Startseite
Spannende Texte zum Thema
Erfahrungsberichte Ehemaliger und weitere Informationen
 
Buchtipps
Weiterführende Links
 
Forum für Diskussion, Austausch, Events, Buchtipps

stories. stories, stories...

scientology

Erfahrungsberichte von ehemaligen Mitgliedern:


Jason Beghe - Sprecher von Scientology - steigt nach 12 Jahren aus und warnt davor, dass Scientology zerstörerisch und sehr gefährlich ist. 12 Jahre lang war der aus “CSI” und “Cane” bekannte Schauspieler Mitglied bei Scientology, investierte etwa eine Million US-Dollar in Kurse und Auditings, arbeitete sich so an die Spitze vor und wurde schlussendlich prominenter Sprecher von Scientology. Doch nun ist Jason Beghe ausgestiegen und rechnet mit Scientology in einem auf YouTube publizierten Video ab.

Der englische Fernsehsender Chanel 4 hat einen Dokumentarfilm gedreht und das ging so: Hardeep Singh Kohli, ein britischer Entertainer und Komiker unternimmt einen Selbstversuch. Er geht während 10 Tagen zu einer Organisation in Russland, in der ausgestiegene Scientologen Scientology-Kurse und Therapien geben. Der Film zeigt vor allem im zweiten Teil sehr treffend, was in jemandem vorgeht, der mit Scientology in Kontakt kommt (englisch).

Die spannenden Ausführungen des Aussteigers Pierre Ethier. Er war einer der 53 höchstausgebildeten Therapeuten in Scientology, ein so genannter Class VIII-Auditor und hat während seiner langen Jahre in Scientology rund 5000 Personen auditiert.

Deutsche Übersetzung der von offizieller Stelle nicht authorisierten Hubbard-Biografie «Bare-Faced Messiah» von Rusell Miller. Die wahre Geschichte beginnt mit Gerry Armstrong, einem langjährigen Scientology-Mitarbeiter. Eines Tages findet er auf einem Dachboden 21 Schachteln mit persönlichem Material von Hubbard: Schulhefte, Fotos, sogar Babykleider. Je länger er das Material sortiert und zusammenstellt, desto mehr Widersprüchliches entdeckt er...

Die Erklärung von Alain, der in ein Scientologisches Camp für verhaltensauffällige Jugendliche geschickt wurde und ein Interview mit einer ehemaligen Mitarbeiterin der Scientologykirche in Lausanne auf der Homepage von Peter Widmer.  

Die Eidesstattlichen Erklärungen von Maria Pia Gardini
Maria stammt aus einer wohlhabenden italienischen Familie. Mit Entsetzen schaut sie auf das zurück, was mit ihr in Scientology geschah. Sie trat nahezu ihre gesamte Erbschaft an Scientology ab und steckt nun in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten.

Gerry Armstrong gehörte der Scientology von 1969 bis 1981 an und war mit dem Begründer L. Ron Hubbard zusammen auf dem Schiff "Apollo", das zu dieser Zeit die weltweite Schaltzentrale der Scientology war. Er erzählt von seinen Erlebnissen in Scientology und den Anfeindungen, die er nach seinem Ausstieg erlebte.

Das Magazin TAXI interviewte die frühere Scientologin Lucia Krähenbühl. Sie kam mit 20 Jahren zu Scientology und erzählt vom Leben "auf Staff" (als Scientology-Mitarbeiterin).

Warum gehen 99,9% aller Beziehungen zwischen einem Scientologen und einer Nicht-Scientologin (oder umgekehrt) in die Brüche? Einen Einblick geben die Erfahrungsberichte von einer Ex-Scientologin, die durch ihren Freund zur «Thetanenschmiede» Scientology kam und von Ilse Hruby, die 4 Jahre mit einem Scientologen verheiratet war.

Ein Interview mit dem ehemaligen Scientologen Gerhard Förster.

In der Sea-Organisation, der Scientologischen Elite-Organisation in Kopenhagen, East Grinstead (GB) und den USA, geht es hart zu und her, vor allem auch für Kinder. Ein paar Berichte von ehemaligen Mitarbeitern der Sea-Org: Tanya erzählt, was sie als 16-jährige in der Sea-Org durchmachte; Berichte über Kinder, die als Strafe für einige Zeit ins scientologische Arbeitslager mussten; Yolanda Howell war mit ihren Kindern in der Sea Org und hat später die Kinder von Mitarbeitern beaufsichtigt; "Warrior" kam in seinem Leben mit vielen verschiedenen Religionen in Berührung, mit Scientology hatte er seine schlechtesten Erfahrungen gemacht.

Ilse Hruby war mit einem Scientologen verheiratet. Sie erklärt, auf welchen Grundideen die scientologische Schulbildung aufgebaut ist und wie kranke und verletzte Kinder nach scientologischer Manier behandelt werden.

Tagebuch eines Schweizers, der Scientologen Ende der Achtzigerjahre Millionen auslieh.

Erfahrungen mit Scientology aus der Newsgruppe alt.religion.scientology (englisch)

Erlebnisbericht von Jürgen B, der 1998 in die Scientology-Kirche Hamburg kam und dort eine ganze Serie von Kursen und Therapien macht, die er eingehend beschreibt und kommentiert.

TV-Bericht über einen deutschen Aussteiger und sein Erfahrungsbericht.

> Buchtipp

 

Erfahrungsberichte auf dieser Seite:


Die Gefahren von Scientology - Die Probleme von Scientology liegen tiefer, als bei falschem Management und falscher Interpretation der Lehre, wie dies Aussteiger meist vermuten.Philosophie und Techniken von Scientology tragen in sich Fehler und Mängel. Diesen Gefahren wird automatisch jeder ausgesetzt, der Scientology betreibt, auch ausserhalb der offiziellen Kirche - von einem Insider für Insider.

Was war Manipulation, was war Lebenshilfe? - 7 Jahre in Scientology

Ruth Josianne Dridi war 4 ½ Jahre lang in Scientology. Viele denken: „Ich wäre nie in Scientology eingetreten. Ich würde da nie mitmachen“. Das hatte sie auch einmal gesagt...

Kritik an Scientology - ein Scientologe darf Scientology nicht kritisieren, weder in der Öffentlichkeit (das ist gemäss Scientology-Ethik ein Schwerverbrechen) noch wenn er mit sich selbst allein ist. «ich würde sogar sagen, ein Scientologe kann Scientology nicht kritisieren» findet die langjährigen Mitarbeiterin und Aussteigerin Irmgard Wiesner.

Am Anfang stand eine positive Erfahrung, die diesen Aussteiger weitermachen liess.

Wie es Kindern geht, deren Eltern Mitarbeiter der internationalen Scientology-Organisation «Sea Org» sind.

Der Vater einer Scientology-Mitarbeiterin erzählt.

Meine Erlebnisse mit Scientology



die gefahren von scientology

Von einem Insider für Insider - Philipp Christen (Name geändert, Person der Regie bekannt) war in Scientology, seit es sie im deutschsprachigen Raum gab und danach auch in der sogenannten "Freien Zone" (die Aussteiger, die Scientology ausserhalb der Organisation und zu niedrigeren Preisen weiter betreiben). Heute hat er sich von beiden Seiten distanziert.

Die Missstände in Scientology werden von den meisten Unabhängigen auf ein unethisches Management zurückgeführt. Einige sind auch der Ansicht, dass gewisse Charakterzüge von L. Ron Hubbard, sein Machtstreben und seine Geldgier für die Schwierigkeiten und Streitereien, die in mehr oder weniger ausgeprägtem Ausmass eigentlich seit der Gründung von Dianetik immer bestanden, verantwortlich sind. Das Ausmass der Missstände deutet freilich darauf hin, dass nicht nur die Akteure in diesem Spiel eine befleckte Weste haben, sondern die Spielregeln selbst widersprüchlich sind. Mit anderen Worten: Philosophie und Techniken werden nicht nur falsch oder überhaupt nicht angewandt, sondern tragen in sich Fehler und Mängel. Diesen Gefahren wird automatisch jeder ausgesetzt, der Scientology betreibt.

Die folgende Liste von Mängeln und Gefahren ist keineswegs vollständig. Die aufgelisteten Punkte scheinen mir jedoch grundlegender Natur, sodass sie die eine oder andere Schwierigkeit erklären können, mit der man sich als Scientologe konfrontiert sieht.

Der dogmatische Anspruch von Scientology auf Allgemeingültigkeit steht im Widerspruch zu ihrem Grundsatz, dass nur wahr ist, was für einen selbst als wahr empfunden wird.

Der vielzitierte Spruch "if it isn't true for you, it isn't true" wird von vielen - inklusive L. Ron Hubbard - offenbar zur Bedeutung uminterpretiert, dass jemand, der einen Grundsatz der Scientology nicht für wahr hält, einfach noch nicht so weit fortgeschritten ist, ihn als wahr zu erkennen. Mit der Zeit würde er dann schon erkennen, dass Scientology recht hat.

Wenn jemand etwas für wahr hält, ist es wahr für ihn und wenn jemand etwas nicht für wahr hält, dann ist es nicht wahr für ihn. Punkt. Dieser Grundsatz ist deshalb so wichtig, weil jedes Individuum seine eigene Wahrheit hat.

Um diesem Grundsatz zu folgen, sollten alle dogmatischen Formulierungen aus der Scientology entfernt und das ganze Gebiet vielmehr als eine Sammlung von Hinweisen präsentiert werden, die schon vielen geholfen haben.

Sollte Zeit wirklich nur eine Illusion sein, dann legt Scientology viel zu viel Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit einer Person.

Die eigentliche "Behandlung" der Vergangenheit als Quelle und Ursache der menschlichen Mühsal scheint mir unter dem Gesichtspunkt, dass der Mensch seine erlebte Wirklichkeit fortlaufend neu erschafft auf die Dauer und in vielen Fällen sehr problematisch zu sein.

Freiheit schliesst Freiheit von Scientology mit ein.

Falls Scientology das Individuum wirklich befreien soll, dann muss eindeutig mehr Nachdruck auf die schliesslich zu erreichende Freiheit von Scientology gelegt werden. Bis jetzt ist es so, dass sämtliche entsprechenden Möglichkeiten mit Bedacht verschlossen werden. Entweder, indem sich Scientology als einzige Möglichkeit der Befreiung präsentiert oder die Beschäftigung mit anderen gebrandmarkt wird.

Scientology reduziert mit ihrer Beschränkung auf ihre exakt formulierten Techniken die Fähigkeit zu wirklicher Kommunikation.

Scientology verbessert mit ihrer technischen Betrachtung der Kommunikation nur die technische Kommunikationsfähigkeit einer Person. Indem sie ihre Anhänger in eine in sich geschlossene Realität einschliesst, reduziert sie die Fähigkeit, andere Ansichten als tatsächliche Wirklichkeiten zu verstehen und nicht nur als "zu behandelnde Irrtümer".

Der "Auditoren-Blickwinkel", wenn man dem so sagen kann, verhindert wirklichen Gedankenaustausch zwischen zwei oder mehreren gleichberechtigten Partnern. Als Beweis für die reduzierte Kommunikationsfähigkeit der Scientologen schaue man sich einmal ihre Beziehungen an: Als Einzelpersonen tauschen sie sich vornehmlich untereinander aus und als Gruppe sind sie von der Gesellschaft isoliert.

Die scientologische "Brücke zur völligen Freiheit" ist eine Illusion und funktioniert6 nur dann, wenn man an diese Illusion glaubt.

Die Entwicklungswege der Menschen sind so verschieden, wie es Menschen gibt. Die Idee eines für alle gleichen Weges - eben der "Brücke zur Freiheit" - ist deshalb eine Illusion. Wenn man an diese Illusion glaubt, funktioniert sie, im Falle der Scientology gar nicht einmal so schlecht. Die kollektive Übereinstimmung, dass diese Illusion Realität ist, ist auch entsprechend hoch. Bei Personen, die diesen Enthusiasmus und damit die Illusion nicht teilen, funktionieren die Techniken auch entsprechend schlecht. 

Die Problematik von Illusionen liegt darin, dass sie vor allem dann Gefahren in sich bergen, wenn es nicht die eigenen sind. Die eigenen Träume und Illusionen sind das Baumaterial für die Wirklichkeit, die sich jeder schafft. Mit den Träumen anderer, die man der Einfachheit halber einfach übernimmt, kann man sich keine Wirklichkeit schaffen, die einem selbst entspricht.

Dies sind in meinen Augen die wichtigsten und grundlegendsten Gefahren der Scientology, derer sich jeder bewusst werden sollte, der sich mit dieser Philosophie befasst. Wenn sie Deine Ideen etwas durcheinanderbringen, dann bedenke, dass nur unbekannte Gefahren wirklich gefährlich sind. Und schliesslich gilt auch hier, dass nur wahr ist, was für Dich wahr ist.

Philipp Christen

zurück zum seitenanfang

 

was war manipulation, was war lebenshilfe?

1976 kam ich in Scientology, ich war gerade 20 Jahre alt, 2 Jahre später war ich Mitarbeiterin. Raus kam ich mit 27. Es war eine richtige Flucht. Gearbeitet habe ich als Auditorin. Die Ausbildung für diese Tätigkeit innerhalb Scientology machte ich in München. Dort lernte ich die Verfahren, wie mit geistigen Übungen und Fragetechniken die längst vergessenen, aber noch vom Unbewussten her lenkenden früheren traumatischen Erfahrungen aufgespürt werden können und wie man helfen kann, sie zu verarbeiten. Diese Arbeit mit Leuten gab mir persönlich viel Befriedigung. Ich konnte helfen und war in gutem Kontakt mit Menschen; konnte forschen, was den Menschen bewegt, ängstigt und hemmt, aber auch glücklich macht.

Anfangs ist es einfach gut. Man hat Anschluss. Man erhält Antworten, eine Aufgabe, man fängt an, sich nützlich zu fühlen. Was mit mir, und ich würde sagen mit allen, die in Scientology bleiben mit der Zeit passiert, ist, dass durch massivste Manipulation die persönliche Entwicklung und Meinungsfreiheit bis zum Nullpunkt reduziert wird. Wie gesagt fühlt man sich am Anfang ganz und gar nicht so, im Gegenteil, man wird aufgefordert, auf sich zu hören, man kriegt eine Stimme, man ist nicht alleine. Die eigenen früheren traumatischen Erfahrungen werden erleichtert und man fühlt sich freier, ungebundener, fröhlicher, aufgehobener und beschützter. Endlich hat man jemanden gefunden, der einem versteht, einem führen kann und gleichzeitig auch Antworten und Lösungsansätze geben kann.

Aber leider dies nur kurze Zeit, danach kommt das Andere. Und das Andere ist: „Nur was für die Gruppe und deren Ideal gilt, zählt!“ Und natürlich in Scientology ganz besonders: die Kasse musste jede Woche stimmen. Geld musste man herbeischaffen, wenn man obiges wollte.

als Mitarbeiterin

Ich bekam immer mehr Repressalien: keine Freizeit, keine Orientierung in der Aussenwelt, die sowieso als ganz schlecht hingestellt wurde. Man musste bis tief in die Nacht arbeiten und kriegte höchstens einen Morgen frei in der Woche, um das Nötigste Zuhause zu machen. Dies ist auch eine Art, die eigenen Abwehrkräfte zu schwächen und einem manipulierbarer zu machen. Und man wurde manipuliert, klein gemacht, abgewertet. Es herrschte eisige Kälte dort drin. Riesiger Leistungsdruck wurde ausgeübt, dazu musste man immer wieder L. Ron Hubbard studieren, zitieren, Parolen wiederholen und ihn ehrfürchtig beklatschen.

Man braucht nachher enorm lange, bis man all das aussortiert und verarbeitet hat und bis man wieder zu seiner eigenen Kraft gefunden hat, derer man beraubt wurde. Ja natürlich, es war alles für ein gutes Ziel, deshalb hat man ja auch so mitgemacht. Es änderte sich ja nicht alles auf einen Schlag, es kam nach und nach, und indem man sich den Gruppenidealen verschrieb, löste man sich immer mehr von der Aussenwelt. Man hatte keine Vergleichschancen und auch keinen Anschluss mehr. Ohne Scientology ist man in dieser Phase auf sich alleine gestellt. Man hatte auch Leidensgenossen, Freunde, die wollte man auch nicht verlassen und wenn man sich entschlossen hätte zu gehen, hätte man alles verloren, keine Freunde, keine geistigen Aussichten, denn Scientology hatte die einzige Befreiungslehre (behauptete man), wie wir uns als geistige Wesen weiterentwickeln und zu dem wahren Selbst gelangen könnten. Wer möchte da nicht mit seinem vollen Potential ausgerüstet sein, unverletzlich, unsterblich?, Nun, um diese Dinge zu erreichen gab es in Scientology die geheimen sogenannten OT-Stufen, die natürlich recht unerschwinglich waren und eine Illusion, ein wahrer Betrug, wie ich später, als ich sie auch machte, herausfand. Aber so was darf man ja nicht zugeben, man kann es sich selber ja nicht zugeben, keiner gibt sowas zu, dann wäre man ein Verräter besonderer Klasse. Also tut jeder so, wie wenn er durch diese Verfahren ein ganz besonderer Mensch geworden sei und erhebt sich über die so nichtwissenden ungeklärten Mitmenschen. Es gibt ja noch die nächsten Stufen und was man bis jetzt nicht erreicht hat, erreicht man ganz bestimmt in einer der nächsten.

Die Flucht

Ich habe geheiratet und da ich noch einen Morgen an mein Hochzeitsfest anhängte, was ich nicht erlaubt bekommen habe und nicht wieder um 9 Uhr in der Organisation war, wurde ich gleich nach Kopenhagen geschickt um meine Aufmüpfigkeit zu behandeln. In Kopenhagen musste ich stundenlang meine Untaten, Unterlassungen, Nichtübereinstimmungen mit der Heilslehre und alle bösen Gedanken aufschreiben. Mein Mann, er war Teilzeit­mitarbeiter, kam eine Woche später hoch. Ihn nahmen sie total in die Mangel, er wurde „sicherheitsüberprüft“ d.h. er war in ihren Augen eine potentielle Gefahr für Scientology. Drei Leute haben verbal mit einer Klasse von StundentInnen im Hintergrund auf ihn eingedroschen, ein Verhör SS-Klasse ähnlich. Nach diesem Verhör habe ich ihn getroffen, wie eine wandelnde Leiche hat er ausgesehen.

Da wurde mir klar: so hier musst du weg, das ist kein guter Platz und der wird nicht gut. Mein frischvermählter Mann wurde abgesondert und in eine Rehabilitierungseinheit geschickt. Es hat ein absolutes Redeverbot bestanden. Trotzdem konnte ich ihn am andern Morgen abpassen und ich flüsterte ihm zu, dass ich gehen werde. Er sagte, er käme mit. Wir holten heimlich unsere persönlichen Sachen, nur das Nötigste, dass auch ja keiner drauf käme, dass wir uns wegschleichen würden und begaben uns auf den Bahnhof. Da der Zug nicht gleich abfuhr und unser Weggehen in der Zwischenzeit hätte bemerkt werden können, suchten wir ein Hotel auf und gingen erst am nächsten Tag nach Basel. Ich wusste von andern, dass sie aus Zügen herausgeholt wurden. Dem wollten wir vorsorgen.

In Basel gingen wir gleich weg auf Hochzeitsreise. Als wir zurückkamen waren wir zu unterdrückerischen Personen erklärt worden. Keiner von unseren früheren Freunden durfte mehr mit uns reden.

Das Ganze zu verarbeiten und sich neu zu orientieren hätte ich alleine ohne meinen Mann nicht geschafft. So konnten wir uns gegenseitig stützen. Es gab zu jener Zeit mehrere abgesprungene Scientologen, die sich mir anvertrauten. Alles war nicht schlecht da drin, nur was war Manipulation, was war Lebenshilfe? Ich konnte daran arbeiten, konnte weiteren Personen helfen, diese tragische Erfahrungen zu verarbeiten, und sich im Leben, so wie es ist, weiter zu bewegen und sich zu finden. Ich befasste mich dann intensiv mit Schriften von Sigmund Freud, C.G. Jung und an­deren psychologischen Studien und ging in Selbsterfahrungsgruppen. Jederzeit würde ich auch andern beistehen, den Schritt aus einer Sekte und ganz besonders aus Scientology herauszuhelfen.

Lucia Krähenbühl-Vögeli 

zurück zum seitenanfang

 

 

Meine Geschichte

Mein Name ist Ruth Josianne Dridi. Ich war 4 ½ Jahre lang in Scientology. Sicher denken viele: „Ich wäre nie in Scientology eingetreten. Ich würde da nie mitmachen“. Das habe ich auch gesagt. 

Doch dann lernte ich meinen Freund kennen, der damals schon Scientologe war. Schon bald wollte er mir Scientology näher bringen. Er wusste, dass unsere Beziehung nur eine Chance hätte, wenn auch ich Scientologin werden würde. Irgendwann gab ich seinem Drängen nach und ich ging mit ihm zu einem Vortrag über „Reinkarnation“ also „Wiedergeburt“ in die Zürich Org. Org. bedeutet Organisation.

Nachdem ich dann auch noch einen 200-Frage-Test gemacht hatte, wurde ich dazu überredet, einen Kurs zu machen, der mich die Grundlagen der Scientology lehrte.

Der erste Kurs

Die Kursleiterin empfahl mir in diesem Kurs, in einer Woche 12 ½ Stunden zu studieren, d.h. praktisch gesehen, drei bis vier Abende pro Woche in der Org. zu verbringen. Die Kursleiterinnen waren überhaupt sehr nett.

Auf diesem Kurs lernte ich:

Ebenso erfuhr ich, dass in Scientology Drogenentzüge vorgenommen werden. Mein Freund kam durch Scientology von Drogen los (mehrere Joints täglich). In einem Teil des Kurses lernte ich, wie der Verstand funktioniert. Gemäss Ron Hubbard hat der Mensch, wie er in seinem Buch Dianetik schrieb, einen analytischen und einen reaktiven Verstand. Mit dem analytischen Verstand kann man logisch denken. Der reaktive Verstand hingegen ist in etwa das, was die Psychologen das Unterbewusstsein nennen. Ron Hubbard war der Ansicht, dass der Mensch, wenn er körperlichen oder seelischen Schmerz erleidet, eine Art Bewusstlosigkeit hat. D.h. der analytische Verstand wird mehr oder weniger ausgeschaltet und der reaktive Verstand übernimmt. Dies bedeutet, dass z.B. alles, was gesagt wird bzw. wurde, währenddem ein Mensch Schmerzen erleidet, direkt ins Unterbewusstsein geht beziehungsweise in den reaktiven Verstand. Solche Sätze, die gesprochen werden, während jemand Schmerzen hat, würden dann wirken, als ob jemand hypnotisiert worden wäre. Dies erklärt dann auch, weshalb jemand unvernünftige Handlungen begeht.

Viele meiner Fragen über das Leben wurden auf dem Kurs beantwortet. Das Ziel von Dianetik ist der Zustand „clear“. Clear ist jemand, wenn er seinen reaktiven Verstand abgebaut hat. Für einen Scientologen sind Menschen, die nicht clear sind, eine Art Reizreaktionsmechanismus. D.h. diese Menschen werden nicht ernst genommen. Im Klartext: Für einen Scientologen sind alle, die nicht clear sind, verrückt. Deshalb versuchen Scientologen möglichst viele Leute unter ihre Kontrolle zu bringen. In Scientology nennt man dies positive Kontrolle. Es wird quasi versucht, die Verrückten vor sich selbst zu schützen.

Haben Sie nicht auch schon gedacht, dass es viele Verrückte gibt auf dieser Welt? Hat nicht jeder von Ihnen Ängste, Depressionen, Liebeskummer? Oder trauern Sie um jemanden?

Wenn nun jemand käme und sagen würde: „Ich kann Sie davon befreien? – Würden Sie es nicht versuchen?

Mein Vater ist sehr früh und überraschend verstorben. Da ich ein sehr inniges Verhältnis zu ihm hatte, kam ich über seinen Tod nicht hinweg. Ich hoffte, den Schmerz über seinen Verlust durch die Dianetiktherapie – genannt Auditing – zu überwinden.

Mehr und mehr faszinierte mich das neu gewonnene Wissen. Ein anderer Punkt war, dass ich für meine Ideale leben wollte. Ich hatte den Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun. Ich wollte nicht ein normales, spiessbürgerliches Leben führen und nur zu arbeiten, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nein, ich wollte etwas beitragen zum Wohle anderer.

Der Entschluss, Mitarbeiterin zu werden

Nun hatte ich also das Patentrezept in den Händen, um den Planeten vor dem Untergang zu retten. Die freundlichen beiden Kursleiterinnen machten mir den Job als Kursleiter schmackhaft. Mir wurde geschildert, wie schön es doch sei, für seine Ideale zu kämpfen und nicht einfach für den schnöden Mammon zu arbeiten.

Wie schön war es doch, in einer Gruppe zu sein, mit lauter idealistischen, netten Menschen, die sich gegenseitig halten und unterstützen. Ich unterschrieb einen 5-Jahresvertrag. Dadurch verpflichtete ich mich, jede Woche 40 Stunden als Kursleiter in der Org zu arbeiten. Dafür durfte ich in der Woche 12 ½ Stunden studieren oder Auditing beziehen. Unter Studieren versteht man in Scientology, dass man Kurse besucht, um sich als Auditor ausbilden zu lassen. Der Lohn richtete sich nach den Einnahmen der Organisation. Da die Org jede Woche zu kämpfen hatte, fiel auch der Lohn dementsprechend gering aus. Manchmal gab es gar nichts, manchmal Fr. 5.­­ oder vielleicht Fr. 10.­­ die Woche.

Würde ich den 5-Jahresvertrag brechen, müsste ich alle Kurskosten von den Kursen, die ich in dieser Zeit als Mitarbeiter belegt hatte, zurück erstatten.

Um überhaupt über die Runden zu kommen, musste nebenbei noch gearbeitet werden. Ich suchte mir also einen Job. So arbeite ich morgens von 6.00 – 12.00 Uhr in einem Laden und nachmittags von 14.00 – nachts um 24.00 oder 1.00 Uhr war ich Kursleiterin in der Org.

Meine Woche bestand nur noch aus Arbeitstagen. Auch am Wochenende arbeitete ich täglich 12 Stunden in der Org. Ferien machen war out. Es war unethisch sich an einem Strand unter der Sonne zu aalen, während der Planet unterzugehen drohte. Man konnte ja nie wissen, ob die Wahnsinnigen ausserhalb der Org nicht plötzlich den Planeten in die Luft jagten.

Als stolzer Mitarbeiter Zürich Org fand ich bald heraus, dass es vor allem darum ging, etwas zu leisten. Mein Lebensinhalt bestand nun darin, gute Statistiken zu haben. Jeder Mitarbeiter hatte seine eigenen Statistiken. Ich als Kursleiterin bekam jede Woche Ziele vorgegeben, die ich erreichen musste. Ich wusste, wie viele meiner Studenten ihren Kurs abzuschliessen hatten, damit sie auf einen weiteren Kurs gesetzt werden konnten. Ich wusste, wie viele Studenten bei mir einen Kurs zu starten hatten.

Ich gab alles, um die oft unrealistischen Ziele zu erreichen. Der Witz an den Statistiken war, dass wir jede Woche mehr leisten mussten.

Gelang es mir die Statistik hoch zu bringen, wurde ich von allen geliebt. Ging es schief, kümmerte sich die Ethik-Abteilung um mich. Die Leute in der Ethik-Abteilung wachen darüber, dass jeder Scientologe ein ethisches Leben führt. Gemäss den Aussagen Hubbard’s ging eine Statistik nur runter, wenn man sogenannte Overts hatte. Overts sind Vergehen oder Sünden.

Indem man all seine Vergehen genau aufschrieb, konnte man sein Gewissen reinwaschen und die Ethik-Abteilung hatte wieder etwas mehr Kontrolle.

Ausbildung zur Kursleiterin in Florida

Nach etwa einem Jahr wurde mir die Ehre zuteil, nach Amerika geschickt zu werden, um an einem neuen Training für Kursleiter teilzunehmen.

Ich flog also nach Florida zu dem Ort, den die Scientologen Flag nennen. Flag ist das Mekka der Scientologen. Es liefert die höchsten Kurse und das höchste Auditing. Das heisst, es liefert Auditing, das ein geistiges Wesen fähiger macht. Es macht aus Menschen - Götter. So versprechen es die Hochglanz-Prospekte der Scientologen.

Nachdem ich 12 Stunden Flug hinter mir hatte, kam ich abends um 22.00 Uhr ca. in Clearwater Florida an. Ich erreichte Flag, das aus einem Hotel und einem Kurszentrum bestand. Ausserhalb des Zentrums hatte Scientology einige Häuser gekauft, die als Unterkünfte für die sogenannten Sea Org Mitglieder dienten. Sea Org Mitglieder sind Leute, die in einer Art Orden leben. Sie verpflichten sich vertraglich für 1 Millionen Jahre in Scientology zu arbeiten. Zu Beginn lebten die Sea Org Mitglieder auf Schiffen. Sie tragen deshalb auch Uniformen und es gibt eine strenge Hierarchie. Gegen Mitternacht wurde ich zu den Unterkünften gebracht. Der Leiter der Unterkünfte war nicht sehr erfreut, noch einen Trainee unterbringen zu müssen. Inzwischen waren etwa 500 Leute für ein solches Training hierher gekommen. Die Leute waren aus der ganzen Welt zusammengetrommelt worden, um als Kursleiter oder Auditor ausgebildet zu werden. Der Leiter der Unterkünfte versuchte, irgendwo noch eine Matratze aufzutreiben. Er führte mich zu meiner Unterkunft. Als er anklopfte, öffnete eine junge Französin. Sie war nicht sehr erfreut, als sie erfuhr, dass noch eine weitere Person hier wohnen würde. Ihr Einwand, dass sie bereits 8 Personen in dieser 3-Zimmer-Appartement seien, nutzte nichts. Der Leiter schmiss die Matratze auf den Boden des Wohnzimmers. Als ich die Matratze ansah, wurde mir klar, dass ich nicht die erste war, die sie benützte.

Mein nächstes halbes Jahr war von einem straffen Stundenplan ausgefüllt:
Morgens um 7.00 Uhr begann der Tag mit Frühsport. Dann gab es Frühstück und von 9.00 Uhr bis abends um 22.00 Uhr oder 23.00 Uhr wurde studiert. Das Studieren wurde nur noch durch 2 Mahlzeiten unterbrochen. Natürlich gab es keine freien Wochenenden oder so. Am Samstagmorgen konnten wir unsere Wäsche waschen und die Wohnung putzen. Ansonsten waren wir immer auf Kurs. Unsere kleine 3-Zimmer-Wohnung wurde immer mehr mit Leben erfüllt. Des öfteren kamen neue Leute an in der Nacht. So machte man morgens im Badezimmer beim Zähneputzen immer mal wieder nette Bekanntschaften. Mittlerweile hatte sich die Zahl meiner Mitbewohnerinnen in der süssen kleinen 3-Zimmer-Wohnung auf 16 eingependelt. Das hat auch seine Vorteile, man lernt rationell zu duschen. Auch gab es nicht mehr diese einsamen Stunden im Badezimmer. Man hatte immer Gesellschaft beim Duschen oder Zähneputzen. Und das Klopfen der Mitbewohnerinnen an der Badezimmertüre spornte einen zu immer neuen Bestzeiten im Schnellduschen an.

Überall schneller zu werden war überhaupt ein Ziel. Schnell duschen, schnell kaufen und schnell Kurse abschliessen, das war das Optimum.

Wir wurden immer wieder von unseren Vorgesetzten aus der Sea Org angespornt, Höchstleistungen zu vollbringen. Unsere Vorgesetzte, wir durften sie Captain nennen, setzte grossen Druck auf, damit wir die Kurse in der von oben vorgegebenen Zeit abschlossen. Wer im Rückstand war, wurde regelmässig angeschrien.

Auch mein Englischvokabular vergrösserte sich. Sehr schnell lernte ich die Lieblingsausdrücke unserer Vorgesetzten. : „Fuck you“ bedeutet in etwa „fick dich“; „kick in the as“ – „ich geb dir einen Tritt in den Allerwertesten“; „Bullshit“ – „Scheisse“; „Arsehole“ – „Arschloch“.

Mich erstaunte immer wieder, mit wie wenig Worten die Amerikaner auszukommen scheinen. Die meisten ihrer Sätze bestand aus einem dieser Worte. Nachdem ich ½ Jahr lang Bett, Tisch und Klo mit 700 anderen Trainees aus der ganzen Welt geteilt hatte, schloss ich mein Training ab und ging zurück in meine Zürich Org.

Zurück in der Org 

Da ich ja jetzt trainiert war, herrschte ein neuer Wind. Fortan sollte ich nicht bloss die vertraglich festgelegten mickrigen 40 Stunden in der Org arbeiten. Nein, es war nötig, voll da zu sein. Dies bedeutete 60, 70 oder auch mal 80 Stunden pro Woche. Meine Vorgesetzten in der Org entschieden, dass mein Freund für meinen Lebensunterhalt aufkommen sollte, damit ich mich voll höheren Zielen widmen konnte. Mein Freund war davon natürlich nicht begeistert. Ich war zwischen die Fronten geraten. Der Druck seitens der Org wurde immer grösser. Immer länger wurden die Tage, die ich in der Org verbrachte. Zuletzt durften wir nicht mehr nach Hause, bevor wir nicht unsere vorgegebenen Tagesziele erreicht hatten.

Mein Freund drängte mich, mir einen Job zu besorgen, damit er mich nicht mehr unterstützen müsse. Ich konnte aber nicht arbeiten, da ich jetzt auch morgens Kurs geben musste. Die anfangs so nette Kursleiterin von mir war jetzt meine Vorgesetzte. Sie gab den Druck, den sie von oben erhielt, ungefiltert an uns weiter. Drohungen und Beschimpfungen waren an der Tagesordnung.

Zu allem Überfluss erfuhr ich, dass mein 5-Jahres-Vertrag automatisch wieder von vorne beginnen würde, ab dem Datum, ab dem ich von Amerika zurückgekehrt war.

Inzwischen war ich fast 4 Jahre Mitarbeiter. In dieser Zeit hatte ich kaum Geld, um mir Kleider zu kaufen. Manchmal hungerte ich, weil ich kein Geld hatte, um mir etwas zu Essen zu kaufen.

Ich war körperlich am Ende. Dazu kam der nervliche Stress. Erreichte ich meine vorgegebenen Ziele nicht, wurde ich morgens um 3.00 Uhr durch Telefonanrufe terrorisiert. Ich hatte das Gefühl, dass ich der Org jetzt vollkommen ausgeliefert war. Wollte ich aufhören in der Org zu arbeiten, wurde ich vertragsbrüchig.

Dies bedeutete, dass ich all die Kurse, die ich in Zürich und in Amerika gemacht habe, hätte zurückerstatten müssen. Dies wären so an die Fr. 100'000.—gewesen.

Der Ausstieg

Nun möchte ich schildern, wie ich ausgestiegen bin: Nachdem ich noch ein zweites Mal in Amerika war, wurde mir immer mehr bewusst, dass ich in einem totalitären System gelandet war:

Ich könnte diese Liste noch länger weiterführen.

Wie bin ich ausgestiegen?

Etwa ein halbes Jahr lang ging es mir immer schlechter. Irgendwann realisierte ich, dass ich in einer Art Gefängnis war. Allerdings bestand das Gefängnis aus Ängsten, moralischen Verpflichtungen und Drohungen seitens der Organisation. Als ich realisierte, dass auch die Org von mir als Kursleiterin abhängig war, begann ich mich stark zu fühlen. Ich wusste, dass ich mich immer schlecht fühlte, wenn ich hinging. Also beschloss ich, einfach nicht mehr hinzugehen.

Ich rief meine beste Freundin an. Sie holte mich ab und ich versteckte mich bei ihr, bis die Scientologen herausfanden, dass ich mich bei ihr befand. Ich floh dann zu einer anderen Freundin und nach ein paar Wochen fand ich eine Arbeitsstelle und eine Wohnung. Wieder spürten mich die Scientologen auf. Mein Exfreund erschien an meinem Arbeitsplatz. Er wollte unbedingt einen Termin mit mir vereinbaren, um alles zu regeln. Ich ging aber nicht hin. Es wäre ohnehin eine Falle gewesen, da er nicht alleine kam. Es waren noch zwei Leute von der Ethik-Abteilung dort. Zwei Jahre lang versuchte ich, wieder im normalen Leben Fuss zu fassen.

Wie es ist, eine Aussteigerin zu sein 

Ein Aussteiger zu sein kann genauso schlimm sein, wie wenn man noch in einer destruktiven Gruppe ist.

Es beginnt mit den Vorwürfen der Angehörigen: „Hab ich dich nicht immer schon davor gewarnt?“

Dann die quälenden Alpträume, sowie das schlechte Gewissen gegenüber der Gruppe, die man verlassen hat. Der Verlust von Freunden, die man in der Gruppe hatte. Das Gefühl zwischen zwei Welten zu leben und nirgends dazuzugehören.

Das Nichtverstandenwerden.

Erlebnisse, die man hatte in dem Kult, über die man nicht sprechen kann, weil andere das nicht nachvollziehen können.

Zu spüren, dass andere über einen lachen, tratschen oder Abstand nehmen.

Das Misstrauen, das einem entgegenspringt.

Das Wiedereingliedern in das normale Leben und vor allem in den Beruf.

Der Verlust von Idealen und das Gefühl, betrogen worden zu sein.

Jemand sandte mir ein Gedicht, das ein Aussteiger geschrieben hat. Das Gedicht ist in Englisch. Hier einige Passagen, die ich übersetzt habe. Das Gedicht heisst „It hurt’s“ (es schmerzt) von Jan Groenveld:.

Es schmerzt, wenn du feststellst, dass du fehlgeleitet wurdest und an eine wahre Religion glaubtest.

Es schmerzt, wenn du feststellst, dass jene Menschen, denen du vertrautest, den Wollknäuel vor deinen Augen gestrickt haben.

Es schmerzt, wenn du feststellst, dass du den Kontakt zur Realität verloren hast.

Es schmerzt, wenn du vor deiner Familie stehst und sie dir vorwerfen
“Ich hab’s dir doch gesagt.“

Es schmerzt, wenn du feststellst, dass du alles aufgegeben hast für den Kult.

Es schmerzt alleine zu sein und zu sehen, dass dich niemand versteht.

Und all diese vergeudete Zeit. So erscheint es dir – vergeudete Zeit.

Bei Gesprächen mit anderen Aussteigern stellte ich fest, dass alle dieselben Probleme haben. Deshalb glaube ich, dass es Zeit ist, eine Selbsthilfegruppe zu bilden.

Menschen, die selber nie in einer destruktiven Gruppe waren, denken vermutlich, dass der Sektenangehörige nur auszusteigen braucht und das Problem ist gelöst. Ich erfuhr, dass jetzt die Probleme erst anfangen. Eine solche Gruppe war für die Person auch eine Schutzmauer gegenüber der bösen Umwelt. Auf einmal steht man alleine da, zwischen den Fronten, die einem auch noch feindlich gesinnt sind.

Es gibt auch Aussteiger, die Familienmitglieder in der Sekte zurücklassen.

Was tun dagegen?

Ich habe viel gelernt über Macht und Manipulation. Das Thema Religion, Religionsfreiheit und Manipulation ist ein heikles Thema.

Vermutlich erwarten Sie jetzt von mir, dass ich radikal gegen alle Sekten vorgehe. Es ist nicht mein Ziel, eine Hexenjagd zu veranstalten. Ich denke, dass dies nichts bringt. Denn dies können die Sekten wieder positiv für sich verwerten. Sie können sich als Opfer einer rassistischen Kampagne darstellen. Ich will einfach solchen Gruppen Grenzen setzen, damit sie wissen, dass sie nicht alles machen können. Religionen eignen sich sehr gut zur Manipulation. Meine Aufgabe sehe ich eher in der Aufklärung. Die Menschen müssen lernen, dass Glück nicht von aussen, sondern von innen kommt. Schon junge Menschen sollten die Mechanismen der Manipulation kennen. Auch der Gruppendruck spielt eine wichtige Rolle.

Wie sollte man sich als Angehöriger eines Sektenmitglieds verhalten?

Meiner Meinung nach sollten folgende Punkte beachtet werden:

Kritisieren Sie weder den Glauben noch das Mitglied. Denn jeder Mensch will Recht haben. Wenn Sie jemanden ins Unrecht setzen, stossen sie ihn nur tiefer hinein.

Informieren Sie sich über die Gruppe, ihr Glaubenssystem. Geben Sie sich interessiert, um Informationen zu erhalten. Halten Sie Kontakt zum Mitglied der Sekte. Die Sekte wird versuchen, das Mitglied zu vereinnahmen.

Sektenmitglieder geben oft alles auf und sie zahlen oft keine Versicherungen mehr ein. Für Eltern eines Sektenopfers wäre es ratsam, für das Kind einen Notgroschen anzulegen, damit es bei einem allfälligen Ausstieg ein Startkapital hat.

Wenden Sie sich nicht unbedingt öffentlich gegen diese Gruppe. Das Mitglied wird sonst gezwungen, sich von Ihnen abzuwenden.

Geben Sie der Person nicht das Gefühl, dass Sie sie jetzt nicht mehr akzeptieren, weil sie nicht so lebt, wie Sie das gerne hätten.

A usserdem bin ich eine Verfechterin der Wahlfreiheit. Wir haben immer die Wahl und daraus ergibt sich automatisch, dass wir vielleicht eine vermeintlich schlechte Wahl treffen.

Ich glaube, dass das Ziel des Lebens ist, bestimmte Dinge zu erfahren. Wir sollten auch Fehler machen dürfen. Die Frage ist auch, ob es so etwas wie Fehler überhaupt gibt.

Wenn mich jemand fragt, ob ich meine Zeit in Scientology bereue, antworte ich mit „Nein“. Ich bin der Meinung, dass Bereuen etwas Destruktives ist. Ich darf sagen, dass ich Erfahrungen gesammelt und dabei viel gelernt habe. Nur dadurch bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

Jenen unter den Lesern, die ein Familienmitglied in einer destruktiven Gruppierung haben, möchte ich sagen, dass sie auch stolz sein können auf diese Menschen. Es müssen idealistische und mutige Menschen ein – und von denen gibt es nicht mehr viele.

Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter durch einen Prozess geht und dass sich alles noch ändern kann. Seien sie einfach da und reichen Sie ihm/ihr die Hände. Irgendwann wird ihr Kind danach greifen.

Mein Ziel ist es eine Brücke zu schlagen zwischen Sektenmitgliedern und deren Angehörigen. Ich glaube auch, dass man viel mehr Aufklärung betreiben sollte.

Ruth Josianne Dridi

zurück zum seitenanfang

 

kritik an scientology

In einer Sendung im Fernsehen wurde der Öffentlichkeitssprecher der Scientology Organisation Zürich gefragt, ob er irgendetwas an Scientology kritisieren könne. Er ist die Antwort schuldig geblieben.

Für jemanden, der selbst jahrelang in Scientology mitgearbeitet hat, ist diese Reaktion nicht unerwartet: ein Scientologe darf Scientology nicht kritisieren, weder in der Öffentlichkeit (das ist gemäss Scientology-Ethik ein Schwerverbrechen) noch wenn er mit sich selbst allein ist – ich würde sogar sagen, ein Scientologe kann Scientology nicht kritisieren.

Warum nicht? Natürlich wird Scientology gegenüber Scientologen wiederholt und konsequent als sehr positiv hingestellt: am Anfang jedes Kurses gibt es zum Beispiel einen Richtlinienbrief, in dem unter anderem gesagt wird, dass es keine ethischere Gruppe als Scientology gibt, dass Scientology die einzige Technologie ist, die die Menschheit vor dem dritten Weltkrieg retten kann, und einiges mehr in der Richtung. Schön – aber andere Gruppen reden auch positiv von sich selbst. Ein Unterschied ist jedoch, dass in anderen Gruppen gewöhnlich neben den herausgestrichenen positiven Aspekten auch innerhalb der Gruppe Kritik wahrnehmbar vorhanden ist. In Scientology gibt es das nicht.

Der Grund für die Probleme der Scientologen mit Kritik liegt tiefer: in Scientology wird gelehrt, dass jeder, der negativ über Scientology spricht, selbst Dreck am Stecken hat oder unter dem destruktiven Einfluss von Leuten steht, die Scientology kritisieren und demzufolge Dreck am Stecken haben. Kritiker von Scientology sind Verbrecher oder von Verbrechern beeinflusste Leute, die sich ihre Meinung nicht selbst machen. Das wird Scientologen immer wieder gesagt – in jedem einzelnen Fall, wo Scientology von Kritik gegenüber Scientologe redet.

Wenn nun ein braver Scientologe kritische Gedanken gegenüber Scientology hat, dann ist ihm dieses „Wissen“ sehr präsent – nur Leute mit Dreck am Stecken kritisieren Scientology, und jetzt hat er selbst einen kritischen Gedanken, also muss er selbst sich irgendwo unethisch verhalten haben. Er geht in sich und schaut, wo er selbst sich nicht optimal verhalten hat: und, da Scientologen da strenge Massstäbe anlegen, wird er mit Sicherheit fündig – siehe da, Scientology hat recht, nur wer unethisch ist, hat kritische Gedanken.

Falls er die kritischen Gedanken sogar ausspricht, wird er ziemlich schnell beim Ethik-Officer landen, der ihm die obige Lektion beibringt – und auch dieser Scientologe findet, wenn nötig mit Hilfe des Ethik-Officers, wo er sich unethisch verhalten hat, und lernt, dass Scientology recht hat – nur wer unethisch ist, hat kritische Gedanken.

Ich habe selbst dreizehn Jahre so gelebt – diese Denkweise geht so in Fleisch und Blut über, dass jeder kritische Gedanke sofort abgeblockt wird. Und sie wirkt sogar nach einer Trennung von Scientology noch lange nach, sogar im Verhältnis zu völlig anderen Gruppen – ich habe einen kritischen Gedanken, also stimmt bei mir etwas nicht.

Es hat lange gedauert, bis ich diesen mentalen Kurzschluss analysieren konnte: Ja, jeder Kritiker von Scientology (oder irgendeiner anderen Gruppe oder Organisation) hat irgendwo Dreck am Stecken, aber das hat mit der Kritik nichts zu tun: der Grund ist ganz schlicht, dass jeder Mensch auf dieser Welt sich von Zeit zu Zeit einmal nicht ganz korrekt verhält. Oder bist du, lieber Leser, liebe Leserin, wirklich die Ausnahme von dieser Regel? Da nun jeder Mensch sich irgendwann unethisch verhalten hat, hat sich logischerweise auch jeder Kritiker irgendwann unethisch verhalten.

Aber – dieses unethische Verhalten dessen, der kritisch ist, steht in keinem zwingenden Zusammenhang mit der Kritik. Und noch weniger hat dieses unethische Verhalten damit zu tun, ob die Kritik begründet ist oder nicht.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: es gibt durchaus auch Kritik, die sachlich nicht korrekt ist – gegenüber Scientology wie gegenüber anderen Gruppen. Nur sollte sachlich nicht korrekte Kritik durch sachliche Argumente widerlegt werden können, und nicht durch Kritik am Kritiker. Und die Existenz von sachlich nicht korrekter Kritik schliesst nicht aus, dass es auch sachlich korrekte Kritik gibt.

Auch ein zu Recht verurteilter Sträfling kann erkennen, dass ein Gefängniswärter bestechlich ist – kann das kritisieren und damit recht haben, und er hat ein Recht, das zu kritisieren und sich dagegen zu beschweren.

Auch ein Staatsbürger, der den einen oder anderen Verstoss gegen das Strassenverkehrsgesetz auf dem Kerbholz hat, kann die Regierung kritisch betrachten und damit recht haben – er kann sich mit Gleichgesinnten zusammentun und politische Aktionen aufziehen.

Auch ein Katholik, der sich sehr wohl bewusst ist, dass er vor Gott und der Kirche ein Sünder ist, kann gewissen Aspekten der katholischen Kirche kritisch gegenüberstehen – die Kirche gesteht ihm dieses Recht ausdrücklich zu.

Ein Scientologe hat dieses Recht in Scientology nicht. Es gibt keine legitime Kritik an Scientology, an L. Ron Hubbard, an Scientology-Lehre, Scientology-Management, Scientologen im Allgemeinen – unter keinen Umständen (Ausnahme: es gibt legitime Kritik an Scientologen, die sich, gemäss offizieller Scientology-Linie Fehlverhalten haben zu Schulden kommen lassen – etwaige sehr seltene und nicht vertuschbare Missstände sind ausschliesslich solchen Leuten zuzuschreiben).

Scientologen sehen sich als die einzigen freien Menschen auf dieser Welt – aber die Freiheit, Scientology auch nur in nebensächlichen Fragen zu kritisieren, gehört nicht zur totalen Freiheit, die Scientology propagiert.

Für Nicht-Scientologen ist es nach dem Lesen dieser Zeilen vielleicht verständlicher, warum Scientologen auf Kritik so rabiat reagieren – warum Scientology jede Kritikfähigkeit abgeht. Sie können sich damit trösten, dass sich mangelnde Kritikfähigkeit auf die Länge gesehen, für jede Organisation nachteilig auswirkt, da dadurch viele Gelegenheiten zur Verbesserung wegfallen.

Irmgard Wiesner 

zurück zum seitenanfang

 

Am Anfang stand eine positive Erfahrung

Hallo, vor vier Jahren war ich Mitglied der Church of Scientology, dann auch Mitarbeiter. Ich war nach anfänglicher Skepsis überrascht, wer alles dort Kurse macht, wie vertraut mir die Leute waren, und ich habe meine Vorurteile gegenüber den Scientologen beiseite geschoben. Ich war anfangs viel lebendiger, viel kommunikativer und war nicht mehr dieser versoffene Griesgram, der ich einst war. Die Scientologen strahlten viel Wärme und Lebensfreude aus. Ich glaubte, mein Leben vollständig in Griff zu bekommen. Leider wurde ich immer heftiger zu höheren Geldausgaben gedrängt. Da waren die Sea-Org Members, ein penetranter Haufen berechnender gutgetrimmter Leute, die wussten, wie sie ihre potentielle Geldquelle schröpfen . Die Zeit als Mitarbeiter, war die schrecklichste Zeit meines Lebens. Da wusste ich, wie wenig Achtung diese Gruppe anderen Menschen gegeüber hat. Hauptsache die Statistik stimmte. Widerspruch wurde nicht geduldet. L. Ron Hubbard war das Gesetz, und er irrte nicht. Ich hatte vier Jahre gebraucht, um mich von der Gruppe zu distanzieren, weil mir immer wieder die positive Veränderung am Anfang in den Sinn kam, und die hoffnungvolle Erwartung, die ich damit verband, einer aufregenden Zukunft entgegen zu sehen. Ich bin froh, dass ich der Gruppe den Rücken gekehrt habe, was ich mir, als ich bei Scientology war, kaum zu träumen gewagt hatte.

Aus: Diskussionsforum Charlie's Site 

zurück zum seitenanfang

 

kinder in scientology

Adi gehörte zu den ersten Kindern, die im Umfeld von Scientology aufwuchsen. Er selbst wurde als Siebenjähriger mit Scientology konfrontiert. Seine Mutter schloss sich der Gruppe an. Sie arbeitete zunächst noch weiter in ihrem Beruf als Lehrerin, bis sie Vollzeitmitarbeiterin wurde. So wuchs Daniel in die Organisation hinein. Ab dem Zeitpunkt, als seine Mutter ihren Beruf aufgab und ausschliesslich für Scientology arbeitete, hatte sie nur noch wenig Zeit für ihren Sohn. 

Daniel ging mit ins Zentrum, nahm an Kursen teil, machte die Hubbardschen Kommunikationsübungen. "Ich war damals auf dem Gymnasium. Es passte von der Thematik her hervorragend. Hubbard meinte dann auch in dem Kurs 'Ja, unsere Schulen sind ja wohl ziemlich für die Hunde'. Ich konnte ihm aus tiefstem Herzen zustimmen. Und da fand ich schon: ja, es ist eigentlich eine tolle Sache. Der sagt da ganz kluge Dinge, und er will die Welt verbessern, und das wollte ich sowieso, und das passt ja alles zusammen, und da habe ich mich dann auch entschieden: o.k., das finde ich gut, das möchte ich gerne machen, da war ich sechzehn. Ab da hat es sich für mich verändert. Da habe ich meiner Mutter gesagt: 'Ich möchte da arbeiten.' Sie sagte: 'Ja, okay, musst du selber wissen.' Ich bin dann von der Schule weg und hab sofort in Zürich angefangen, für das Zentrum zu arbeiten."

Daniel verhielt sich nicht anders als seine Mutter. Er lebte später als Staff-Mitarbeiter in Kopenhagen. Um seine einjährige Tochter konnte er sich aufgrund der Arbeitsanforderungen nicht kümmern. Und es ist ja auch alles geregelt. Adi erzählt: "Es gibt Kinderkrippen, da bringt man sie morgens hin und holt sie nachts wieder ab. Da hatten Eltern nach dem Nachtessen eine Stunde sogenannte Parents- oder Familytime." Später kam dann eine Anweisung, die diesen wenigen, aber doch regelmässigen Kontakt einschränkte. Adi: "Es gab da mal eine Anweisung, die besagte, dass für die Familytime eine Stunde am Tag nicht genug sei. Deshalb soll man doch besser in dieser Stunde viel produzieren und jeden zweiten Samstag einen Tag frei nehmen, welchen man dann in seiner Ganzheit mit seinem Kind verbringen kann. Also in anderen Worten: Man sieht das Kind jede zweite Woche für einen Tag, und halt nachts, wenn das Kind eh schläft."

Aus: "Die Sektenkinder" von Kurt-Helmuth Eimuth

zurück zum seitenanfang

 

erlebnisbericht vom vater einer scientologin

Aufgewachsen ist meine Tochter auf dem Lande in normal bürgerlichen Verhältnissen mit einigen Geschwistern. Besuch der Primar- und Sekundarschule. Anschliessend Lehre in einem Transportunternehmen als Betriebsassistentin. Nach der Lehre Aushilfen in verschiedenen Betrieben dieses Unternehmens. Zur Weiterbildung Sprachaufenthalt in einer Sprachschule in England.

Findet nach ihrer Rückkehr keine Arbeit im angestammten Betrieb, findet aber sogleich Arbeit im Büro einer grösseren Autovermietungsfirma auf dem Flughafen.

Nach einiger Zeit lässt sie sich ausbilden als Reisehostess in einem grösseren Reiseunternehmen.

Mit Freude erzählt sie uns Eltern - sie selbst ist inzwischen 25 Jahre alt geworden - dass sie ins Ausland fliegen werde für die Sommersaison.

In dieser Zeit ging Ihre Beziehung mit ihrem Freund zu Ende, ohne dass er einen Grund angab. Das hat sie enorm beschäftigt.

Auf dem Weg zur Arbeit wurde ihr ein Zettel in die Hand gedrückt für eine „kostenlose Persönlichkeitsanalyse mit IQ-Test“ und ein Gutschein, um einen Film anzuschauen im Scientology-Testcenter. Nach den ersten Kontakten entschloss sie sich, einen Reinigungskurs zu besuchen. In dieser Zeit kam sie oft erst morgens gegen drei bis fünf Uhr nach Hause.

Zehn bis vierzehn Tage vor ihrem Abflug ins Ausland erklärte sie uns, dass sie nicht ins Ausland gehe, trotz gültigem Arbeitsvertrag, und sie sagte uns auch, dass sie in Zukunft bei den Scientologen arbeite. Wir Eltern fielen aus allen Wolken. Auf unseren Einwand, sie habe doch einen Arbeitsvertrag, den sie erfüllen müsse, erklärte sie uns, die Scientologen würden für alle Kosten aufkommen, die aus dieser Ablösung entstünden.

Da in der Zeitung gerade etwas stand von einem Aufklärungsabend über Sekten, den eine Pfarrersfrau gehalten hatte, orientierten wir uns über die verschiedenen Sekten.

Wir unterhielten uns mit unserer Tochter über alle Folgen, aber sie war wie auf einem anderen Planeten. Sie war für uns wie verändert und nicht mehr voll ansprechbar.

Auf den Druck unsererseits entschloss sie sich dann, doch die Stelle im Ausland bei dem Reiseunternehmen anzutreten. Sie trat aber mit der Frage an uns heran, was wir danach dazu sagen würden.

Wir erklärten, sie sei im Grunde alt genug, um über ihr Leben zu entscheiden.

Für ihre Reise ins Ausland füllte sie einen Koffer mit Kassetten und Büchern der Dianetik, zum Beispiel den „Leitfaden für den menschlichen Verstand“ (wo ist dieser beschrieben).

Im Spätherbst kam sie zurück, war zwei bis drei Wochen daheim, dann ‘adieu und fort’ war sie nach Zürich, ins Scientology-Zentrum.

Es war für uns eine schreckliche Leidenszeit. Sie telefonierte mit Zürich immer, wenn sie irgendwelche Probleme mit ihrem Umfeld hatte. Auch nachts schrillte das Telefon des öfteren, manchmal gar um zwölf bis zwei Uhr morgens: Ein Scientologe fragte dann jeweils nach unserer Tochter, die gar nicht mehr bei uns wohnte. Wir mussten um fünf Uhr wieder aufstehen und diese Telefone brachten uns um den Schlaf. Dazu kam, dass unser Sohn in dieser Zeit durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen war. Wenn das Telefon spät nachts klingelte, hatten wir Angst, es sei wieder etwas schlimmes geschehen. Unsere Nerven lagen vielfach blank.

Mit meiner Drohung, das Telefon überwachen zu lassen, um die Anrufer eruieren zu können, nahm der Terror ein Ende.

Nach geraumer Zeit kam sie um die Mittagszeit nach Hause und sagte, sie müsse noch einiges erledigen. Auf die Frage, ob sie hier übernachte, kam die Antwort: „Nein, mein Zug fährt in einer Stunde in Zürich ab.“ „ja, wohin?“ war unsere Frage. „Nach Kopenhagen“ die Antwort.

Nach einem halben bis dreiviertel Jahr Stillschweigen, kein Briefkontakt und Telefon, erkundigten wir uns nach der Telefonnummer der Scientology-Organisation in Kopenhagen.

Auf unsere telefonische Anfrage in Kopenhagen lautete die Antwort, dass unsere Tochter schon lange in den USA (in Los Angeles) weile, und wir sollten sie vergessen, sie komme nie wieder zurück.

Wir haben dann die Adresse trotz allen Widrigkeiten erhalten, haben Kontakt aufgenommen und diesen telefonisch und brieflich aufrechterhalten.

Sie versprach, uns immer wieder zu besuchen, aber die Monate verstrichen, bis sie plötzlich anrief und sagte, sie sei bei ihrer Schwester in der Nordwestschweiz. Wir haben hinterher erfahren, dass sie zurückkam, um den Pass zu erneuern.

Die Mutter ging mit ihr neue Kleider und Schuhe kaufen, weil ihre Kleider teils zerrissen waren und die Schuhe Löcher hatten. Sie arbeitete dann in Zürich und Umgebung und wohnte bei einem Scientologen.

Eine wirkliche Auskunft über ihre Tätigkeit gab sie uns nicht. Als der Pass erneuert war, sagte sie uns, sie müsse noch etwas erledigen in Los Angeles.

Einige Monate nach ihrer Abreise lud sie uns in die USA ein zu ihrer Hochzeit, was aber zeitlich und finanziell nicht drin lag. Die Hochzeit war aber keine standesamtliche. Diese Bestätigung erhielt ich vom Zivilstandsamt.

Unsere Tochter hat immer wieder versucht, uns und ihre Geschwister zu überzeugen, dass sie das einzig richtige mache. Um mich in dieser Materie „Scientology“ besser orientieren zu können, besuchte ich einen Vortrag im Zentrum in Zürich, und ich habe auch die Bücher unserer Tochter durchgesehen.

In der Zwischenzeit hat unsere Tochter in Los Angeles zunächst im Büro gearbeitet, zwischendurch einmal in der Kantine - vermutlich zurückversetzt - und heute macht sie Übersetzungen.

Was früher bei ihr verpönt war, macht sie jetzt tagtäglich: arbeiten die ganze Woche, inklusive Samstag und Sonntag. Freizeit kennen die kaum, weil sie glauben, etwas Gutes zu tun, für diese verrückte Welt.

Den letzten Anruf erhielten wir von unserer Tochter im Frühjahr. Sie wollte, dass wir unsere Mitgliedschaft bei der SADK (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft gegen destruktive Kulte) aufgeben, denn sie könne mit ihren Kursen nicht weitermachen, wenn wir Mitglied sind und sie wolle mit dieser Hass- und Hetzgruppe nichts mehr zu tun haben.

Aus einem Deal, dass wir aus der SADK austreten und sie dafür aus Scientology, wurde nichts. Seither kam keine Antwort auf unsere Postkarten und Briefe.

Das, was Scientology betreibt, ist Nötigung - was bei uns grundsätzlich von Amtes wegen strafbar wäre. Auch alle Machenschaften der Scientology in den zwischenmenschlichen Beziehungen sind eher kriminell und haben mit Religion überhaupt nichts zu tun.

Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass viele Mitglieder Opfer und Täter dieses Systems zugleich sind. 

K.E.

zurück zum seitenanfang

 

meine erlebnisse mit scientology

Familie: Ich (m19) bin mit SCN aufgewachsen, da meine Eltern schon Scientologen waren bevor ich geboren wahr. Zum Glück wurde ich nicht so wie andere SCN-Kinder in eine SCN-Schule geschickt sondern habe den staatlichen Unterricht genossen, deshalb bin ich nicht so verblödet und erkenne den Scheiss den SCN mit meinen Eltern angestellt hat. Z.B.: Mein Vater hat 500.000 sFr Schulden gemacht NUR um irgendein Class-soundso-Auditor zu werden. Er und meine Mutter (geschieden) haben AUSSCHLIESSLICH Freunde die Scientologen sind. Deshalb habe ich auch nicht so ein gutes Verhältniss mit meinen Eltern sondern eher mit anderen Verwandten. Obwohl mein Vater massenhaft Geld für SCN ausgegeben hat ist er a) schüchtern, b) hat seit 20 Jahren keine Frau mehr gesehen und c) seine Mutter ist die einzige Frau in seinem Leben <bedauernswert>. Meine Mutter trinkt, hat Geldprobleme und ist leicht zu beeinflussen <trotz SCN-Kurse, usw.>.

Freunde: Mit 8 - 12 Jahren hatte ich zwei Freunde, die Kinder von SCN-Freunden meiner Mutter waren, soweit normal bis sie plötzlich beide, ~6 Monate nacheinander, von SCN nur so schwärmten <mit 12 Jahren !!!>. Einer erzählte mir er wolle nach Flag gehen und OT8 werden (später ging er in die Sea-org, kein Kontakt mehr>, der andere ging plötzlich auf Staff und kurze Zeit später wollte er mich dazu überreden auch auf Staff zu gehen <da er andauernd in der org war kein Kontakt mehr>. Zu meinen "öffentlichen Freunden" durfte ich nichts von SCN erwähnen, da ich einmal einem Schulfreund davon erzählte und seine Eltern daraufhin jeden Kontakt zu mir abbrachen <guten Freund verloren>. Darum hatte ich kaum Freunde in meiner Jugend bis ich die Schule wechselte.

Erlebnisse: Einmal bat mich meine Mutter in die Org zu kommen um irgendetwas abzuholen, ich machte mir keine grossen Gedanken und so quatschte mich ein Staffmember <wusste damals nicht was das war> an und fragte wie es mir so in meinem Leben denn ginge. Ich Idiot quassle so vor mich hin und durfte daraufhin einen Persönlichkeitstest machen <dachte mir: wieso nicht, kann ja interessant werden was da herauskommt>. Kurz darauf befand ich mich im Kursraum und dachte mir: SCHEISSE SCHEISSE SCHEISSE !!! Dann: Wortklären..., weisst du überhaupt worum es in der SCN geht???, kläre das Wort GOTT und TEUFEL..., Willst du nicht Staffmember werden???, Du merkst doch, dass die Welt dort draussen nicht rosig aussieht???, Das kann man ändern..., Willst du nicht Flyer verteilen (für 10 CM - 50 sFr, lächerlich für die bösen Blicke die man zugeworfen bekommt...)

Alles in allem ein Horror. Ich konnte meinen Freunden nicht erzählen wo ich mich die ganze Zeit rumtreibe, ich konnte nicht den Kurs abbrechen da mir plötzlich alle hinterherkrochen und sagten <das ist OUTETHIK> usw. Nachdem ich den Kurs abgeschlossen habe, bekam ich ein schön verziertes Diplom <in meinen Augen WERTLOS> und wurde gleich zum Eintreiber geschickt um einen neuen Kurs zu kaufen. Ich hab mir das BlaBla angehöhrt und dann weg und nie wieder.

Öfters faselt meine Mutter was von geh doch wieder einen Kurs besuchen, naja, einziger Ausweg die Flucht zu Freunden. Obwohl ich noch zu Hause wohne bin ich nur zum Schlafen zu Haus.

Das wahr mein Scheiss-Leben in kurzfassung und mit ein paar anderen Geschichten wars ~1000 mal so schlimm wie es sich hier liest.

Danke fürs Lesen

Aus: Diskussionsforum Charlie's Site 

 

Weitere Links zum Thema

zurück zum seitenanfang