckt und zum Seelenheil der Gläubigen aus dem Mund der Segensträger verkündet wurden. Heute weiss ich, dass es Menschenworte waren und dazu bestimmt, durch Regeln und Gebote suchende und unsichere Menschen, vor allem Kinder und heranwachsende Jugendliche zu manipulieren und unter dem Deckmantel der Liebe und Geborgenheit krankmachende Zwänge aufzuerlegen. Angst-das war lange Zeit das bestimmende Moment in meinem Leben; in der Kindheit und Jugend vor allem präsent durch die schwarzgekleideten und autoritären sogenannten Segensträger, die das Wort und den Willen Gottes verkündeten. Jeder Bereich des Lebens war darauf ausgerichtet, ein gottwohlgefälliges Leben zu führen-sei es in der Schule, bei Freizeitaktivitäten (sofern es welche gab), bei der Berufs-und Partnerwahl; ja selbst die Kleidung musste der Kirche angepasst sein.

Irgendwann kamen mir jedoch Zweifel; tief im Inneren und eher unbewusst;-die ich jedoch lange Zeit erfolgreich verdrängt habe. Ich wollte meinen Gott und meine Glaubensgemeinschaft nicht verraten oder gar öffentlich anprangern und kritisieren und habe dann einfach keine Gottesdienste mehr besucht. Damit waren meine Probleme aber weder gelöst noch bearbeitet.

Es fällt mir bis heute schwer, eigene Entscheidungen zu treffen und konsequent meine Wünsche zu äussern. Ich habe immer noch Angst, bestraft zu werden, weil ich mich von meinem Glauben abgewandt habe, muss mühsam lernen, was Lebensfreude ist und was meinem Leben einen Sinn gibt.

Die Erfahrung, dass es viele Aussteiger gerade aus der NAK gibt, die das Gleiche oder Ähnliches erlebt haben, gibt mir immer wieder Kraft und Mut, Stück für Stück vorwärts zu gehen, die alten Ängste zu besiegen, Gefühle und auch mal Wut zu zeigen und das Leben neu zu begreifen und zu gestalten.

Es ist schon etwas paradox-aber manchmal danke ich Gott dafür, dass ich auf die Gruppe aufmerksam wurde, denn dort habe ich zum ersten Mal Menschen getroffen, die meine Gefühle und auch meine Tränen verstanden.

Erika, 26.03.01

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wie schaffe ich endlich den austritt?

Wie schaffe ich es endlich meinen schriftlichen Austritt aus der Neuapostolischen Kirche zu geben? Seit 30 Jahren fehlt mir der Mut dazu, weil mir die Angst vor "Gottes Strafe" immer noch im Nacken sitzt. Denn es geht mir gesundheitlich und finanziell ja "nur so schlecht , weil ich seit Jahren nicht mehr in die Kirche gehe".! Sagt mein 83-jähriger, im Ruhestand des Priesteramtes, Vater.

Ich wuchs im "Glashaus der NAK auf, durfte nicht mit "Weltlichen" verkehren, keine Schulfreundinnen haben. in dem Dreifamilienhaus, in dem ich am Stadtrand aufwuchs, waren alle neuapostolisch, meine Patin wohnte in der obersten Etage, wir in der Mitte und im Parterre die Familie eines "Hirten-Sohnes" und Vorstehers unserer Gemeinde. (Eine NAK-Familien-Dynastie)

In der Schule wurde ich gequält weil ich weder kathlisch noch ev. ref. war und weil mein Vater der Lehrerin verboten hatte, dass ich an der Religionsstunde teilnehmen durfte.

Als ich 11 Jahre alt war, wurde ich vom Diakon meines Vaters sexuell missbraucht. Danach sagte der "liebe Onkel" zu mir: "wenn du das jemandem erzählst, holt dich der Teufel".

Der "Liebe Onkel" war "Türhüter" und ich musste ihm jeden Sonntag lächelnd die Hand.geben. In diesem Jahr fiel ich 3 mal während dem ellenlangem Eingangsgebet, wo meine Mutter mir immer befahl die Augen zu schliessen, in Ohnmacht, schlug jedesmal mit dem Genick auf die Kante der Rückenlehne des Kirchenbankes auf und lag für drei Wochen mit einer Gehirnerschütterung im Bett. Die ärztlichen Untersuchungen ergaben eine Wachstumsstörung. Im Alter von 23 Jahren stellte der Arzt eine Halswirbelverschiebung fest, die sich jetzt im Alter von 52 als Diskusshernie von 4 Halwirberln, Taubheit im linken Arm, Kieferarthrose mit der Prognose, eines Tages gelähmt zu sein entwickelte. Inoperabel. Ich weiss seit Jahren nicht mehr wie es sein könnte , keine Schmerzen zu haben.

Meine Eltern haben mir nicht geglaubt, als ich es Ihnen Jahre danach erzählte. Mein Vater hat mir sowieso gedroht, dass Gott mir die Beine von einem Auto überfahren lassen werde, wenn ich einen Minirock tragen würde, er hat mich bis ich 18 Jahre alt war, brutal geschlagen, ich durfte nicht weiter zur Schule gehen, denn er konnte das auch nicht und er hätte auch gerne studiert, doch als Mädchen soll ich sowieso heiraten und ihm nicht weiter auf der Tasche liegen. "überhaupt: du kannst nichts und du bist nichts, der Mann ist die Eins , die Frau die Null"

Meine Mutter sperrte mich schon als Kleinkind in den Keller, schlug mich, verfiel der Tabletten- und Alkoholsucht. Sie war auch sehr eifersüchtig auf mich, wenn sich mein Vater einmal ein paar Minuten mit mir beschäftigte, denn für sie hatte er überhaupt nie Zeit, denn er war ja immer im "Auftrag Gottes" unterwegs nach der normalen Arbeitszeit. Mir wurde jedesmal übel wenn er jeweils Sonntags am Altar von Liebe predigte.

Ich verliebte mich mit 13 j. in einen fünf Jahre älteren "Bruder", liess mich mit 19 J. von ihm entjungfern und erfuhr am nächsten Tag, dass er nach mir mit einer "Glaubensschwester auch noch ins Bett gehüpft ist und schon lange auch noch eine Freundin hatte.

Meine "grosse Liebe" ist heute Evangelist, verheiratet und immer noch "Nachbars Lumpi"

Meinen Vater brachte ich zur Verzweiflung mit meinen Fragen, die er nicht beantworteten konnte: Z.B. "Weshalb verurteilt ihr diese Frau, die ein uneheliches Kind erwartert, ihr habt mir doch erklärt, dass Gott die Kinder schenkt? Was ist denn ein Astralleib? Weshalb holt Jesus die Menschen nicht auch, die niemals die Chancen hatten den neuapostolischen Glauben kennenzulernen? Das ist doch ungerecht, denn die können ja nichts dafür!"
Vaters Antwort: "Du versündigst Dich weil Du nicht gläubig bist, Gott wird dich strafen!"

Komischerweise war die Sünde, Selbstmord zu begehen, beim Bezirksevangelisten Studer (oder hiess er Widmer?), der Gemeinde ZH-Hottingen, ein Tabu-Thema.

Ich könnte noch viel mehr Einzelheiten berichten von dieser Gehirnwäsche, die mein Leben immer noch prägt, doch ich will endlich frei sein, bin aber immer noch voller Angst , dass ich jedesmal ein schlechtes Gewissen habe , wenn ich den Hauspriester mit faulen Ausreden vertröste. Ich habe einfach nicht die Kraft zu sagen: "lasst mich endlich in Ruhe!" Wenn ich seine Stimme am Telefon höre , werde ich jedesmal zu einem kleinen, sündigen Kind und habe Angst vor noch mehr Bestrafung meines traurigem "Erdendaseins im Jammertal"

Tara

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frauen von amtsträgern in der nak

Es ist für einen Außenstehenden schwer nachzuvollziehen, wie sehr unser gesamtes Familienleben durch die Amtstätigkeit meines Mannes für die Neuapostolische Kirche geprägt war. Aus meiner heutigen Sicht muss ich sagen, dass ich damals wirklich über weite Strecken für meine Kinder Eine "Alleinerziehende" war. Jeden Abend, selbst am Sonntag zwischen den beiden Gottesdiensten, war mein Mann für das "Werk des Herrn" unterwegs und hatte somit keine zeit für uns. Feiertage wurden seitens der NAK-Organisation vorrangig für Gemeindeaktivitäten wie zusätzliche Jugend-oder Seniorenveranstaltungen verplant, an denen er als Amtsträger ebenfalls teilzunehmen hatte, so dass oft auch diese Tage für die Familie verloren waren. Die Kinder erlebten ihren Vater entweder als gehetzt, zumal er auch noch mit dem Aufbau seiner beruflichen Karriere beschäftigt war, oder als völlig abwesend. Von der Ehefrau, die man als Gehilfin (also nicht etwa als gleichgestellte Partnerin-) bezeichnet, wird völlig selbstverständlich die unterstützende Logistik zu Hause erwartet, das bedeutet: dem Ehemann den Rücken frei halten, ungezählte allein verbrachte Abende, nicht geführte Gespräche, ungezählte gebügelte weiße Hemden und ausgebürstete schwarze Anzüge. Das erklärt meiner Meinung nach auch, warum man in der Regel nur verheiratete Männer in ein Priester- oder höheres Amt setzt, ein Single könnte diesen zusätzlichen Aufwand neben dem Beruf alleine kaum bewältigen. An den eigentlichen Amtsaufgaben Ihres Mannes soll eine Ehefrau aber möglichst kein Interesse zeigen, mit erhobenen Zeigefinger wird gerne darauf verwiesen, wozu schon Evas Neugierde im Paradies geführt hat. Für die Mühen hat sie allenfalls teil am Status ihres Mannes in der Gemeinde. Verheiratet sein mit einem Amtsträger sichert innerhalb der Gemeinde einen gewissen höheren Status zu, d.h. der Status und Wert einer Frau definiert sich sehr stark über den Status des Ehemanns. Daran orientiert ergibt sich auch unter den Frauen in der Gemeinde eine Hierarchie; es kommt da zu grotesken Situationen. Mehr als einmal habe ich erlebt, dass nach Amtseinsetzungen und Amthöherstufungen ein gewisser Neid unter den zugehörigen Ehefrauen auftrat und es einige Zeit dauerte, bis die "Gemeindehackordnung" sich wieder eingependelt hatte. Das Verhalten dieser Frauen, zu denen ich auch bis vor 2 Jahren gehörte, ist durchaus verständlich. Der ihnen zugewiesene Wirkungskreis fokussiert sich auf das Putzen der Kirche, das Singen im Chor, die Systemkonforme Sozialisation der Kinder ( Der Erziehungserfolge und Wert einer Mutter misst sich zum Beispiel daran, wie schnell ein Kind lernt in der Kirche stillzusitzen) und darauf, sich ihrem Mann, dem Hauspriester unterzuordnen. Die Herrschafts- und Machtpositionen sind ausschließlich von Männern besetzt. Es fehlt auch in Predigt und Liedgut völlig an geeigneten, weiblichen Identifikationsfiguren. Die enge geschlechtsspezifische Rollenzuweisung wird hier ständig eingetrichtert. Wenn ab und zu denn doch einmal eine Frau vorkommt, dann sind das demütige, unterwürfige Persönlichkeiten oder sie werden zumindest so dargestellt, auch wenn es dazu nötig ist, Zitate völlig aus dem Zusammenhang zu reißen oder zu verdrehen. Spontan fällt mir dazu die viel zitierte Ruth aus dem Alten Testament ein. Oft wird sie den Frauen als Vorbild dargestellt: "Wo du hingehst will auch ich hingehen." Es wird allerdings weggelassen, dass sie das nicht zu einem Mann sondern zu ihrer Schwiegermutter gesagt hat. Die Unterdrückung der Frauen bewirkt in vielen fällen ein verheerendes Selbstbild. Wie kann Individuation und Persönlichkeitsentfaltung möglich sein, wenn Frauen als Randfiguren in völliger Abhängigkeit zu einem von Männern konstruierten und beherrschten Mikrokosmos stehen? Wenn sich Selbstwert einzig und allein über den Mann als Segensträger definieren soll, bedeutet dies für die Frauen ein permanentes "Von sich weg sein", abgespalten von eigenen Empfindungen, Gefühlen und Bedürfnissen.

Bezirksapostel Klaus Saur sagte 1992 zu den Amtsträgern und ihren Frauen in einem Gottesdienst: "...-noch ein Wort an unsere Schwestern speziell in Diesem Zusammenhang. Es wurde mir schon übel genommen, dass ich in Ämtergottesdiensten auch im 20. Jh. noch immer den Begriff "Gehilfin" verwende. Auch hinter solchen Gedanken steht ein Zeitgeist, der heute viele Frauen in den Bann zieht. Für uns gilt immer noch die göttliche Ordnung in der Familie. Gott selbst hat Eva als Gehilfin des Adam geschaffen und auch so bezeichnet. Ist es nicht eine ehrenvolle und mit ewigem Lohn bedachte Aufgabe, Gehilfin eines Amtsträgers zu sein"-vielleicht denken jetzt unsere lieben Schwestern: "Lieber Bezirksapostel, sag uns einmal, warum hast du uns denn eingeladen, mit unseren Männern in den Gottesdienst zu gehen? Du sprichst heute immer die Brüder an, die Amtsträger, und sagst ihnen, dass sie Sterne sein und leuchten, glänzen und strahlen sollen. Was ist denn mit uns? Gerne wende ich mich nun einige Augenblicke an Euch, liebe Schwestern, weil auch ihr Sterne am geistigen Firmament sein könnt, wenn ihr euch in der göttlichen Ordnung bewegt, die der liebe Gott gegeben hat. In der Schöpfungsgeschichte lesen wir, dass Gott, als er dem Mann eine Frau gegeben hat, sagte: "ich will ihm eine Gehilfin machen"... Wenn ihr Schwestern euch bewusst seid, dass euer Ehemann ein Amtsträger ist, wenn ihr wisst, dass ihr dazu bereitet seid, dem Amtsträger eine Gehilfin zu sein...dann seid ihr Sterne, die Licht und Glanz verbreiten. Solche Sterne hat es schon früher gegeben. Ich denke in diesem Augenblick an eine Rebecca.. Seid eine Rebecca und sucht alle Tage die Verbindung zum Herzen und zur Seele Eures Ehemannes und Amtsträgers." Aus diesen Zeilen spricht deutlich die Auffassung der NAK-Leitung über die den Frauen zustehende Rolle. In einer aktuell vom psychologischen Institut der Universität Hamburg durchgeführten Untersuchung über Sektenaussteiger wurden ehemalige Mitglieder der Zeugen Jehovas und der NAK befragt. Es heisst in dieser Forschungsarbeit: " Die Frauen zeigten während der Mitgliedschaft hinsichtlich etlicher Zufriedenheitsbereiche signifikant geringere Werte als die Männer. Sie hatten niedrigere Werte in den Variablen Selbstverwirklichung, psychisches Befinden, körperliche Gesundheit und Beziehung zu den Eltern. Ursache hierfür ist wohl die sektenspezifische Rollenverteilung, die den Frauen kaum eine Möglichkeit zur Entfaltung zugesteht. Nicht verwunderlich ist dabei auch, dass die Frauen im Vergleich zu den Männern wesentlich stärkere Probleme mit Schuldgefühlen hatten. Ich selbst war, als ich mein erstes Kind bekam, schon fast 30 Jahre alt. Die meisten anderen Schwestern, die mit mir im Müttersaalwaren, waren beim 1. Kind bis zu 10 Jahre jünger; Es ist nachvollziehbar, warum diese Frauen ihre Mutterrolle sehr früh einlösen, denn als Mutter hat man in der Gemeinde einen eindeutigen Statusgewinn zu verzeichnen und bekommt Anerkennung. Auch heute noch wird das als erste Aufgabe einer Frau angesehen.. Die geforderte Reduzierung auf diese Rollenmuster gelingt verständlicherweise aber nicht allen Frauen mühelos. Der psychische Druck, dem man ausgesetzt ist, entlädt sich nicht selten bei den Kindern ( die dann zum Beispiel während des Gottesdienstes gezüchtigt werden, weil sie nicht "brav" genug sind und man sich böse Blicke der anderen Gemeindeglieder zuzieht) oder in Form subtiler Machtansprüche im häuslichen Bereich, wie ich es oft beobachten konnte (der Ehemann wird dann zum Beispiel als in Alltags- und Erziehungsdingen ungeschickte Person dargestellt, den Frau nichts machen lassen darf. An der untergeordneten Stellung der Frau in der NAK hat sich bedauerlicherweise in den letzten Jahrzehnten nichts geändert. Da klingst es schon wie blanker Hohn, wenn der Medienreferent der NAK auf die Frage: "Wie stellt sich die NAK zur Emanzipation der Frau?" lapidar antwortet:" Gar nicht. Jede Frau möge sich so emanzipieren, wie sie es persönlich verantworten will. Im übrigen sind wir der Meinung, dass neuapostolische Frauen genauso emanzipiert sind wie die anderen Frauen in unserer Gesellschaft, mein Leben ist nach dem Ausstieg nicht leichter geworden und ich musste wirklich schlimme Erfahrungen machen Bis vor zwei Jahren gab es in meinem Leben immer diese Instanz NAK, auf die im Prinzip alle Entscheidungen delegierbar waren. Jetzt muss ich selbst herausfinden, was gut und schlecht für mich ist und habe schmerzhaft erfahren, dass man sich, wenn man die Freiheit hat zu entscheiden, eben auch falsch entscheiden kann. In dieser Hinsicht werde ich bestimmt noch einige Lern-und Entwicklungsprozesse nachzuholen haben.

Gabi Jakob-Stoffel

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«ich hatte angst, dass jesus meine eltern holt»

Rea Rother hat die Erfahrungen von Patricia aufgezeichnet. 

«In dem Dorf, wo ich aufgewachsen bin, nannten sie uns Stündeler. Meine ganze Verwandtschaft gehörte zur Neuapostolischen Kirche. Die Männer bekleideten höhere Ämter: Mein Opa war Priester, ein Onkel in Deutschland Apostel. - Schon im Kindergartenalter hiess es, dass bald ein grosser Weltkrieg kommt, wo alle untergehen und wir als einzige gerettet werden. Das erzählte ich brühwarm den Nachbarskindern. Seitdem durfte niemand mehr mit uns spielen.

Als Kind hatte ich grausam viele Ängste und wachte nachts oft schreiend auf. Meine Eltern sorgten gut für mich und meine Schwester. Aber sie lebten völlig abgekapselt und eigentlich nur noch in der ständigen Erwartung auf den Tag der 'Ersten Auferstehung', wo Jesus die Seinen zu sich nimmt.

Auf dem Schulweg wurden wir von älteren Kindern immer wieder brutal abgeschlagen. Man sagte uns, das tun sie nur, weil sie merken, dass wir auserwählt sind. Auch ich glaubte daran. Aber irgendwie konnte ich mir nichts darunter vorstellen, und ich hatte grässliche Angst, dass ich von der Schule heimkomme und Jesus hat meine Eltern geholt und mich alleine zurückgelassen.

Behütete Jugend

Über Schwierigkeiten mit dem Glauben wurde bei den Neuapostolen nicht geredet. Es hiess einfach: "Du musst beten." In der Kirche waren wir eine grosse Familie, man ging sehr liebevoll miteinander um. Man erzog uns zur Bescheidenheit. Probleme wurden mit Beten gelöst. Ich war sehr scheu und pflichtbewusst. Die Freizeit verbrachte ich grösstenteils in der Kirche oder mit der Jugendgruppe. So kamen wir gar nie in Kontakt mit Rockmusik, Drogen oder Alkohol. Solange man mitmacht, ist es wunderbar, in dieser heilen Welt zu leben. Aber irgendwie schienen mir alle ein bisschen geschädigt: Sie hatten Mühe, Anschluss zu finden, und auch den Jungen fehlte jedes Selbstbewusstsein.

Ich war sehr musisch interessiert und wollte eine künstlerische Ausbildung beginnen. Aber in der Kirche meinten sie bloss: "Was gibt es bei dir noch zu lernen, du kannst ja schon alles." - Die Frauen hatten nicht viel zu melden und trugen damals alle schwarze Juppes mit weisser Bluse. Noch heute wird es mir unheimlich, wenn ich einen Frauenturnverein in einheitlicher Kleidung sehe.

Langwieriger Ablösungsprozess 

Meine ältere Schwester versuchte, sich mit Tabletten umzubringen, und ein Cousin nahm sich mit 25 Jahren das Leben. Wir alle hatten grosse Probleme mit dem Leben draussen. Mit zwanzig wollte ich aussteigen, aber es dauerte zehn Jahre, bis ich tatsächlich wegkam. Mein Freund, den ich öfters in die Kirche mitnahm, sagte: "Ich halte diese Angstmacherei nicht mehr aus! Das ist eine Sekte, ihr beschwört den Weltuntergang." Er gab mir die Adresse von einem Psychologen und machte Schluss mit mir. Ich dachte zuerst, was der sich eigentlich einbildet. Meine Mutter versuchte, mich in der Wohnung einzusperren, aber ich bin dann trotzdem in die Therapie gegangen - da wurde mir einiges klar.

Ich erinnere mich noch sehr genau, wie der heutige Stammapostel Richard Fehr in den Jugendgottesdienst kam und schimpfte: "Es gibt da unter euch ein paar so 'Fröglis', und die haben keinen Segen!" Wer alles hinterfrage, verliere die Kraft im Glauben, predigte er. Die Neuapostolen sprechen von der Sünde gegen den Heiligen Geist. Es gab für sie keine grössere Sünde, als dass sich ein Wissender vom Glauben abkehrt.

Ich lebte in der ständigen Angst, dass mich Gott für meine kritischen Gedanken straft, und gleichzeitig wusste ich, dass einiges nicht stimmen konnte. Ich war nicht mehr richtig drinnen und auch noch nicht richtig draussen, es verjagte mir schier den Kopf. Ich litt an extremer Migräne und bin mehrmals wie im Delirium in ein Auto gelaufen. Die Priester redeten im Spital auf mich ein, die Unfälle seien ein klares Zeichen, dass Gott mich retten will. - Der Psychologe schaute mit mir eigentlich nur die Schuldgefühle an. Langsam ging mir auf, dass es nicht Gott war, der mich strafte, und dass man auch ohne Angst glauben kann.

Reformiert zur Sicherheit

Inzwischen bin ich der reformierten Kirche beigetreten. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich nie mehr zurückkehre. Viele ausgetretene Neuapostolen landen früher oder später wieder dort, weil sie sich nie ganz von dem tief eingeimpften Denkmuster lösen konnten und in jeder persönlichen Krise den Fluch der Sekte befürchten. Auch mein Vater ist noch drin, was jeden normalen Umgang mit der Verwandtschaft schier verunmöglicht.

Heute kommt es mit vor, als hätte ich meine gesamte Jugend in einem Gefängnis verbracht, nur merkte ich es damals nicht. Ich habe nie gelernt, mich zu wehren. Das macht es mir bei der Arbeit und privat nicht immer leicht. Ich sehe auch sofort, wenn jemand das grosse Glück vortäuscht und in seinem Innersten todtraurig ist. Gerade junge Menschen durchschauen das meist noch nicht. Deshalb bin ich zu hundert Prozent überzeugt, dass der Staat die Leute vor Sekten schützen und aufklären muss. Alleine und als Kind ist man machtlos."

Patricia Wyss, 36 (Name geändert)

© Kirchenbote, Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Zürcher Kirchenboten.

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der geist weht, wo er will

Austrittsschreiben an die Kirchenleitung der Neuapostolischen Kirche Schweiz

Sehr geehrte Brüder in Jesus Christus

Mehr als ein Jahr ist es nun her, seit Bezirksapostel A. Studer in einem Übertragungsgottesdienst, eine von Stammapostel Fehr gewünschte Renaissance, angekündigt hatte." Wiedererweckung des Althergebrachten und Wiederaufblühen der Glaubenskünste" (1) war der Wunsch der Kirchenführer. Wir alle sollten uns "über dieses Thema Gedanken machen. Sicher werden wir davon wieder hören."(1) Gehört haben wir von diesem Thema nicht mehr viel, aber wir haben uns Gedanken gemacht.

Weil uns der Personenkult immer mehr befremdet hatte, suchten wir eine Alternative zum Stammapostelübertragungsgottesdienst. Wir brachten erstmals den Mut auf, den Gottesdienst einer anderen Glaubensgemeinschaft zu besuchen. Der Anfang unseres Erwachens war gelegt.

Nicht die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder die Teilnahme an kirchlichen Handlungen sind Wege zum Heil, sondern allein Busse und Bekehrung sind die persönlichen Mittel zur Rettung, "worauf Gott mit dem Geschenk der Wiedergeburt antwortet" (2).

Wir sagen NEIN zur Lehre der Neuapostolischen Kirche und erklären unseren sofortigen Austritt.

Es ist Zeit, über die Sonderlehre der NAK zu informieren. Ich entsage mich meinem Schweigegelübde, welches die Kirchenführung von mir verlangt hat. Natürlich verstehe ich, dass Neuapostolische nichts von diesen Dingen erfahren sollten, aber die freie Meinungsäusserung und das Recht auf Transparenz werte ich höher. Die Wahrung des Amtsgeheimnisses aus der Tätigkeit als Seelsorger der Neuapostolischen Kirche ist eine Selbstverständlichkeit.
Bitte löschen Sie sämtliche gespeicherten Daten über uns, gemäss Art. 12 Abs. 2 Bst. b des Bundesgesetzes über den Datenschutz (DSG; SR 235.1) Bitte bestätigen Sie uns die Löschung dieser Daten schriftlich innert 60 Tagen. (DSG Art. 15 Abs. 1)

 

Begründung der Irrlehre der Neuapostolischen Kirche (nachfolgend NAK genannt) aus unserer Sicht

NAK und die Versiegelung

Zitate aus Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben: "Was ist die Heilige Versiegelung: Spendung des Heiligen Geistes und damit der wesentliche Teil der Wieder-geburt...Durch sie wird ein Mensch zu einem Kind Gottes" (3). "Wer spendet den Heiligen Geist in unserer Zeit: Wie in der Urkirche sind auch in der Neuapostolischen Kirche die Apostel Jesu tätig, den Heiligen Geist zu spenden" (4).
Da die NAK keine anderen Apostel akzeptiert als ihre eigenen, ist sie demnach die exklusive Kirche, welche über den Schlüssel zur Gotteskindschaft verfügt. Dieser Tatsache entgegnet Stammapostel Fehr, dass die NAK das Wort Alleinseligmachend nicht kennt. Er müsste aber sagen: nicht mehr auszusprechen wagt. Vgl. Aussage von 1968: "...direkte und unmittelbare Fortsetzung der ersten apostolischen Kirche, mit der sie die alleinige (!) Kirche Christi bildet und Gottes Volk ist." (5).
Die Lehre vom Versiegeln durch Apostel ist nicht biblisch. Das Siegel zeigt das Eigentum und Orginal Gottes an. Gott drückt seinen Siegelring selbst in den Lack , welcher gebildet ist aus dem Blut Jesu, und versiegelt so den Gläubigen. "Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus." (6). "...Gott, der uns auch versiegelt..." (7). Von Spendung des Heiligen Geistes durch Menschen, ist in der Bibel nie die Rede. Wohl erfolgte diese Versiegelung auch in Anwesenheit der Apostel, war aber nicht Folge der Handauflegung sondern der inneren Bekehrung des gläubigen Menschen. Auch Timotheus legte seine Hände auf (8). Er war aber Evangelist und kein Apostel (vgl.2. Tim. 4,5). Die Handauflegung war Symbol für Absonderung zum Dienst, Segen und Weihe (9).
Wie kommt ein Gläubiger zum Heiligen Geist, wenn sich der NAK-Apostel weigert? "Die Neuapostolischen Gemeinden leisten grundsätzlich lieber Verzicht auf Mitgliedszuwachs, anstatt unsichere Elemente aufzunehmen"(10). Apostel Landgraf zum Beispiel nahm Rücksprache bei der Ortsgruppe der N.S.D.A.P . Es existiert auch eine Checkliste mit Mindestanforderungen für den Empfang des Heiligen Geistes, herausgegeben von der NAK International (11).
Stammapostel Fehr hält fest: " ...und wer den Heiligen Geist will, der kann wegen mir nach Rom reisen, oder zum Dalai Lama in den Himalaya oder weiss der Kuckuck wohin, er wird diesen Geist nicht empfangen, es sei denn durch die gesandten Apostel Jesu Christi. Das sei wieder mal in aller Deutlichkeit gesagt." (12).

NAK = Fortsetzung der von Jesus gegründeten Urkirche mit neuen Aposteln (13)

Entgegen aller Aussagen der NAK, muss ein Apostel Augenzeuge des Lebens und der Auferstehung Jesu gewesen sein. Dies machte Apostel Petrus ausdrücklich zur Bedingung (vgl. Losentscheid in Apg. 1, 21+22). Auch Apostel Paulus wurde von Jesus Christus zum Apostel berufen (vgl. 1. Kor. 9,1). Nicht wegen dem negativen Verhalten der Urchristen,wie es die NAK behauptet, (denken wir z.B. an Christen, die für ihre Überzeugung in den Tod gingen) ernannte Petrus und seine Mitapostel keine neuen Apostel, sondern weil "kein Gesandter kann einen anderen zum Gesandten ernennen; dafür ist nur der Sender zuständig. Darum dachte auch keiner von ihnen daran, Nachfolger zu ernennen" (14). Die Bibel kündigt keine neuen Apostel an; sie warnt aber vor "betrügerischen Arbeitern, die Gestalt von Aposteln Christi annehmen" (15).
Die Apostelrufungen, die zur Gründung der Apostolischen Gemeinde 1878/79 führten, waren regelrecht chaotisch: "...als auf dreimaliges Fragen keine Antwort kam, schrie man förmlich Gott an, 'warum er den keine Antwort gäbe'. Das ging eine Weile so fort, bis die ganze Versammlung in eine solche Ekstase geriet, dass Berufungen über Berufungen erfolgten..." (16).
Die Neuapostolische Kirche verdankt ihre ersten Apostel dem prophetischen Wirken von Heinrich Geyer, den sie später als teuflisch inspiriert (!) verworfen hatte (17).
Zwischenzeitlich wurden Apostel ohne 'Propheten' berufen. Der später so prägend für die NAK wirkende F. Krebs zum Beispiel "durch einen Laien in der Scheune des Bauern Fricke" (18). Heute hält die NAK so etwas für nicht mehr möglich.
Auch uns ist klar, dass die Gemeinde auf dem Grund der Apostel und Propheten gebaut ist.(vgl. Eph 2,20). Diese Dienste sind wichtig. Aber ein apostolisches Team kann nicht von Menschen organisiert werden, sondern wächst aus einer tiefen Beziehung zu Gott heraus.
Wenn aber selbsternannte Apostel, Menschen an sich binden, von anderen Gläubigen trennen und sich als unersetzbare Zwischeninstanzen verkaufen, dann müssen alle 'Alarmglocken' läuten!

NAK: Fusion des Apostel und Propheten im neu erfundenen Amt des Stammapostels

Unter Friedrich Krebs entwickelte sich die apostolische Abspaltung zu der Sondergemeinschaft der 'neuen Ordnung' später NAG/NAK. Das Kollegialitätsprinzip unter Aposteln oder die Akzeptanz aller Brüder und Schwestern, die an Christus glauben, wurde aufgehoben. Das lästige Prophetenamt ging im Stammapostelamt auf. Diese Neuerfindung ist für Apostelordinierungen zuständig (19).

Neben vielen problematischen Aspekten in dieser Frage, ist die Beeinflussbarkeit des höchsten Funktionärs der NAK ein Problem. So hat Stammapostel Fehr, Monate vor der Einsetzung einer Person (20) in ein hohes Apostelamt, aus dessen Familienumfeld einen Mercedes-Benz S 500 (!) geschenkt bekommen (21). Auf diese Schenkung angesprochen antwortet er: "Ich sage dazu weder ja noch nein" (22).

"Der Stammapostel ist als das sichtbare Haupt der Kirche Jesu Christi in allen Angelegenheiten oberste Instanz....als Repräsentant des Herrn auf Erden..." (23).

Höhepunkt dieser Verherrlichung des Stammapostels war wohl die Hörigkeitserklärung der Apostel gegenüber dem Stammapostel: "Vor Gott dem Allmächtigen und Allwissenden gelobe ich, dem Stammapostel im Gehorsam des Glaubens zu folgen" (24). Paulus hält aber fest: Apostel sind nicht einem Menschen, sondern alleine Christus, dem Haupte der Kirche, Rechenschaft schuldig. (vgl. 1.Kor. 4, 3+4).

Das in der NAK vielzitierte Wort-"Spiel" Jesu: "Du bist Petrus und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen," (25) bezeugt nicht die Stellung eines Überapostels, sondern dass Petrus " der Grundstein der Gemeinde in dem Sinne ist, dass er der erste jener grossen Gemeinschaft war, die freudig bekennt, dass sie erkannt haben: Jesus Christus ist der Herr; Gott aber der Fels, auf dem letztlich die Gemeinde erbaut ist" (26). Millionen von Gläubigen haben dies mittlerweile auch erkannt und bilden so die Steine zur heiligen Kirche Christi.

Jesus Christus ist nicht im Zentrum der NAK

"Die göttliche Sonne durch das Stammapostelamt zieht das Wortwasser an und lässt dieses reine und mineralreiche Wasser auf die versammelte Gemeinde fallen" (27).
Bezirksapostel A. Studer; Zürich, 10.12.2001

Stammapostel Fehr : "In meiner zehnjährigen Amtszeit als Stammapostel der NAK habe ich bewirkt, dass Christus wieder mehr in die Mitte gerückt wird" (28). Er gibt zu, dass Jesus nicht so recht im Zentrum war.
" Wenn die Apostel des Herrn im Auftrage ihres Senders (das ist und bleibt der durch göttliche Zeugnisse erwählte Stammapostel) auch aus Menschenkindern Gotteskinder machen können, so sind sie.... auf den Schlüssel des Himmelreichs im Stammapostel angewiesen (29).
Fast schon unglaublich wie sich ein Vorgänger R. Fehrs (J.G. Bischoff) ins Zentrum gerückt hat.

Das Bildnis des Oberhauptes der NAK hängt in jedem 'Amtszimmer' ihrer Kirchen; dies sagt wohl mehr über die Zustände in dieser Organisation, als tausend Worte. Interessant, dass sich der sonst so allmächtige Stammapostel, dieses 'Kultes' nicht entledigen kann. "Stammapostel Fehr wünscht dies eigentlich nicht mehr, aber einzelne Bezirksapostel wollen unbedingt daran festhalten" (30), erklärt Apostel Schneider dazu.
Wie hat Stammapostel Fehr es geschafft, dass Jesus mehr im Zentrum steht ? Er sagt weiter: ".. Christus ist das Haupt der Gemeinde, der Stammapostel ist das Haupt der Apostel" (28). Noch heute ist der Stammapostel die Quelle, welche allein das Wasser des Lebens weiterleitet. R. Fehr: " Die Kirche Christi wird oft mit einem Baum verglichen. Die Wurzel ist Christus, unsichtbar und doch da. Aus der Wurzel steigt die Kraft in den Stamm, dann in die Äste und Zweige bis in alle Blätter, bis in die Fruchtansätze. So kann der Baum der Kirche Christi blühen und reifen" (31).

In Joh.15 steht, was Jesus zum gewünschten Organigramm sagt: Es gibt aber nur den Weinstock (Jesus) und die Reben (wir). Keinen Stamm und schon gar nicht einen Stammapostel. Wenn wir in Jesus bleiben, bringen wir Frucht. Sonst werden wir abgehauen (Gott der Weinbauer). Interessanterweise spricht Jesus aber von einem wahren Weinstock; also muss es auch einen falschen geben!

NAK in der N.S.- Zeit

"Jeder Diener und jedes Mitglied der Neuapostolischen Gemeinde ist durch die planmässige Beeinflussung seitens der Hauptleitung in nationalsozialistischem Sinn erzogen, so dass die meisten Mitglieder der Neuapostolischen Gemeinde der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei angehören oder ihr nahestehen. 'Heil Hitler !' gez. J.G.Bischoff " (32). Dieser Lehraufruf des 'Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden' wurde bis heute nicht wiederrufen.
Stammapostel Fehr sagte in einem Gottesdienst: "...zum Glück klebt kein Blut an unseren Fahnen..." (33). 6 Millionen Menschen sind unter den NAZIS aus Rassenwahn umgekommen. Wieso hat der 'Repräsentant des Herrn' die Kircheneigene Vergangenheit ausgeblendet? Er weiss mit Bestimmtheit um die NAZI-Begeisterung der früheren Kirchenführung, weigert sich aber Verantwortung für die Machenschaften seiner Vorangänger zu übernehmen. (vgl. Weigerung von R. Fehr Orginal-dokumente entgegenzunehmen.(34)) Wohl war die N.S - Zeit für alle Kirchen sehr schwierig; aber die NAK hat sich in den 1930er und 1940er Jahren besonders Staatstragend ergeben (35). Die Kirche hat jedoch keine wirkliche Busse getan, allerhöchstens einmal etwas bedauert.
Als die Alliierten die Grenzen Deutschlands überschritten, geschah folgendes: "Das bedruckte Papier von vielen Tausenden von Zeitschriften 'Unsere Familie' verbrannte. Der Amtskörper sammelte auf Anordnung von oben auch alles Schriftgut bei den Geschwistern ein, dessen er habhaft werden konnte" (36). Kein NAK-Funktionär hatte Rückgrat genug, um Schuld zu bekennen.
Die amerikanische Militärregierung wurde durch Bezirksapostel Schall in einem Schreiben vom 23.10.1945 irregeführt (37). Die NAK schweigt, verharmlost und der Verlag Friedrich Bischoff fälscht auch noch Faksimilenabdrucke aus den Kriegsjahrgängen der 'Unsere Familie' (38). Bezirksapostel Wilhelm Schmidt nannte sich Antifaschist und verleugnete seine Vergangenheit. (Sein Eintritt in die NSDAP am 1.10.1940)(39) usw...usw...
Die Abhilfe für begangene Sünden lässt sich in einem Wort zusammenfassen: bekennen (vgl. 1. Joh. 1,9).

Der falsche Prophet Stammapostel Bischoff

Stammapostel Bischoff erhob seine Vision, dass die Wiederkunft Christi während seiner Lebzeit stattfindet, zum Dogma. Er selbst sprach von der Vernichtung des 'Gottes Werks' wenn seine Botschaft nicht so eintreffen würde (40).
Was lehrt uns die Bibel über den Umgang mit Propheten: "wenn der Prophet im Namen des HERRN redet, und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, das nicht der HERR geredet hat. In Vermessenheit hat der Prophet es geredet; du brauchst dich nicht vor ihm zu fürchten" (41).
Stammapostel Fehr fürchtet sich aber in mancher Hinsicht, der Warheit ins Auge zu sehen. Ein Vertrauter, Apostel Schneider, auf diese Thematik angesprochen, erwidert: "Der Stammapostel Fehr muss bei der Beurteilung Rücksicht nehmen auf die ältere Generation" (42).
Die Fehlbarkeit eines Amtsvorgängers zuzugeben, scheint unmöglich."Der göttliche Charakter der Botschaft wird dadurch nicht in Frage gestellt" (43). Für die skandalöse Behandlung unserer Brüder und Schwestern welche die ‚Botschaft' Bischoff's nicht glauben konnten, (erst noch zurecht, wie dies im Juli 1960 durch den Tod Bischoff's offenbar wurde) hat bis heute keine offizielle Entschuldigung stattgefunden.

Neuapostolisches Entschlafenenwesen

Apostel Schwarz verkündigte: "Am Himmelfahrtstag empfingen vier Christen die Versiegelung, dann viele Entschlafene, darunter die Reformatoren MELANCHTHON, CALVIN, ZWINGLI, STILLING, DA COSTA und HARMS mit Frau" (44). Diese Reformatoren würden sich wohl im Grab umdrehen, wenn sie dies hören würden. Die erlösende Kernbotschaft der Reformation lautet: dass der Mensch allein durch den Glauben an Jesus Christus zu Gott kommen kann; dass keine Zwischeninstanzen nötig sind, die das Heil vermitteln. Warum konvertieren diese Reformatoren ausgerechnet wieder zu der Kirche, die Gotteskindschaft abhängig vom Handeln von Würdenträgern macht? Diese Erfolgs-meldung Apostel Schwarz's zeigt die spiritistische und okkultische Grundlage des Entschlafenen-wesens auf, das die NAK nur mit den Mormonen teilt.

"Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht" (45). Verstorbene können sich nicht mehr zu Jesus bekehren. "Denn einmal werden wir uns alle vor Jesus Christus als unserem Richter verantworten müssen. Dann wird jeder das bekommen, was er für sein Tun auf dieser Erde verdient hat,..." (46). Jesus weist klar auf die unüberwindbare Trennung von Lebenden und Toten hin. Im Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus kann jeder selbst nachlesen, dass Veränderung im Reich der Toten nicht möglich ist.
Die Grundlage des NAK-Entschlafenenwesens bildet letztlich nur ein einziges (!) Wort im 1. Korinther, 15, 29: "...taufen lassen für die Toten..". Die deutsche Übersetzung "für" ist irritierend. Ursprünglich Griechisch "HYPER" kann zweierlei Bedeutungen haben: als Ortsbezeichnung (über, oberhalb) oder im Zusammenhang mit Menschen oder Dingen (anstatt, im Namen von) . Entweder haben sich einige auf den Grabstätten Verstorbener taufen lassen, oder es ist der Hinweis auf jene, "die sich taufen liessen, um an die Stelle der Toten der Gemeinde zu treten" (47).

Sündenvergebung in der NAK

Auch bei der NAK-Lehre zur Sündenvergebung deutet vieles darauf hin, die Gläubigen an eigene Strukturen und Apostel zu binden, anstatt für Jesus Christus zu gewinnen. So heisst es nach Neuapostolischer Lehre: "Aufgabe der Apostel ist es - Sünden zu vergeben(!)" (48). Die Freisprache in den NAK-Gottesdiensten bewirkt beim einsichtigen, reuigen und herzlich verlangenden Sünder Vergebung seiner Sünden, vgl. (49). Die NAK beruft sich auf Joh. 20,23: "Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten".

Tragisch, wenn ein Bereuender Hausverbot auf den NAK-Liegenschaften hat oder wenn er auf einer einsamen Insel strandet. Glücklich wer nach der Freisprache nach einem Gottesdienst abberufen wird, unglücklich, wer am Samstagabend stirbt.

Allen ist wohl klar, dass nur Jesus in Gott die Macht hat, Sünden zu vergeben (vgl. Mark.2).

"Aus Jesu Aufforderung an die Apostel geht viel mehr hervor, dass die Gemeinde, die Kirche dazu da ist, den Bussfertigen zu sagen, dass ihnen vergeben werden kann, und den Unbussfertigen, dass sie die Barmherzigkeit und Gnade Gottes verwirkt haben" (50). "...und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde....Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit" (51).

Dem Bussfertigen steht kein Mensch, kein Kirchenlokal und keine Uhrzeit im Weg. Durch seine persönliche Beziehung zu Jesus kann ihm die Sündenlast weggenommen werden. Und Jesus ist ja alle Zeit bei uns.

Der Geist weht, wo er will

Wir sind in der NAK aufgewachsen, und wissen um die interne Zerreissprobe um das exklusive Selbstverständnis. Die Zukunft wird zeigen, ob sich die NAK als Teil der weltweiten Kirche Christi einfügen will, oder ob sie zurück in die Vergangenheit geht und sich als alleinige Kirche Christi sieht.

Wir fühlen, dass es Zeit ist, uns zu entscheiden.

Die Anmassung, dass alle nicht-neuapostolischen Christen von der Wirksamkeit des Heiligen Geistes ausgeschlossen sind, ist für uns einfach absurd.

Wir wissen, um die vielen guten Taten in der Seelsorge, insbesondere auch an der Basis. Grössten Respekt für Freunde, die für das 'Werk' arbeiten bis zum Umfallen. Die meisten Leser dieser Schrift sind in diesen Glauben hineingeboren worden. Das Schloss der Angst hat aber auch uns lange daran gehindert, diese Lehre zu überprüfen. Nun sind alle Ängste von uns abgefallen.

Wir rufen Euch den Ruf der Reformation zu: CHRISTUS ALLEIN !
Wenn wir eines Tages vor Gott stehen, können wir uns nicht auf die Mitgliedschaft in der NAK berufen; nicht auf die Taufe; nicht auf einen Stammapostel; nicht auf gute Werke; nicht auf die Versiegelung; nicht auf die Freisprache von Sünden durch einen Apostel.

Wir können nur JESUS unser Leben übergeben, IHM unsere Sünden bekennen, dann wird Jesus selbst in uns wohnen (Röm 8,9.10) und Gott wird sich freuen und uns aufnehmen in sein Reich.

Auch wenn wir uns jetzt erleichtert verabschieden, so reichen wir unsere Hände zur Versöhnung. Wir denken, dass niemand in dieser Organisation gegen Christus ist; eine gewaltige Täuschung liegt vor und ist für viele sehr bequem.

Wir ziehen die Konsequenzen mit der Auflösung unserer Mitgliedschaft.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit uns allen.

Mit freundlichen Grüssen

Jürg


Quellenverzeichnis:
(1) Gottesdienst gehalten von Bezirksapostel Studer, 2. Dezember 2001, Informationsteil
(2) Werner Gitt "Und die anderen Religionen ?" Seite 73
(3) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1992 Frage 218
(4) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1992 Frage 220
(5) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1968 Frage 216
(6) 1.Thimoth. 2,5 (Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung)
(7) 2.Korinther 1,22 (Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung)
(8) 1. Timotheus 5,22 (Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung)
(9) C.C. Ryrie "Die Bibel verstehen" Seite 464
(10) Apostel Landgraf, Berlin 17.02.1938, Reichskirchenministerium
(11) Neuapostolische Kirche International; Scan von www.waechterstimme.tripod.com
(12) Gottesdienst vom 14.01.2001 in Tilburg (Niederlande)
(13) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1992 Frage 167
(14) Kurt Hutten, Seher-Grübler-Enthusiasten, Stuttgart 1982 Seite 489
(15) 2. Korinther 11, 13 (Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung)
(16) HANTMANN J. A. Schröter Die Katholisch-apostolischen Gemeinden in Deutschland und der "Fall Geyer" Seite 240
(17) Helmut Obst, Neuapostolische Kirche - die exklusive Endzeitkirche ? Seite 33
(18) R. Geier in WEINMANN 1963,S160 J. A. Schröter Die Katholisch-apostolischen Gemeinden in Deutschland und der "Fall Geyer" Seite 242
(19) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1992 Frage 178
(20) Name ist bekannt.
(21) Erwin Meier-Widmer, Apostel R. Schneider bestätigt J. A. mündlich die Praxis der Mercedesschenkungen an Stammapostel. NAK Zürich-Hottingen den 13.02.2002 ca. 15:15 Uhr
(22) Richard Fehr am 21.3.1997 im protokollierten Gespräch zu Erwin Meier-Widmer
(23) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1992 Frage 177
(24) Statuten der NAKI 01.06.1990 - diese Stelle wurde allerdings nach 10 Jahren (!) ersatzlos gestrichen (Südafrika 2002)
(25) Matthäus 16, 18 (Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung)
(26) William Barclay, Auslegung des NT, Matthäus Band 2, Seite 136
(27) Vorbereitungszirkular zum Stammapostelübertragungsgottesdienst von Sonntag 13.Januar 2002; an die priesterlichen Amtsträger von Bezirksapostel Studer
(28) Richard Fehr, Apostelkonzil September 2002, Hilton Zürich
(29) Wächterstimme 1. Oktober 1949
(30) Apostel R. Schneider NAK Zürich-Hottingen den 13.02.2002
(31) R. Fehr im Gottesdienst in Kitchener (Can) (UF, Nr.19 5.10.1989, Seite 946)
(32) Schreiben an das Preussische Kultusministerium, (Dr. M. König und Dr. J. Marschall)
(33) aus der Erinnerung von J. A. an einem Übertragungsgottesdienst.
(34) April 1993: Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. - Zeit. Seite 44
(35) sauber dokumentiert in:Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. - Zeit.
(36) Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. - Zeit. Seite 41
(37) Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. - Zeit. Seite 42
(38) Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. - Zeit. Seite 45 und M. Koch glaubenskultur.de
(39) Dr. M. König und Dr. J. Marschall, Die NAK in der N.S. - Zeit. Seite 40
(40) Zitiert nach Materialdienst der EZW, aaO.,S.39 H.Obst, R.A.T. 8 Seite 60
(41) 5. Mose 18, 19 (Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung)
(42) Apostel R. Schneider NAK Zürich-Hottingen den 13.02.2002
(43) "Unsere Familie" 56 Jg. 1996, Nr.2, Seite 19
(44) "De Herinnering" Nr. 20, Amsterdam, 22.05.1874; abgedruckt in: "Das Entschlafenenwesen", Seite 72/73 (Knobloch/Drave) 1984/1986
(45) Hebräer 9, 27 (Elberfelder Übersetzung, revidierte Fassung)
(46) 2. Korinther 5, 10 (Hoffnung für alle)
(47) William Barclay, Auslegung des NT, Korintherbriefe Seite 148
(48) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1992 Frage 180
(49) Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben 1992 Frage 210+211
(50) William Barclay, Auslegung des NT, Johannes Evangelium, Seite 319
(51) 1. Johannes 1, 7+9 (Elberfelder Übersetzung,revidierte Fassung)

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aufwachsen in der nak

Ich wurde, wie viele andere auch, in die Neuapostolische Kirche hineingeboren. Die Gesamte Familie Väterlicherseits war Neuapostolisch und die Gemeinde gab sich familiär, wir Kinder nannten jeden Onkel oder Tante. Die Familie meiner Mutter war Atheistisch, sie selbst in einem Kinderheim großgeworden , das von einer Neuapostolischen Heimleiterin geleitet wurde, trat in die Kirche ein, kurz bevor sie meinen Vater heiratete.

Meine Abnabelung begann früh, auch wenn ich mich als Kind mich gegen den Kirchenbesuch wehren konnte. Der eine Punkt war, dass ich schnell bemerkte, dass mein großer Bruder bevorzugt wurde. Er durfte viel mehr und wurde von den Großeltern immer überall hin mitgenommen, während ich meist zuhause bei meiner Mutter blieb. Als ich nach dem Warum fragte, kamen äußerst seltsame Antworten zu stande. Der Tenor war in etwa 'Frauen gehören an den Herd, Mädchen sind nix wert...'. Ob das auch so gemeint war, weiß ich natürlich nicht, aber das war das, was bei mir ankam...

Der Zweite Punkt war, dass ich bereits als kleines Kind gerne, wie soll ich sagen, "träumte". Ich besuchte andere Welten, Welten in denen ich frei war, und hatte Freunde, die niemand ausser mir sah.. . Ich erzählte zuerst meinen Eltern darüber, so etwas schönes will man ja teilen, doch die Antwort, die ich erntete, erschütterte mich zutiefst: So etwas erzählt man nicht, dann wird der Liebe Gott traurig und muß dich bestrafen ......

Ich weiß nicht mehr genau wie alt ich war, ich glaub etwa 4 Jahre oder so, aber das war ein Schock, und stellte selbst das «Mädchen sind nichts wert» in den Schatten. Warum schenkt Gott wundervolle Träume von friedlichen Ländern und Freunde, die nur für einen selbst da sind, wenn er das im nächsten Moment bestraft????

Etwas stimmte hier nicht.....
In der Bibel standen Wunder, stand N ächstenliebe, stand, dass Gott alles vergibt weil Jesus sich ja opferte. Doch die Taten der Erwachsenen und das was sie sagten stimmte nicht damit überein....

Nein diese Kirchgänge gefielen mir nicht mehr, und ich begann mich auszuklinken, was das Resultat nach sich zog, dass mein Vater begann, Inhalte der Predigt bzw. des Kindergottesdienstes (Sonntagsschule) abzufragen. Wenn ich daran denke, tut mir mein Hintern jetzt noch weh, von den Prügeln mit dem Kochlöffel.

Als ich sieben war, ließen sich meine Eltern scheiden. Einerseits traurig, war es auch eine Art Befreiung, da meine Mutter nicht ganz so stark auf den Gottesdienst beharrte, sprich keine Abfragen mehr, und auch kein böser Blick wenn ich mal wieder halb einschlief (passierte regelmäßig, ich mußte mich immer von Lied zu Llied retten - das einzige, was mir überhaupt an der Kirche gefiel). Allerdings sprach sie immer davon, dass ich doch wenigstens versuchen sollte, mir Mühe zu geben, von wegen Seelenheil und damit ich nicht in die Hölle komme (Wer glaubt denn bloss an sowas). Ihr zu liebe bin ich halt auch weiterhin gegangen und hab mich sogar konfirmieren lassen, obwohl ich längst andere spirituelle Interessen hatte (sie wär wahrscheinlich ausgeflippt wenn sie es je mitbekommen hätte).

Denn auch wenn ich nicht mehr von den "Träumen" und den Freunden erzählte, sie waren weiterhin da, und so begann ich mich mit den Theorien der Magie, Trance und ASW zu beschäftigen. Dort fand ich Bestätigung, keine Strafe wie bei diesem ominösen Gott...

Ich begann die Götter der Welt zu studieren, die Theorien der Neuzeit genauso wie die philosophischen und mystischen Gedanken des Altertums und stellte dadurch fest, dass es den Gott gar nicht geben konnte, sondern das es wenn, dann ganze Heerschaaren von Göttern und vor allem auch Göttinnen gibt und das Mädchen sehr viel wert sind in den polytheistischen Lehren...

Doch diese Studien und Erkenntnisse behielt ich für mich, bis meine Mutter starb, nach zwei Jahren schwerem Krebsleiden...

Der Trost über ihren Tod gab mir mein selbstgefundenes Wissen um die Philosophien, dass es mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern dass es nur ein Neubeginn ist.

Ich bat die Götter, ihr Einsicht in die Weisheiten der Existenz zu geben und begann nun eindlich ein neues, eigenes Leben. Endlich frei von dieser Kirche und ihrem Gott. Seitdem studiere ich ganz offen die philosophischen und mystischen Ideen dieser Welt, und gehe meinen eigenen Weg, der sich vor allem am altägyptischen Pantheon und Mythologien orientiert, aber auch moderne Ideen magischer und esoterischer Art enthält.

Ich bin in keiner Gemeinschaft und ordne mich niemandem unter, ich bin frei und entscheide allein darüber, in welche Richtung ich mich entwieckle.

Doch bei allem was ich an dem spirituellen Weg meiner Eltern verdamme, so muß ich ihnen auch dankbar sein, dass mir so früh schon die Augen geöffnet wurden über die Falschheit und Blindheit dieses Weges, dankbar dafür, dass man mich als kleines Kind weitestgehend ignorierte und mich nicht zu einem Psychiater oder so geschleppt hat damit dieser mich mit Psychopharmaka vollstopft, so wie es heute vielen anderen Kindern ergeht, die nicht in das Schema christlicher Ideen passen oder passen wollen.

Zu guter letzt noch ein Refrain aus einem Lied, das ich geschrieben habe:

Sei Frei
Frei von falschen Zwängen
so Frei wie der Wind
Frei wie der Reiter der Zäune
Sei frei denn es gilt
Für alle Menschen dieser Welt
Tu was du willst, doch schade niemanden
nicht einmal dir selbst

Seht es als Inspiration, euch selbst zu finden und euren Weg in dieser Welt frei von Fremdbestimmung und vor allem frei von jeglichen Dogmen..

Bis denn dann
AZI
azi@hexenbrett.ath.cx

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über den druck in der nak

Klar wird keiner zu irgendwas gezwungen, aber wehe man handelt dann doch nicht danach! 

Ich bin heute 25 und gehöre auch zu denen, die schon kurz nach der Geburt neuapostolisch getauft und versiegelt wurden; ich bin da also auch ohne gefragt zu werden, einfach so reingerutscht. Seit ca. 10 Jahren "gehe ich nicht mehr", so heißt es auch in meiner Familie, bei Tanten und Onkeln, die fast alle "gehen" - bei den werden Menschen danach beurteilt, "ob sie gehen oder nicht"!

Das Schlimmste ist der Druck bei der NAK. Mein Vater war Unterdiakon in einer kleinen Gemeinde in NRW. Ich ging mit meinen Eltern 3 Mal die Woche zum "Gottesdienst", besuchte die Sonntagsschule, sang irgendwann im Chor. Als ich 11 war, starb mein Vater.

1 Jahr später wurde ich ernsthaft psychisch krank. Ich konnte dem "Druck" dieser Sekte nicht mehr standhalten und kam erst nach meiner Konfirmation mit 14 in psychiatrische Behandlung. Sehr schnell begriff der Therapeut wo das Problem lag: er untersagte meiner Mutter weiterhin Druck auf mich auszuüben ständig zur Kirche zu gehen, obwohl ich nicht wollte. Von da ab wurde ich langsam geheilt.

Heute - 10 Jahre später - kommen immer wieder Anrufe von Priestern, die mich gerne besuchen möchte und "das verlorene Schaf zurückholen" möchten. Ich gebe dem nicht nach - nicht aus Angst "schwach" zu werden, sondern weil ich einfach keine Lust darauf habe. Ich bin weiterhin ein gläubiger Mensch, brauche aber keine Kirche um meinen, wie ich ihn nenne, universalen Glauben auszuleben. 

Ich kann diverse Punkte nur bestätigen: klar wird keiner zu irgendwas gezwungen, aber wehe man handelt dann doch nicht danach! Drohungen wie: "Der liebe Gott wird dir schon zeigen, was du davon hast!" oder "Der liebe Gott kriegt Dich schon!" sind keine Seltenheit! Die "Weltuntergangsgedanken" machen einsam, bringen Angst und Depression und führen zu keinem erstrebsamen, gottesgläubigen Leben!

Leonie

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«auf ewig bei dem herrn»

NAK Gesangbuch Lied Nr. 252 
Text: Montgomery, Jason 1771-1854; Musik: Woodbury, J.B 1819-1858
Mididatei:

Wer bin ICH eigentlich?

Diese wesentliche und schwierige Frage begann sich mir zu stellen, seitdem mein Weg aus der Neuapostolischen Kirche heraus begonnen hatte. In vierter Generation neuapostolisch gelang mir nach 100jähriger Familiengeschichte im Jahr 2001 mit 45 Jahren endlich der wesentliche Schritt zum mühsamen Ausstieg aus der NAK, ein sich nun seit vier Jahren vollziehender und bisweilen mühevoller Erkenntnis- und Lösungsprozess zur Befreiung von der inneren und bis zu diesem Zeitpunkt alles Leben bestimmenden Umklammerung!

Davor standen 30 Jahre hingebungsvolle und aufopfernde Arbeit für das „Werk des Herrn“, mit allem Ernst und aus tiefster Überzeugung, obwohl weitestgehend ohne deren dogmatischen Überzeugungen, aber mit solchem Gefühl:

1) Auf ewig bei dem Herrn!
soll meine Losung sein.
Dies Wort sei in der Nacht mein Stern,
es führ' zum Himmel ein!
Ich walle durch die Welt
bin nur ein Fremdling hier
und schlage auf mein Pilgerzelt,
o Herr, stets näher dir.
Näher dir, näher dir,
o Herr, stets näher dir!

Dabei auch 30 Jahre Kampf – und dies sogar relativ erfolgreich - gegen Intoleranz, geistige Engstirnigkeit und machtorientierte, arrogante Amtsträger mit zum Teil dümmster Scheinargumentation, die nur vorstellbar ist. Dazu einen Ap Xxx befragt und Antwort von ihm:

„Es gibt heutzutage viele kleine Hitler!“

Kampf für mehr Hirn gegen polemische Dogmatik, erfolgreicher Kampf sogar seit dem Musikstudium von kleinsten musikalischen Anfängen in der Gemeinde bis hin zu überregionaler Tätigkeit als Dirigent für Chöre und Orchester, auch mit eigener kompositorischer Arbeit (für Orchester, weil ja J.S. Bach in Berlin noch verboten war)!

Nach mühevollem Weg als bekannter NAK-Musikkritiker - zwischendurch auch mal von allen Aufgaben befreit, weil ich es wagte, einen Oberlippenbart zu tragen, obwohl dies von Zürich aus für Chorsänger erlaubt wurde, aber eben nur für die! - später sogar (Bart war wieder ab) Beauftragung zur Durchführung von Dirigentenschulungen innerhalb von ganz Westberlin, der Bock wurde tatsächlich zum Gärtner!

Gleichzeitig (u.a.) eine kybernetisch orientierte Analyse zur musikalischen Situation in der NAK ausgearbeitet und an einige Apostel samt Stammapostel geschickt, mit konkreten Vorschlägen zur Veränderung und Demokratisierung zwecks Besserung der musikalischen Arbeit. Erfolg? Ja, die systemische Struktur meiner Empfehlungen wurde sogar europaweit eingeführt (Musikberatersystem), allerdings ohne dass in diesem Zusammenhang mein Name genannt wurde. Macht auch nichts, es ging ja um die Sache und nicht um Ruhm!

Vor Ort aber immer wieder ungezählte Rückschläge, Widerwärtigkeiten, Diskussionen nach oben und unten und Kleinkriege samt familiärer Konflikte; sie wurden überbrückt zum Beispiel mit Gemeindegesangbuch 300 (Herrnschmidt, Johann Daniel;1675-1723):

1)Gott will machen,
daß die Sachen
gehen, wie es heilsam ist.
Laß die Wellen
höher schwellen,
wenn nur Jesus in dir ist.

4)Wann die Stunden
sich gefunden,
bricht die Hilf mit Macht herein,
und dein Grämen
zu beschämen,
wird es unversehens sein.

Also festhalten an der Utopie, die NAK könne sich wesentlich und von Grund auf verändern (nicht nur teilweise oder sogar nur dem Anschein nach reformieren!), ist doch schließlich Gottes Werk, und das kann doch einfach nicht so bleiben, weil ER der Chef ist!

Zwischendurch auch ein Amt abgelehnt („Der Herr hat ein Auge auf Sie geworfen“ – Bezirksevangelist W. in Berlin) mit der Begründung von mir, dass ich wegen meiner umfangreichen musikalischen Arbeit dafür gar keine Zeit habe („Wenn Sie das so sehen ...“ Antwort von mir: Wie soll ich es denn sonst sehen bei jetzt schon durchschnittlich sechs Tagen kirchlicher Abendarbeit in der Woche?) Hätte bei Zustimmung sogar Dirigent des prestigeträchtigen Schulchores werden sollen, allerdings um den Preis, zuvor die Leitung des Berliner Schallplattenchores abzugeben, der den Mächtigen im Lande ein Dorn im Auge war.

Außerdem wurde mir nahe gelegt, dass ich mich zudem von meinem Freund und musikalischen Partner, dem Diakon Bodo Bischoff, der überall und sogar öffentlich kritisierte, doch deutlich trennen müsste, da er einen schlechten Einfluss ausübt. Das war dann doch die Höhe und ich lehnte dankend ab. Unverständnis und Schweigen - beleidigter Abgang des Bezirksevangelisten.

Und wieder so gefühlt, oder zumindest so ähnlich:

2) Zur Höhe blick' ich auf;
dort winkt die Heimat mir,
und oft ist mir's im Glaubenslauf,
als säh' ich sie schon hier.
Dann sehn' ich mich hinein;
o daß ich sei bereit,
in dir zu sein voll Himmelsschein,
du Land der Herrlichkeit!
Himmelsschein, Himmelsschein
im Land der Herrlichkeit!

Nach einiger Zeit durfte ich im Auftrag des Apostels Klingler für alle Berliner Dirigenten dann zwar Schulungen betreiben, aber in der eigenen Gemeinde immer noch nichts aktiv tun, nicht einmal vertretungsweise dirigieren (bis endlich der zuständige Bezirksälteste Z. in Rente ging!).

Etwas später, nach ungefragten kritischen Einmischungen, Einberufung zur überregionalen Mitarbeit in Zürich am neuen Lehrwerk für die Sonntagschule als Textautor und Komponist. Ferner wegen der Zögerlichkeiten im Verlag Fr. Bischoff im Selbstverlag Herausgabe eigener Kompositionen, darunter sind besonders neue Kinderlieder zu nennen (natürlich ökumenische Texte), die mittlerweile von der Schweiz bis zur Nordsee in der NAK gesungen werden. In später Folge dann private Fortbildungen speziell für Kinderchorleitung erst in Hannover unter kirchlichem Ap.-Klingler-Segen, und unter cantus e.V. in Hamm, Stuttgart und andernorts ...

Auch nach der feindlichen Übernahme des Westberliner Kirchenbezirkes durch die Ostberliner Führungsgarde 1995 habe ich noch vier Jahre musikmissionarisch weiter gekämpft, nun erneut aber gegen den östlichen Amtsschimmel und Filz in einer kleinen Gemeinde als Chorleiter, ebenfalls mit gutem Erfolg an einem Chor, der anfangs nicht einmal geschlossen einen Ton richtig abnehmen konnte, am Ende aber vierstimmige Sätze vom Blatt singen konnte. Dann irgendwann plötzlich psychisch zusammengeklappt – nichts ging mehr, auch kein Dirigieren, Kraft am Ende, wie früher auch schon:

3) Doch oft seh' ich's nicht mehr;
es trübet sich mein Blick.
Ich flieg' wie Noahs Taub' umher, ...

doch jetzt endgültig, denn der Rest der Strophe funktionierte nicht mehr:

... zur Arche geht's zurück.
Die Wolken teilen sich,
und nach dem Sturm und ' Schmerz
erfreun die Friedensboten mich
und trösten mir mein Herz.
Friedenslicht, Friedenslicht,
wie tröstest du mein Herz!

Aus und vorbei mit der Ver-Tröstung und eigenen Selbsttäuschung. Mit großem Aufwand damals als Vertretungsdirigent vom Bischof für ein Jahr innerhalb des Gottesdienstes mit Handschlag und Gelöbnis in der Gemeinde eingesetzt (nach der Einsetzung heimlich und leise, immer noch vor der Gemeinde: „Den Bart rasiert er sich aber noch ab!“ Ich: „Nein, der Bezirksapostel hat gegen Bärte, auch Vollbärte, keinen Einwand. Das hat er doch bei unserer ersten Zusammenkunft deutlich gesagt!“ – also mein Bart blieb diesmal dran!), dann nach vier Jahren sang- und klanglos per Telefon die Erlaubnis vom Bischof, dass ich gehen dürfe (er wohnte zwei Minuten neben dem Vorsteher, einen kurzen Besuch war es ihm aber nicht wert!). Das Unangenehme (oder den „Unangenehmen“?) dem Vorsteher überlassen, der allerdings sehr einfühlsam war.

Die psychosomatischen Folgen der vielen Jahre der Demütigungen und Enttäuschungen forderten ihren seelischen Tribut trotz aller erfolgreichen Arbeit, sogar trotz erfahrener Selbstbestätigung und vieler erlebter schöner Situationen:

4) Wenn einst mein Pulsschlag steht, ...

Nein, vorher sollte noch das stattfinden, was wirklich verdient, „erfülltes Leben“ genannt zu werden. Nicht erst, wenn

die Seele los sich reißt,
und aus dem Tod ins Leben geht, ...

Beziehungsweise doch erst einmal als Voraussetzung zum neuen Leben die eigene Seele losreißen von den verzerrten Gottesvorstellungen dieser Kirche als erster Schritt, um überhaupt in ein eigenes Leben treten zu können!

Aber Leben? Eigenes Leben ohne kirchliche Erlaubnis oder Bestätigung? Was ist das? Ist das, was ich jetzt tue, überhaupt vereinbar mit dem göttlichen Willen, oder gehe ich in den angedrohten „geistlichen Tod“? Eigentlich ist doch dieses Leben nur auf den Tod hin ausgerichtet, danach erst findet doch das wirkliche Leben statt, denn:

dann triumphiert mein Geist.
Dann seh' ich alles klar,
was hier mir schien so fern; ...

Was erscheint hier wirklich „so fern“? Wohl die freie Entfaltung dessen, was Persönlichkeit und Selbstbestimmung heißt, Findung der eigenen Lebensspur! Entfaltung des ICH ohne Ellbogen und Scheuklappen! Und nicht mehr Todessehnsucht als Lebensinhalt transzendent verbrämt:

dann bin ich - o wie wunderbar! -
auf ewig bei dem Herrn.
Wunderbar, wunderbar!
Auf ewig bei dem Herrn!

Aber immer wieder fallen Lieder in die Gedanken ein, eben das gelernte Metier. Gleichzeitig Produkt und Mittel vollkommenster Gehirnwäsche, übrig gebliebene Bruchstücke der Gehirnwäsche „Ich kann nichts, darf nichts, bin nichts – alles Herr bist du“ wie Buch 276:

3)Jesus, richte mein Gesichte
nur auf jenes Ziel!
Lenk die Schritte, stärk die Tritte,
wenn ich Schwachheit fühl'!
Lockt die Welt, so sprich mir zu!
Schmäht sie mich, so tröste du!
Deine Gnade führ' gerade
mich aus ihrem Spiel!

Immer wieder – trotz theologisch mittlerweile befreiter Erkenntnis unter anderem durch Paul Tillich: „Religion ist das, was uns unbedingt angeht!“ – diese Einbrüche von Liedern und gehörten Redephrasen ins Bewusstsein und Gefühlsleben; Rückfälle in konditionierte Denkschablonen und dadurch wiederum manipulierte Gefühlsmechanismen.

Immer wieder fällt einem diese NAK ins Wort, in die Gedanken – ungefragt, ungerufen – und damit in den Rücken ...

Wie schwer fällt eigenes Gehen, wenn bislang nur an Krücken gelaufen werden durfte, und dies auch nur innerhalb gesetzter Schranken: erlernte Hilflosigkeit!

Und nun: wie ein Kind ganz neu gehen lernen müssen, ohne Geländer und den bisher gewohnten Halt!

Freiheit des Seins! Wie schwer fällt das Denken und Fühlen, wenn Freiheit bislang Gebundenheit im kirchlich sanktioniertem Rahmen bedeutete.

Wer stärkt jetzt die Schritte? Wer führt mich jetzt, obwohl ich den verwünschten „Führer“ endlich hinter mir lassen konnte?

Alles Leben umgebrochen, nur blanker Acker übrig. Mal sehen, was einem doch noch blühen wird, blühen kann ... Hoffnung, oder die alte Hoffnungslosigkeit?

Nicht selten als Folge, so auch bei mir, Auflösung der Ehe. Bislang eingebunden in die NAK verliert oft auch die Partnerschaft ihren Halt. Zur Kirchentrennung also noch Auflösung des privaten Bezugssystems, am Ende Trennung aller bisher bestehenden sozialen Kontakte.

Und trotzdem dem Führer im eigenen Herzen vertrauen, wie Hesse schreibt? Und endlich wirklich göttliches Einwirken und Seine Kraft verspüren und die tiefe eigene Enttäuschung überwinden? Zum Glück konnte ich das eine Zeitlang sehr hilfreich in der evangelischen Dorfkirche finden! Und damit auch wieder Mut gefunden!

Mut zum eigenen Gefühl, und dazu zu stehen!

Mut zur Trauer und Wut über die erlebten Ent- Täuschungen und den Verlust der geistigen Heimat!

Mut, die Scheinideen zu begraben, die alles Sein bestimmten, und sich auch der eigenen Trauer über den Verlust im tiefsten Inneren zu stellen!

Mut auch zum Abschied, sich von diesem Verein zu lösen, ihn wenn möglich aus den Gedanken zu streichen und sogar den kritischen und um Reform bemühten Gedanken ganz fallen zu lassen! Mut, zu sich selbst zu finden, selbst aktiv zu leben und die eigene Passivität zu überwinden!

Mut zur eigenen Neuorientierung, dem entwurzelten Baum einen neuen Standort geben!

Mut, die eigene Angst zu überwinden und selbst Handelnder zu werden, werden zu dürfen! Lebenserlaubnis! Überhaupt SELBST handeln zu können!

Leichter haben es wohl solche Aussteiger, die schon immer mit einem Bein in der Welt standen, die „am Tag des Herrn ohnehin nicht dabei gewesen wären“. Wer es mit sich und der Sache ernst gemeint hatte, der hat nochmals die größeren Schwierigkeiten auch im Lösungsprozess. Hinzukommen die üblicherweise auftretenden psychischen Folgeprobleme nach dem Ausstieg:

  • Aggressivität und Feindseligkeit
  • Kommunikations- und Konzentrationsunfähigkeit
  • Sexstau
  • Bewusstseinsveränderung, Verlust des Realitätsgefühls
  • Rückschritte in der Gesamtentwicklung
  • Unfähigkeit, mit der Realität fertig zu werden (Anzeichen des »Hospitalismus«)
  • immense Schuldgefühle (bedingt durch das Gefühl, die »Geschwister« verraten zu haben)
  • Angst

Quelle: http://www.ilsehruby.at/Sektenbroschuere.html

Die NAK ist ein Labyrinth: wer meint, es mit dem Ausscheiden allein geschafft zu haben, irrt sich. Denn hinter jedem neuen Lächeln, das einem begegnet, hinter jedem guten Gefühl, das sich einstellt, hinter jeder positiven Entwicklung, die sich einleitet, kann sie innerlich wie ein graues Monster unvermittelt aufstehen und einem immer wieder sagen, wie wenig doch man selbst und die Freuden dieser Welt wert sind. Depressive Schübe sind das mindeste und können sich steigern bis hin zur grundlos anhaltenden Freudlosigkeit. Die erfahrenen Konditionierungen und deren Folgen lassen sich aber nicht ignorieren, sondern nur mit Hilfe des Lebenspartners – wenn dies geht – und/oder durch zielgerichtete therapeutische Begleitung überwinden, wenn diese Kirche nicht auch noch weiterhin nachträglich binden und immer noch Zeit und Lebensenergie stehlen soll!

Die Suche nach Gott war unmerklich zur Sucht geworden, Sucht nach institutioneller Anerkennung mit der Droge NAK, Abhängigkeit dem System gegenüber! Also Entzug, sich dem Einfluss entziehen und endlich Schluss damit! Auch Schluss mit dem oft verbleibenden letzten Punkt: der immer noch wohlmeinenden Kritik an der NAK!

Aufbruch in ein nochmals neues Leben ganz ohne diese emotional verarmende Kirche! Je früher, desto besser, auch wenn es große Überwindung und Ungewissheit bedeutet, und dadurch tatsächlich „zum Leben dringen, für welches Gott mich schuf“!

Wem die eigene menschliche Existenz ohne die Neuapostolische Kirche nichts wert scheint, dem – so wage ich heute zu sagen – bedeutet das Leben in all seiner offenen Vielseitigkeit als einmaliges „Gottesgeschenk“ wohl auch mit der Neuapostolischen Kirche nicht wirklich viel!

Detlef Streich

Hinweis: hier kann meine Arbeit „Konstitutive Merkmale der Neuapostolischen Kirche – Eine Zeitreise mit Originalzitaten und kritischer Betrachtung“ als pdf-datei herunter geladen werden.

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reflektionen

Anonym

Dreimal pro Woche in die Kirche; zusätzlich im Kirchenchor, im Grabchor, im Dirigentenkurs, in der Putzkolonne, im Betagten-Fahr-Dienst usw. Das war ich. Damals vor vielen Jahren. Ein treuer Glaubensbruder und (damals) Priestersohn.
Dann...

1989 Der Fall der Mauer...

1991 Der Untergang der Sowjetunion
Auch in meinem Denken fielen Mauern.
Ich begann kritischer und reflektiver zu DENKEN:

  • NAK eine exklusive Entzeitgruppierung? Das Leben ist doch so schön!
  • Warum ist die Welt zum Tode verurteilt? Warum verdient sie ein Ende?
  • Dunkle Drohbotschaften? Warum nicht aufgestellte Frohbotschaften?
  • Warum so autoritär? Warum nicht lockerer?
  • Warum habe ich Angst, wenn ich einen Gottesdienst verpasse?
  • Warum fragen mich dann Brüder/Schwestern wo ich war?
  • Muss ich hier unbedingt Rechenschaft ablegen?
  • Warum 'Verdienen' Apostel so viel Geld? Ist das rechtens?
  • Wieviel Geld opfert mein Vater? Ist das OK?
  • Wann darf ich endlich frei sein und selber entscheiden?
  • Ist das 'Unsere Familie' ein Reise-Photoalbum der Apostel?
  • Wo steht was von'Entschlafen'-Gottesdiensten in der Bibel?
  • Ist Gott so kompliziert - und so an Rituale gebunden?
  • Was hat die NAK mit SED und Nazis zu tun? Quellen?
  • 'Hausbesuche' muss das sein? Schon als Kind befand ich mich unter Druck und fürchtete die schwarz gekleideten Männer mehr als den St. Nickolaus.
  • Und warum geht meine Freundin dauernd fremd, wenn ich im W.K. bin?

Fragen über Fragen. Seelisch gings bachab mit mir. Etwas musste geschehen...

1991 ein sonniger Sonntag-Morgen in der Kirche. 'Einfach so' bin ich
aufgestanden und langsam hinausgegangen. Für immer. Die Beziehung mit meiner Freundin (ebenfalls neuapostolisch) ging in die Brüche. Die Beziehung zu meinen Eltern wurde schwerer (ich zog von zu Hause aus). Und die Beziehung zu mir selber wurde gefährlich: Als ich nicht mehr in die NAK ging habe ich sozusagen mein ganzes soziales Umfeld verloren. Ich befand mich quasi in einem sozialen Vakuum.

Allen meinen (Kirchen-(!)) -Freunden hatte ich Karten von meinem Wohnungswechsel geschickt. Niemand hat mir weder zurückgeschrieben noch telefoniert. Niemand!

Auch meine damalige Freundin hat nicht und nie um mich gekämpft. Sie hat sich bald mit zahlreichen ausserneuapostolischen Affären getröstet. (Später hat sie dann einen neuapostolischen (Segen!) Glaubensbruder ergattert und geheiratet)

Was hat das Leben noch für einen Sinn? Für die Uni hatte ich keine Energie mehr. Bald fand ich jedoch Arbeit und ging mit dem verdienten Geld auf weite Reisen.

'Hilf Dir selbst, dann hilft dir Gott';das stimmt!
Reisen bildet; das stimmt auch; Zeit zum Reflektieren...
und Zeit um Entzugssymtome zu mildern wie:

  • Liebesentzug
  • Einsamkeitsgefühle
  • grauenhafte Angstzustände
  • krasse Konzentrationsstörungen
  • geringes Selbstbewusstsein ('Erröten')
  • konfliktscheu und v.a. wenig reflektiert
  • Orientierungslosigkeit/Verunsicherung/Aggressivität

Und wie siehts heute bei mir aus? Ein glücklich verheirateter Mittfünfziger. Meine Frau und meine Kinder sind mein grosses Glück. Ich liebe sie alle. Wir gehen allesamt in keine Kirche und sind (trotzdem!!) glücklich und zufrieden.

Mein Vater ist ein hoher Amtsträger. Damals als er Priester wurde hatte er schon bald sein Lachen verloren. Die schwarze Kleidung gefiel mir nie an ihm. Man konnte als Kind/Jugendlicher nicht mehr so viel Spass und Unsinn mit ihm machen. Das war traurig. In der Kirche erhält er bis heute viel Lob für seine Arbeit. Er meint es gut - sicherlich. - Meine Mutter musste sehr viel auf ihn verzichten. Er war früher nach der Arbeit dauernd unterwegs. Hobbies hat mein Vater keine. Freunde - ausser die Kirche auch keine. Meine Mutter hat ein paar Freundinnen.

Meinen Eltern gehts nicht gut: Trotz vieler Auslandaufenthalte scheinen sie sich nie recht erholen zu können. Ausser wenn sie mich und meine Familie besuchen - da können sie auftanken. Das gibt ihnen Energie. - Die NAK nimmt (Lebens-) Energie.

Ich wünschte mir, meine Eltern wären von Anfang an konfessionslos geblieben.

Vieles wäre vielleicht anders gekommen oder wäre leichter zu ertragen gewesen.

Heute ist wieder ein sonniger Sonntagmorgen. Ich gehe raus und spiele mit meinen Kindern im Schnee. Sie gehen einen anderen Weg als ich - zum Glück!

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die neuapostolische kirche in berlin

Heidlinde Brandt, 41, und Karl-Heinz Brandt, 43, sind beide, wie fast alle Mitglieder der NAK, in die Kirche hineingeboren worden. Vor einigen Jahren verliessen sie ihre Gemeinde in Prenzlauer Berg. "Diktatorisches System" ist noch einer der harmlosen Vorwürfe. Es sei nicht mehr so viel verboten wie früher. Kino ist erlaubt, vorehelicher Geschlechtsverkehr wird "nicht empfohlen". Aber die Frommen drohten bei abweichendem Verhalten jeder Art: "Da liegt nicht der Segen drauf". Und wer meint, zur wahren Elite zu gehören, hat beim Ausstieg Angst, alles zu verlieren. "Das ist eine Art von Abhängigkeit", sagt Heidlinde Brandt. "Es gibt Amtsträger, die ihre Frau sexuell missbrauchen, es gibt Kindesmissbrauch. Man weiss davon, redet aber nicht darüber". Nachdem das Ehepaar den Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht hatte, nennen sie sich Sektenaussteiger.

Holger Bohm (Name von der Redaktion geändert), 36, Lehrer aus Frohnau, war in seiner Gemeinde für die Jugend zuständig. Als er verkündete, er wolle der Kirche den Rücken kehren, "dachten die, ich mache einen dummen Witz". Sein stärkstes Motiv: die Verantwortung gegenüber seinen drei Kindern. "Neuapostolische Jugendliche wissen, dass sie Aussenseiter sind". Das wollte er seinen Töchtern nicht antun. Er wirft der NAK vor, die Lehre ihrer Apostel wichtiger zu nehmen als die Bibel. Jetzt ist er bei den Evangelen untergeschlüpft: "Die dürfen alles".

Elke Berger, 35, Krankenschwester aus Tegel und Aussteigerin, kritisiert die allgegenwärtige Furcht vor dem strafenden Gott. Als ihre Tochter in die Sonntagsschule sollte, entschloss sie sich endgültig zum Bruch. "Das ist keine frohe Botschaft, sondern eine Angstbotschaft".

Im Gebälk der strenggläubigen Gemeinschaft knirscht und knackt es. Intern beschweren sich die Wessis über die feindliche Übernahme durch die Ossis. Die Zentrale der NAK in der Schweiz hat nach der Wiedervereinigung verfügt, die West-Berliner Neuapostolischen müssten sich den Ost-Berlinern unterordnen. Der oberste Berliner "Apostel" Fritz Schröder ist gelernter DDR-Bürger, redet noch charismatischer als Honecker, lehnt die verderbte westliche Dekadenz ab und empfiehlt, sich ein Beispiel an den frisch missionierten Neuapostolischen in Kasachstan zu nehmen.

Auszug aus "TIP Berlin-Magazin" Nr. 3/99

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aussteigergeschichten

In der Zeit meiner 'Therapie von der Neuapostolischen Kirche' schrieb ich kleine Texte, Geschichten, Gedankenfragmente. Ich nenne sie einfach Aussteigergeschichten, sie sind ohne nachträgliche Überarbeitung zusammengetragen.

Die Wüste

Ein Noch-Mitglied der Neuapostolischen Kirche (NAK) fragte mich im Briefwechsel nach den Alternativen zur Kirche

Der Weg aus der NA - Kirche braucht Zeit, und die haben wir!
Zur Alternative: Es gibt sie nicht!
Die Alternative ist die Wüste und der Marsch durch's Schilfmeer (unter Lebensgefahr).

Es heisst: Ich bin Dein Gott, der Dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat, Und Du sollst zusehen, dass Du Dich in keine andere Sklaverei mehr begibst (keine anderen Götter neben mir....) Keine Sklaverei durch nichts und niemand, auch nicht durch solche, die dir das Denken abnehmen oder verbieten.

Und es war ein langer, harter Weg durch die Wüste, übern Sinai, und da war nix mit Girlanden und Blasmusik.

Es geht um Freiheit.

Es gab und gibt keine autoritäre Struktur, in der das Wort Jesu gelehrt und gelebt werden kann! Kann es nicht geben. (Deshalb ist der Vatikan auch kein bevorzugter Aufenthaltsort des heiligen Geistes, so es ihn gibt. ) Es geht um Freiheit und nicht um die Zementierung eines Sünderbewusstseins mit gekrümmtem Rücken als Dauerzustand. Es geht nicht um die Abhängigkeit von einer Priesterschaft mit Heilsmonopol, egal wie diese sich nennt. (Egal welches Firmenlogo)
Aus dem warmen Stall NAK in einen anderen Stall ist nicht, Stall bleibt Stall und Käfig bleibt Käfig und gemolken bleibt gemolken, ob der Melker nun kalte oder warme Hände hat.
Die Wüste ist groß und die Fleischtöpfe Ägyptens, die Versorgung zum Preis der Unterwerfung garantieren, sind auch da. Und die paar, die losgezogen sind, wussten nicht wohin sie kommen. So sind die Alternativen!
Es sind Naki zu den Evangelischen, kann man! Ich bin zu den Katholischen, auch das geht. Ich war 4 Jahre 'gar nichts', ob's Wüste war weiß ich nicht, ich weiss nur, dass ich jetzt nicht im Lande Kanaan bin, vielleicht immer noch Sinai..
Der Weg ist steinig, aber gangbar. Und bei Gott nicht ohne Zweifel. Aber Glaube ohne Zweifel ist wahrscheinlich so was wie ein Magnet mit nur einem Pol. (Gibt es nicht!) Gleichnamige Pole stossen sich ab und ungleichnamige ziehen sich an.
Das Gleichnis dürfen Sie selber ausbauen.

 

Oder eine spätere Geschichte...

Warum man sich immer wieder selbst
in die Pfanne haut

Es war einmal ein kleiner neuapostolischer Junge, der lebte in einer kleinen bescheidenen Welt, in einem kleinen Dorf im Schwabenland. Das Dorf war klein, die Wohnung, die die Familie mit der Oma teilen musste war klein, aber hoch, der Horizont, den die oben erwähnte Glaubensgemeinschaft hatte, war auch klein. Und das kleine Kinderherz wurde von den grossen Priestern, Aposteln und Oberaposteln immer kleiner gemacht. Kleine , verzagte, unkritische, kindlich-kindische Herzen, die waren beliebt bei den beleibten Aposteln und Oberaposteln. Das "selig, die geistig armen" war mehr ein "selig die dummen". Aber es kam so, dass das brave, verzagte, aber nicht ganz dumme Kind das Abitur machte und nicht mehr richtig wusste, ob es nun schon zu den Verdammten gehöre, oder den Ansprüchen der 'Babbler' und Schwätzer noch genüge. Dass es den "Spiegel" lesen und z.T. verstehen konnte, kam verschärfend hinzu. Da sagte das Kind: "Ihr lieben Apostel und Oberapostel, bei euch will ich nicht länger bleiben. Alles was man macht, und wie man es macht ist falsch. Macht man's ungern, ist's nicht richtig, macht man's gern, ist's Fleischeslust. Egal wie, ihr habt immer eine fette heisse Pfanne parat, in die ihr unsereinen mit nacktem Hintern hineinsetzt. Wieso ihr nicht von Gottes edler Messingpfanne sprecht, ist mir ein Rätsel." Das hatte der Junge inzwischen begriffen.
Also zog er aus und er kam zu den Evangelischen und zu den Katholischen. Obwohl es dort auch Leute mit Pfannen gab, manche sogar noch viel schöner theologisch verziert, hat ihm eigentlich niemand mehr eine Pfanne aufgeschwätzt. Denn wie das Schicksal so spielt, seine Pfanne hatte er noch. Irgendwann stellte er fest, dass er sich selbst immer wieder mit nacktem Hintern in diese heisse Pfanne setzte. Und das fand er gar nicht lustig. Als er die Pfanne nun endlich loswerden wollte, merkte er, dass es nicht einmal mehr festzustellen war, ob ihm die Apostel die Pfanne unbemerkt in den Rucksack gesteckt hatten, oder ob er sie freiwillig mitgenommen hatte. Ist ja auch egal. Er sollte die Pfanne, und sei sie noch so schön und aus altem Messing, mehr oder weniger theologisch verziert, einfach wegwerfen. Und es ist ja wohl legitim, auch andern aus solchen Pfannen herauszuhelfen. Selbst wenn sie geschenkt sind, biblisch, pseudowissenschaftlich oder sonst wie verziert, und zig Jahre herumgeschleppt wurden.

Volker Benedikt

 

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